Von Roland Lindner, New York
21. Juli 2008 Das Internetunternehmen Yahoo hat den Streit mit seinem Großaktionär Carl Icahn beigelegt. Icahn hat sein Vorhaben aufgegeben, auf der Aktionärsversammlung von Yahoo am 1. August den gesamten Verwaltungsrat des Unternehmens stürzen zu wollen. Im Gegenzug bekommt Icahn dafür drei Sitze im Verwaltungsrat von Yahoo.
Damit sind nun auch die Karten im Übernahmerennen um Yahoo neu gemischt: Icahn ist bei Yahoo eingestiegen, um das Unternehmen zu einem Verkauf an den Softwarekonzern Microsoft zu drängen. Die nun angekündigte Einigung könnte eine solche Transaktion zumindest für den Moment weniger wahrscheinlich machen. Der Aktienkurs von Yahoo verlor am Montag im Handelsverlauf mehr als 2 Prozent an Wert und rutschte unter die Marke von 22 Dollar, da der Aktie nun Übernahmephantasie genommen wurde.
Gezielter Schlagabtausch blieb aus
Microsoft hat in einem überraschenden Coup im Februar 44,6 Milliarden Dollar für den Kauf von Yahoo geboten. Der Verwaltungsrat von Yahoo lehnte den Vorstoß aber ab. Nach einem mehrmonatigen Ringen gab Microsoft seinen Übernahmeversuch dann jedoch im Mai wieder auf. In nur wenigen Wochen kaufte der Investor Icahn einen Anteil von 5 Prozent an Yahoo zusammen. Danach startete er eine aggressive Kampagne gegen den Verwaltungsrat.
Icahn folgte damit seinem üblichen Muster, bei Unternehmen einzusteigen und sie zu Veränderungen zu drängen. Microsoft hat sich vor wenigen Wochen auf die Seite von Icahn gestellt und von Neuem Interesse an Yahoo bekundet. Icahn hatte in der Zwischenzeit gezielt auf einen Schlagabtausch auf der Aktionärsversammlung hingearbeitet. Er hat dazu eigene Kandidaten für den Verwaltungsrat nominiert. Damit hat der Investor die Hoffnung verbunden, dass die Anteilseigner in einer Kampfabstimmung das derzeitige Gremium stürzen könnten.
Dazu wird es nach der nun angekündigten Einigung nicht mehr kommen: Icahn wird selbst einen Sitz im Yahoo-Verwaltungsrat bekommen, dazu sollen zwei weitere der von ihm nominierten Kandidaten in das Gremium berufen werden. Yahoo wird somit den Verwaltungsrat von derzeit neun auf elf Mitglieder erweitern. Ein Mitglied des derzeitigen Verwaltungsrats wird sich verabschieden. Es handelt sich dabei um Robert Kotick, den Vorstandsvorsitzenden des Videospieleherstellers Activision Blizzard.
Icahn will weiterhin einen Verkauf
In den vergangenen Tagen hatte sich der Druck auf Carl Icahn deutlich erhöht, eine Einigung anzustreben. Die Fondsgesellschaft Legg Mason, die einen Anteil von 4,4 Prozent an Yahoo hält, hat sich gegen Icahn gestellt und mitgeteilt, sie werde bei der Hauptversammlung den derzeitigen Verwaltungsrat unterstützen.
Icahn sagte am Montag, er glaube zwar weiterhin, dass Yahoo einen teilweisen oder kompletten Verkauf erwägen solle. Gleichwohl habe Yahoo auch heute eine wertvolle Sammlung an Vermögenswerten, mit denen das Unternehmen seine Position im Online-Geschäft ausbauen könne.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
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