14. November 2006 Der Führungswechsel bei der Deutschen Telekom ist besiegelt. Am Montag hat der Aufsichtsrat den Chef der Mobilfunksparte René Obermann zum Nachfolger des zurückgetretenen Vorstandsvorsitzenden Kai-Uwe Ricke ernannt. Das Stühlerücken in der Telekom ist damit aber nicht beendet. Voraussichtlich schon im Dezember werde Walter Raizner, der Leiter der kränkelnden Festnetzsparte, seinen Hut nehmen müssen, hieß es seitens der Anteilseigner. Laut einem Zeitungsbericht will auch Personalvorstand Heinz Klinkhammer sein Amt niederlegen.
Dem ehemaligen IBM-Manager Raizner wird im Aufsichtsrat vorgeworfen, nicht schnell genug auf den Kundenschwund reagiert zu haben. Zudem soll es um sein Verhältnis zu Obermann nicht zum Besten stehen. Das Handelsblatt zitierte einen ranghohen Telekom-Manager mit den Worten: Raizner kann sich auf Dauer nicht mehr wohlfühlen im Konzern. Der wird sich bald etwas anderes suchen. Als Grund wird genannt, daß der frühere Konzernchef Ricke Raizner die Verantwortung für den Vertrieb und die Netztechnik entzogen habe.
Bleibt Finanzvorstand Eick?
Über Klinkhammer schreibt die Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise, er werde sein Amt zum Jahresende abgeben, obwohl sein Vertrag noch knapp zwei Jahre laufe. Als Nachfolger habe er den Personalchef der Festnetzsparte T-Com und Geschäftsführer der Telekom-Beschäftigungsgesellschaft Vivento, Dietmar Weslau, vorgeschlagen.
Ungewiß ist noch, ob Finanzvorstand Karl Eick bleibt. Wie schon vor vier Jahren bei der Berufung von Ricke hatte er sich auch jetzt selbst Chancen auf den Chefposten ausgerechnet. Sein Vertrag endet im November kommenden Jahres.
Ein Amerikaner im Vorstand?
Für Obermann könnte erstmals ein ausländischer Manager in den Konzernvorstand nachrücken. Wie aus Eignerkreisen verlautete, sei eine Internationalisierung der Führungsmannschaft der weltweit agierenden Telekom überfällig. Dies könne auch ein Zeichen an die Gewerkschaft setzen, die sich zu sehr mit deutscher Nabelschau beschäftige. Immerhin stamme schon mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes aus dem Ausland.
Als chancenreichster Kandidat gilt der für das Amerika-Geschäft verantwortliche Robert P. Dotson. Der 46 Jahre alte Amerikaner war durch die Übernahme des Mobilfunkunternehmens Voice Stream im Juli 2001 zu T-Mobile gekommen. Das Amerikageschäft hat sich zum Wachstumstreiber des Gesamtkonzerns entwickelt und soll nach dem Kauf zusätzlicher Frequenzen für 3,3 Milliarden Euro rasch weiter ausgebaut werden.
Auch der Neue will konsequent sparen
Postchef Klaus Zumwinkel, der Vorsitzende des Telekom-Aufsichtsrates, lobte Obermann als führungsstarke Persönlichkeit mit über zwanzigjähriger Erfahrung. Obermanns Vertrag gilt für fünf Jahre. Nach dem Schuldenabbau unter seinem Vorgänger Ricke gehe es nun darum, den Aktienkurs zu steigern, betonte Zumwinkel. Auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) ließ durch seinen Sprecher Vorschußlorbeer verteilen. Obermann sei ein exzellenter Fachmann und hervorragender Telekommunikationsmanager. An der Börse kam der Führungswechsel gut an. Die T-Aktie legte im Verlauf um mehr als drei Prozent zu.
Obermann dämpfte jedoch in seiner ersten Rede als Vorstandschef die Hoffnungen auf rasche Besserung. Die Rahmenbedingungen werden auch in Zukunft schwierig bleiben, sagte er. Der Konzern stehe in einem harten Wettbewerb, und die Regulierung werde weiterhin darauf abzielen, daß die Telekom Marktanteile an die Konkurrenz abgebe.
Als oberste Priorität nannte der neue Konzernchef die Verbesserung von Service und Kundenzufriedenheit. Das sei die Grundlage für höhere Renditen und Voraussetzung für Wachstum und Beschäftigung. Gleichzeitig kündigte er an, den von Ricke eingeleiteten Sparkurs konsequent fortzusetzen. Jeder Cent müsse zwei Mal umgedreht werden, das Unternehmen stehe vor einem Spagat zwischen dem Sparkurs und einer Servicekultur mit hochmotivierten Menschen.
Eigner wünschen sich niedrigere Arbeitskosten
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi erwartet von Obermann, die ständige Bedrohung von Arbeitsplätzen, Gehältern und Arbeitsbedingungen zu beenden. Es sei nicht damit getan, versöhnliche Töne gegenüber der Belegschaft anzuschlagen. Er müsse die bisherigen Personalabbau- und Kürzungspläne zur Disposition stellen, sagte Verdi-Bundesvorstand und Aufsichtsratsmitglied Lothar Schröder.
Das sehen die Eigner ganz anders. Dort teilt man zwar Schröders Kritik an der mangelnden Dialogbereitschaft Rickes und übereilten öffentlichen Vorstößen in Beschäftigungsfragen. An einer weiteren Senkung der Arbeitskosten führe jedoch kein Weg vorbei. Sollten die Gespräche mit der Gewerkschaft über marktnähere Konditionen für die Mitarbeiter im technischen Service und in den Call-Centern nicht fruchten, müsse über Alternativen nachgedacht werden.
Text: bü./F.A.Z., 14.11.2006, Nr. 265 / Seite 11
Bildmaterial: dpa, F.A.Z., picture-alliance/ dpa/dpaweb
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