
Mit Spannung waren die Zahlen von Yahoo erwartet worden, weil der Konzern in einen Übernahmekampf mit Microsoft verstrickt ist
23. April 2008 Der in einen Übernahmekampf mit Microsoft verstrickte amerikanische Internetkonzern Yahoo hat im abgelaufenen Quartal mehr verdient als erwartet. Allerdings fiel das Ergebnis nicht so überzeugend aus, als dass Microsoft sich zu einer höheren Übernahmeofferte hinreißen lassen dürfte, glauben Fachleute. Der Kurs der Yahoo-Aktie gab nachbörslich etwa ein Prozent nach.
Das Unternehmen wies am Dienstagabend nach dem amerikanischen Börsenschluss einen Nettogewinn von 542,2 Millionen Dollar für das erste Vierteljahr aus, nach 142,4 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Yahoo profitierte dabei besonders von seiner Beteiligung am chinesischen Internet-Unternehmen Alibaba.com. Der Bruttoumsatz stieg um neun Prozent auf 1,82 Milliarden Dollar. Abzüglich der Zahlungen an Werbe-Partner legte er um 14 Prozent auf 1,35 Milliarden Dollar zu. Vor Sonderposten verdiente der Konzern 150 Millionen Dollar oder elf Cent pro Aktie. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten auf dieser Basis durchschnittlich mit einen Gewinn von neun Cent je Anteilschein gerechnet.
Übernahmeofferte wird sich nicht ändern, glauben Analysten
An seiner Umsatzprognose für das laufende Jahr hielt Yahoo fest. Das Unternehmen rechnet weiter mit Erlösen von 7,2 bis acht Milliarden Dollar. An der Höhe von Microsofts 43 Milliarden Dollar schwerer Übernahmeofferte wird sich nach Ansicht von Analysten damit wohl nichts ändern. Personen, die in Microsofts Einschätzung der Yahoo-Zahlen eingeweiht waren, bestätigten dies.
Der Software-Riese sehe in der Tatsache, dass Yahoo nicht an seiner im Januar ausgegebenen Umsatzprognose gerüttelt habe, ein Indiz dafür, dass sich der Wert der Firma nicht verändert habe, sagten sie. Yahoos Finanzchef Blake Jorgensen bekräftigte hingegen in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters, er halte das Microsoft-Gebot für zu niedrig. Zugleich soll eine mit der Angelegenheit vertrauten Personen gesagt haben, dass Yahoo weiterhin separate Gespräche mit News Corp und Time Warner führe.
Ermutigt von den starken Geschäftszahlen, die Google vergangene Woche vorlegte, hatten einige Investoren gehofft, dass Yahoo ein ähnlich beeindruckender Überraschungshit gelingen könnte - und so Microsoft zu einer verbesserten Offerte bewegen würde.
Ultimatum von Microsoft an Yahoo läuft an diesem Wochenende aus
Der Softwarekonzern will Yahoo für ursprünglich knapp 45 Milliarden Dollar (28 Milliarden Euro) übernehmen, um die Dominanz des Rivalen Google bei Online-Suche und Internet-Werbung zu brechen. Yahoo lehnt die Offerte bislang als zu niedrig ab. Yahoo-Vorstandschef Jerry Yang sagte am Dienstag, das Angebot werde nicht weiter geprüft, solange der Preis nicht erhöht werde. Unsere Fähigkeit, an mehreren Fronten erfolgreich zu sein, verbessert sich deutlich, erklärte der Mitbegründer von Yahoo.
Microsoft hatte allerdings laut Medienberichten schon vor Bekanntgabe der Yahoo-Zahlen angedeutet, die Offerte unabhängig von den Ergebnissen des Konzerns nicht aufstocken zu wollen. An diesem Wochenende läuft zudem ein Ultimatum von Microsoft an Yahoo aus: Gelingt bis dahin keine Einigung über den Kauf, plant der Windows-Konzern eine feindliche Übernahme gegen den Widerstand des Yahoo-Managements.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: REUTERS
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