Telekommunikation

DSL-Anschlüsse werden billiger

04. August 2005 Mit der Absenkung eines Bündels von Entgelten, die Telekommunikationsunternehmen für die Nutzung des Telefonnetzes der Deutschen Telekom zahlen müssen, hat die Bundesnetzagentur am Mittwoch den Weg für eine deutliche Verschärfung des Wettbewerbs frei gemacht. Die Entscheidung wird vor allem für mehr Infrastrukturwettbewerb auf dem Breitbandmarkt und damit wohl zu günstigeren DSL-Anschlüssen führen. Als erstes Internetunternehmen hat AOL reagiert: "Auf Basis der heutigen Entscheidung hat AOL beschlossen, schon im September eigene Breitband-Internetanschlüsse in Hamburg anzubieten. Im Laufe des Jahres werden wir in weiteren deutschen Großstädten aktiv werden", sagte AOL-Deutschlandchef Stan Laurent dieser Zeitung. Bisher hatte AOL Breitband-Anschlüsse der Telekom weiterverkauft.

Der Regulierer ist mit dieser Entscheidung weitgehend den Forderungen der Telekom-Konkurrenten gefolgt, auch wenn die Absenkung nicht in allen Fällen der geforderten Höhe entsprach. Die Deutsche Telekom hatte hingegen höhere Entgelte gefordert, konnte sich aber nicht durchsetzen. Das Unternehmen beklagte, ihre Vorleistungen künftig unterhalb der eigenen, beim Regulierer nachgewiesenen Kosten anbieten zu müssen. Frank Schmidt, Leiter Regulierung bei der Festnetzsparte T-Com, sagte: "Es war nicht nötig, so drastisch in das Entgeltgefüge einzugreifen." Der Wettbewerb auf der letzten Meile habe sich in den vergangenen Monaten auch auf Basis der alten Preise deutlich belebt.

Umstellungskosten 17 Prozent geringer

Die Bundesnetzagentur hatte zum einen über die einmaligen Entgelte zu entscheiden, die Wettbewerber der Telekom beim kompletten Wechsel eines Kunden für die Umschaltung der sogenannten letzten Meile in die Haushalte hinein (TAL) zu zahlen haben. Darüber hinaus wurde das Entgelt für das sogenannte Line-Sharing neu festgelegt. Bei diesem Verfahren mietet der Wettbewerber nur das Frequenzband der letzten Meile, das für den Datentransport benötigt wird. Auf dieser Basis kann der Wettbewerber dann eigene DSL-Internetanschlüsse anbieten, während der Telefonanschluß bei der Telekom bleibt. Der Preis für dieses Line-Sharing wurde um 5 Prozent auf 2,31Euro im Monat gesenkt.

Der Wert gehört nach Angaben von Matthias Kurth, dem Präsidenten der Bundesnetzagentur, jetzt zu den günstigsten in der Europäischen Union. Fast wichtiger für den Wettbewerb sind aber die Einmalentgelte. Diese sind in der häufigsten Variante der TAL-Umschaltung um 10 Prozent auf 43,10 Euro gesenkt worden. Die Kosten für die Umstellung eines Anschlusses auf Line-Sharing verringern sich um 17 Prozent auf gut 51 Euro. Die Einmalentgelte sind für den Wettbewerb auf dem Markt eine entscheidende Größe, da sie maßgeblich den Zeitraum bestimmen, bis ein Telekom-Konkurrenten mit einem Kunden Gewinn erzielen kann. Je kürzer dieser Zeitraum, desto schneller lohnen sich Investitionen in eine eigene Infrastruktur.

Telefonica bestätigt Investitionspläne

Durchgesetzt haben sich die Wettbewerber auch mit ihrer zentralen Forderung nach weitgehender Abschaffung der Kündigungsentgelte, die an die Telekom zu entrichten sind, wenn ein Kunde der Konkurrenz wieder den Rücken kehrt. Diese wurden für die TAL um 71Prozent auf 5,80 Euro reduziert. Das Kündigungsentgelt für das Line-Sharing verringert sich um 83Prozent auf 10,48Euro. Die Tarife sind für eine Dauer von zwei Jahren festgesetzt.

Vor allem die im deutschen Breitbandmarkt sehr aktive spanische Telekommunikationsgesellschaft Telefonica bestätigte auf der Basis dieser Entscheidung ihre Investitionspläne. Das Unternehmen will sein Netz bis Mitte nächsten Jahres so ausbauen, daß rund 40 Prozent der Bevölkerung direkt über die Anmietung der letzten Meile oder das Line-Sharing angeschlossen werden können. AOL wird seine Breitband-Anschlüsse im Line-Sharing-Verfahren in Zusammenarbeit mit Telefonica anbieten.

Telekom-Konkurrenten zufrieden

Die Konkurrenten der Telekom zeigten sich mit der Entscheidung zufrieden. "Es besteht nun die Aussicht auf mehr Wettbewerb im deutschen Breitbandmarkt", sagte Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Branchenverbandes VATM. "Das ist ein Zeichen für den Markt. Wir sind zufrieden", sagte auch Eckhard Spoerr, Chef des Internet-Zugangsdienstes Freenet. Das Unternehmen arbeitet ebenfalls mit Telefonica zusammen.

Dagegen sieht United Internet, das lediglich DSL-Anschlüsse der Telekom unter eigenem Namen verkauft, keinen Grund, an seinem Geschäftsmodell etwas zu ändern. "Wir halten mittelfristig an unserer strategischen Partnerschaft mit der Telekom fest. Wenn sich allerdings im Wettbewerbsumfeld signifikante Änderungen ergeben, werden wir mit unserem Partner Telekom reden müssen", sagte ein Sprecher.

Text: jcw./ht., F.A.Z., 04.08.2005, Nr. 179 / Seite 11
Bildmaterial: F.A.Z.

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