Medien

Rupert Murdoch greift nach dem „Wall Street Journal“

Von Roland Lindner

Der Medienmogul will das “Wall Street Journal“

Der Medienmogul will das "Wall Street Journal"

02. Mai 2007 Der Medienunternehmer Rupert Murdoch hat für einen Paukenschlag in der Branche gesorgt: Das von ihm geführte Unternehmen News Corp. hat ein Übernahmeangebot für das Verlagshaus Dow Jones & Co. gemacht. Dow Jones ist der Herausgeber des „Wall Street Journal“, einer der traditionsreichsten und auflagenstärksten Zeitungen in den Vereinigten Staaten. Das Angebot hat ein Volumen von 60 Dollar je Aktie oder rund 5 Milliarden Dollar.

Damit würde News Corp. tief in die Tasche greifen, denn der gebotene Kaufpreis entspricht einem Aufschlag von 67 Prozent auf den Schlusskurs vom Montag. News Corp. würde den Preis entweder in bar oder in einer Kombination aus Bargeld und eigenen Aktien bezahlen. Dow Jones hat am Dienstag bestätigt, ein Angebot erhalten zu haben. Auch News Corp bestätigte sein Interesse und betonte, es handle sich um ein „freundliches“ Gebot. Die Übernahme würde den Medienmogul Murdoch zu einem wichtigen Akteur im globalen Geschäft mit Finanznachrichten machen.

Verlegerfamilie Bancroft prüft das Angebot

Die Entscheidung über den Verkauf liegt letztlich bei der aus Boston kommenden Verlegerfamilie Bancroft. Dow Jones ist zwar ein börsennotiertes Unternehmen, aber die Mehrheit der Stimmrechte - 62 Prozent - wird von einer Reihe von Mitgliedern der Familie kontrolliert. Schon in der Vergangenheit gab es wiederholt Gerüchte über einen möglichen Verkauf von Dow Jones. Bislang hat die die Familie aber stets bestritten, verkaufen zu wollen. Rupert Murdoch ist aber von den Bancrofts offenbar nicht sofort zurückgewiesen worden. In der Mitteilung von Dow Jones heißt es, die Familie prüfe das Angebot.

Rupert Murdoch würde mit Dow Jones den ohnehin schon gigantischen Medienkonzern News Corp. um eine weitere Renommieradresse ergänzen. Zur News Corp gehören heute rund 175 Zeitungen wie die britische „Times“. Daneben hat das Unternehmen umfangreiche Fernsehaktivitäten, zum Beispiel die Sendergruppe Fox in Amerika und den Bezahlsender BSkyB in Großbritannien, außerdem das Filmstudio Twentieth Century Fox und den Satellitenfernsehanbieter DirecTV. Zuletzt hat Murdoch das Internet zum Expansionsfeld erklärt und hier einige Unternehmen zugekauft, an erster Stelle die Online-Gemeinde Myspace.

In Amerika bislang nur mit Boulevardblatt vertreten

Auf dem amerikanischen Zeitungsmarkt ist Murdoch bislang nur mit der Boulevardzeitung „New York Post“ vertreten. Das politisch sehr konservativ ausgerichtete Blatt gehört zu den wenigen Zeitungen, die in Amerika ihre Auflage deutlich steigern können. Nach neuesten Zahlen dieser Woche hat die „New York Post“ ihre Auflage in den vergangenen sechs Monaten um 8 Prozent auf 725.000 Stück ausbauen können. Damit ist sie die fünftgrößte Zeitung in Amerika. Die „Post“ ist allerdings ein chronisches Verlustgeschäft für Murdoch, nicht zuletzt weil er viel Geld in den Ausbau der Leserschaft pumpt.

Das „Wall Street Journal“ ist hinter „USA Today“ die Nummer zwei auf dem amerikanischen Markt und kommt auf eine Auflage von 2,06 Millionen. Nach den jüngsten Zahlen konnte das „Wall Street Journal“ die Auflage leicht ausbauen. Das schon im Jahr 1889 gegründete Flaggschiff des Dow-Jones-Verlags hatte in den vergangenen Jahren aber mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Als Wirtschaftstitel hatte die Zeitung besonders unter dem Platzen der Börsenblase zu leiden und verzeichnete drastische Einbußen im Anzeigengeschäft. In jüngster Zeit leidet das „Journal“ wie die gesamte Zeitungsbranche darunter, dass das Internet immer stärker als Informationsquelle genutzt wird. Den Lesern folgen auch Anzeigenkunden zunehmend ins Internet. Dow Jones meldete zuletzt für das erste Quartal rückläufige Anzeigenumsätze beim „Wall Street Journal“.

Kauf würde in Murdochs Strategie passen

Dow Jones versucht, auf diese Entwicklung mit einem Ausbau des eigenen Internetgeschäfts zu reagieren. So kaufte Dow Jones den Online-Finanzdienst Market Watch. Und die Internetausgabe des „Wall Street Journal“ ist sehr erfolgreich. Trotz solcher Initiativen kommt der Aktienkurs von Dow Jones seit Jahren nicht voran. Dow Jones hat insgesamt im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 1,78 Milliarden Dollar einen Nettogewinn von 387 Millionen Dollar erwirtschaftet.

Für Rupert Murdoch, der mit seiner Familie rund 30 Prozent des stimmberechtigten Kapitals von News Corp. kontrolliert, würde ein Kauf von Dow Jones in die Strategie passen, seine eigenen Wirtschaftsaktivitäten auszubauen. So hat Murdoch angekündigt, einen eigenen Wirtschaftsfernsehsender zu starten, der mit dem Kanal CNBC konkurrieren soll. CNBC hat derzeit eine Kooperation mit Dow Jones.

Inhaberstruktur soll vor Übernahmen schützen

Dow Jones ist nicht das einzige Beispiel eines amerikanischen Medienunternehmens, das börsennotiert ist, aber mehrheitlich von einer Inhaberfamilie kontrolliert wird. So hält zum Beispiel die New Yorker Sulzberger-Familie die Mehrheit an der New York Times Company. Die Sulzbergers sind aber viel stärker im operativen Geschäft engagiert als die Bancrofts, die sich weitgehend im Hintergrund halten. Diese Inhaberstruktur schützt die Unternehmen vor einer ungewollten Übernahme.

Dagegen sind in jüngster Zeit einige andere große amerikanische Zeitungshäuser, die nicht in Familienhand sind, verkauft worden. So erwarb der Immobilienunternehmer Samuel Zell vor wenigen Wochen das Chicagoer Verlagshaus Tribune.

Text: F.A.Z., 02.05.2007, Nr. 101 / Seite 17
Bildmaterial: REUTERS

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