28. April 2006 Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft erwägt, mit selbst produzierter Hardware den großen Erfolg von Apple und dessen populärem Musikplayer iPod zu brechen. Das letzte Wort ist in diesem Wettbewerb nicht gesprochen, sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer. Bislang habe der Software-Hersteller seine Spielekonsole Xbox für eine Ausnahme des Geschäftsmodells gehalten. Aber wir sind zunehmend offener für Ausnahmen geworden.
Bei tragbaren Geräten werde sich in den nächsten Jahren sehr viel verändern, sagte Ballmer im Gespräch mit der Welt. Es sei auf Dauer unpraktikabel, verschiedene Apparate zum Musik hören, Spielen, Fotografieren oder Kommunizieren zu nutzen. Ein kleines, integriertes Gerät wird viele verschiedene Funktionen beherrschen, sagte Ballmer. Wir werden bei dieser Entwicklung nicht an der Außenlinie stehen.
Microsoft werde aber selbst nie einen PC bauen. Wir werden weiterhin mit Herstellern kooperieren, bei Handys und PDAs genauso wie bei PCs. Wo es sinnvoll sei, werde Microsoft allerdings auch eigene Geräte entwickeln. Auch gegen den weltgrößten Suchmaschinenbetreiber Google will Microsoft den Wettbewerb verschärfen.
Geringerer Umsatz- und Gewinnzuwachs
Das Interview kommt just nach den enttäuschenden Quartalszahlen. Microsoft hat Gewinn und Umsatz im dritten Quartal weniger gesteigert als von Analysten erwartet. Auch der Ausblick enttäuschte die Anleger. Die Aktie fiel daraufhin im nachbörslichen Handel um sechs Prozent.
Das Nettoergebnis sei gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 16 Prozent auf 2,98 Milliarden Dollar oder 29 Cent pro Aktie gestiegen, teilte das Unternehmen am Donnerstag nach New Yorker Börsenschluß mit. Der Umsatz wuchs um 13 Prozent auf 10,9 Milliarden Dollar. Von Reuters befragte Branchenexperten hatten im Durchschnitt mit einem Ergebnis von 33 Cent je Anteilsschein bei einem Umsatz von 11,04 Milliarden Dollar gerechnet. Mit den eigenen Erwartungen stimmten die Quartalszahlen des Unternehmens jedoch überein.
Das Ergebnis im Geschäftsjahr ab 1. Juli wird Microsoft zufolge belastet sein von Investitionen für neue Produkte etwa aus der Windows-Sparte, für Software-Dienstleistungen und die Kosten für die beschleunigte Lieferung der neuen Spielekonsole Xbox 360. Zudem würden die Verkäufe von Personal- und Server-Computern langsamer wachsen. Der Ausblick für das nächste Jahr war schwächer als erwartet vor allem wegen des kommenden neuen Produktzyklus, sagte Analyst Kim Caughey von Fort Pitt Capital. Microsoft legt sich die Latte oft sehr niedrig.
Verhaltene Nachfrage
Wegen der erwarteten verhaltenen Nachfrage prognostizierte Microsoft einen Jahresgewinn zwischen 1,36 Dollar und 1,41 Dollar pro Aktie einschließlich der Wandelrechte. Der Umsatz werde bei 49,5 Milliarden bis 50,5 Milliarden Dollar liegen. Die Branchenexperten hatten einen Gewinn ohne Sonderposten von 1,53 Dollar je Anteilsschein bei einem Umsatz von 49,5 Milliarden Dollar geschätzt.
Die Wall Street flippte aus, weil Microsoft eine Menge Geld für seine Dienstleistungen investiert, sagte Analyst Toan Tran von Morningstar. Die Ausgaben seien aber notwendig, um konkurrenzfähig zu bleiben. Der Experte begrüßte, dass das Unternehmen künftig seine Programme und Updates verstärkt über das Internet verkaufen will und sich langsam von Datenträgern als traditionellem Vertriebsweg abwendet.
Ausschlaggebend war für die Anleger aber offenbar, daß Microsoft die Erwartungen nicht erfüllte: Die Aktie fiel um 1,63 Dollar auf 25,62 Dollar im nachbörslichen Handel. An der Nasdaq hatte sie zuletzt bei 27,25 Dollar notiert.
Wir haben eine strategische Entscheidung im Hinblick auf das nächste Jahr getroffen. Vor dem Hintergrund der sich bietenden Möglichkeiten und dem Potential an Umsatzwachstum, das wir sehen, sind wir diesen Kompromiß eingegangen, sagte Microsoft-Finanzvorstand Chris Lidell in einer Telefonkonferenz. Im März hatte Microsoft die Markteinführung seines neuen Betriebssystems Vista für Privatkunden und das Software-Paket Office 2007 aufkommenden Januar verschoben (siehe: Microsoft verschiebt Einführung von Windows Vista ). Experten rechnen damit, daß sich die PC-Nachfrage vor dem Start der neuen Versionen und der Einführung der neuen Generation von Intel-Prozessoren im Sommer verlangsamen wird. Wir blicken auf ein leicht konservativeres Bild auf dem PC-Markt im kommenden Jahr, sagte Lidell im Reuters-Interview. Microsoft kündigte an, die Käuferbasis für die Spielekonsole Xbox 360 zu verbreitern, bevor Konkurrent Sony im weiteren Jahresverlauf auf den Markt kommt. Dafür hat der Softwareriese ein Absatzplus zu höheren Kosten in Kauf genommen.
Am Freitag beginnt am Europäischen Gerichtshof in erster Instanz die fünftägige Verhandlung über eine Strafentscheidung der Europäischen Kommission gegen Microsoft. Die Kommission hatte dem Unternehmen eine Rekordstrafe von 497 Millionen Euro auferlegt, weil es sich weigert den Windows-Mediaplayer wie von der Kartellaufsicht gefordert vom Betriebssystem zu entkoppeln und damit alternativen Anbietern von Multimedia-Programmen eine Marktchance zu geben.
Text: Reuters, Dow Jones
Bildmaterial: AP
NetzökonomFacebook CEO Mark Zuckerberg: Our focus is growth, not revenue
von Holger Schmidt, 09.10.2008 13:49
Euro-Staaten beschließen Rettungsplan für ![]()
Kommentar: Der IWF und die Finanzkrise
Hamburg hält Hapag-Lloyd mit viel Staatsgeld fest
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.544,31 | -7,01 |
| TecDax | 516,75 | -4,81 |
| DowJones | 8.451,19 | -1,49 |
| Nasdaq | 1.649,51 | +0,27 |
| STOXX 50 | 2.421,87 | -7,86 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 8,83 | -10,45 |
| Euro/Dollar | 1,35 | -0,71 |
| Bund Future | 114,67 | -1,44 |
| Gold | 869,95 | +2,66 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |