20. April 2006 Trotz des verschärften Wettbewerbs mit Oracle boomt das Geschäft des größten europäischen Softwareherstellers SAP in Amerika. Die kräftigen Zuwächse beim Verkauf von Softwarelizenzen gingen im ersten Quartal allerdings etwas auf Kosten der Renditewachstums.
SAP hat im Auftaktquartal des Jahres den Umsatz mit Softwarelizenzen und das Betriebsergebnis kräftig gesteigert. Das Unternehmen teilte am Donnerstag in Walldorf bei Heidelberg mit, die Erlöse mit Softwarelizenzen seien von Januar bis März um 22 Prozent auf 528 Millionen Euro gestiegen. Damit übertraf SAP die Prognosen der von Reuters befragten Analysten, die dem Konzern nur einen Zuwachs um 18 Prozent auf 512 Millionen Euro zugetraut hatten. Als Treiber erwies sich erneut der Softwaremarkt in Nordamerika, hingegen brachen die Verkäufe in Japan ein.
Das um Kosten für Akquisitionen und Aktienoptionsprogramme bereinigte operative Ergebnis kletterte im ersten Quartal um ein Fünftel auf 457 Millionen Euro und blieb damit leicht unter den Erwartungen der Finanzmarktexperten. Die operative Gewinnmarge verbesserte sich im traditionell schwachen Auftaktquartal gegenüber dem Vorjahr um 0,4 Prozentpunkte auf 22,4 Prozent.
SAP bekräftigte seine Geschäftsprognosen für das laufende Jahr. Wir sind auf dem besten Weg, unsere Wachstumsziele für 2006 zu erreichen, sagte Unternehmenschef Henning Kagermann. SAP hat für dieses Jahr einen Zuwachs der für die zukünftige Ertragslage wichtigen Software-Verkäufe um 15 bis 17 Prozent in Aussicht gestellt.
Kampf um Kunden mit Oracle
SAP hat im ersten Quartal des laufenden Jahres 40 Verträge im Safe-Passage-Programm abgeschlossen. Damit setze sich der Trend des Vorjahres fort, sagte Kagermann am Donnerstag in einem Interview auf Bloomberg TV. Mit dem Programm, das sich an wechselwillige Kunden der von Oracle übernommenen Unternehmen wendet, hatte SAP im abgelaufenen Jahr nach eigenen Angaben 220 Neukunden geworben. Oracle hat ein eigenes Programm namens OFF SAP aufgelegt, um SAP Kunden abzuwerben. Während Oracle mehr als 1.000 interessierte SAP-Kunden ausgemacht und einige bereits gewonnen haben will, sprach Kagermann nun davon, keine spürbare Kundenabwanderung an Oracle zu verzeichnen.
Mehr Mitarbeiter
SAP baute im ersten Quartal die Zahl seiner Mitarbeiter um 774 auf 36.647 aus. In Deutschland gab es ein Plus um 37 auf 13.953 Beschäftigte. Für das Gesamtjahr hatte Kagermann einen Zuwachs von weltweit 3500 neuen Arbeitsplätzen angekündigt. Allein in Deutschland sollen 2006 rund 700 neue Jobs entstehen.
Analysten lobten den Geschäftsabschluss und die unerwartet hohen Software-Umsätze. Es sieht bei SAP gut aus, sagte auch John Segrich von JP Morgan. Die Landesbank Rheinland-Pfalz urteilt, überproportional gestiegene Produktkosten führten dazu, daß Prognosen hinsichtlich des Bruttoergebnisses nicht übertroffen wurden: Dieser Schönheitsfehler sollte aber nicht darüber hinweg täuschen, daß SAP dennoch ein kräftiges Ergebniswachstum gelungen ist, heißt es.
Die Investmentbanken UBS und Credit Suisse bestätigten zufolge ihre Einschätzungen und ihre bei 185 Euro liegenden Kursziele für die Aktien. An der Börse nahmen die Anleger bei den seit Jahresbeginn überdurchschnittlich stark gestiegenen SAP-Aktien Gewinne mit. Die Papiere verloren gegen den Markttrend zwei Prozent auf 179 Euro und waren damit einer der größten Verlierer im Dax.
Text: FAZ.NET mit Material von Reuters, Dow Jones, dpa
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb
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