27. Februar 2006 Der Walldorfer Softwarekonzern SAP könnte zum ersten Mal in der Firmengeschichte bald einen Betriebsrat haben. Drei Arbeitnehmer hätten für Donnerstag zu einer Betriebsversammlung eingeladen mit dem Ziel einen Betriebsrat zu wählen, sagte der Heidelberger IG-Metall-Sekretär Bernd Knauber am Donnerstag und bestätigte im Kern einen Bericht der Online-Ausgabe der Wirtschaftswoche.
Ich denke, daß dort auch ein Wahlvorstand gewählt wird, fügte der Gewerkschafter hinzu. Dieser aus fünf bis neun Mitgliedern bestehende Vorstand stelle dann schließlich einen Betriebsrat zusammen. Ein SAP-Sprecher bestätigte die Einberufung der Versammlung. Wenn die Mitarbeiter dies wünschen, werden wir das unterstützen, sagte er.
Drei SAP-Mitarbeiter sollen zusammen mit der IG Metall die Initiatoren des Treffens am Hauptsitz des Unternehmens in Walldorf sein. Mehr 10.000 Beschäftigte der Standorte Walldorf und St. Leon-Rot wurden aufgerufen, einen Wahlvorstand einzusetzen. Bislang übernehmen die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat die Funktion eines Betriebsrates bei dem Weltmarktführer für Unternehmenssoftware.
Der weltgrößte Hersteller von Unternehmenssoftware ist das größte Unternehmen in Deutschland ohne Betriebsrat. Im Zuge des Börsengangs 1988 wählten die Beschäftigten jedoch acht Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsrat. Das informelle Gremium, das
sich mindestens einmal wöchentlich trifft, versteht sich als vom Vorstand legitimierte Interessensvertretung für die Mitarbeiter.
Letzter Versuch gescheitert
Seit Jahren versuchen die Gewerkschaften IG Metall und Verdi bei dem Softwareriesen einen Fuß in die Tür zu bekommen. Der letzte Versuch von Seiten der IG Metall sei vor dreieinhalb Jahren wegen zu geringen Interesses der SAP-Arbeitnehmer gescheitert, sagte Knauber. Seither habe es keine Vorstöße mehr gegeben.
Die IG Metall hat eine eigene Internetseite (www.sap.igm.de) eingerichtet, auf der an SAP-Mitarbeiter gerichtet Informationen zu Betriebsrats- und Gewerkschaftsarbeit zu finden sind. Wenn die Installation eines Betriebsrates tatsächlich kommt, dann könnten die Mitarbeiter dafür sorgen, daß der Betriebsrat mit ihren eigenen und nicht mit Interessenvertretern der Gewerkschaft besetzt wird. Bei den bisherigen Wahlen der Arbeitsnehmervertreter zum Aufsichtsrat hat die Gewerkschaft ja auch kein Bein auf den Boden bekommen, sagte Hopp. Er steht einem drohenden Einfluß der Gewerkschaften kritisch entgegen: Ein von der IG Metall gesteuerter Betriebsrat widerspräche jeder Vernunft und paßt nicht zur SAP-Kultur, sagte er der Wirtschaftswoche.
Die vor rund 30 Jahren gegründete SAP beschäftigt inzwischen rund 32.000 Mitarbeiter, davon etwa 13.500 in Deutschland. Trotz seiner Größe herrscht in dem Konzern nach Auskunft von Mitarbeitern noch eine Start-Up-Mentalität, die zu einer großen Verbundenheit der Angestellten zu ihrem Arbeitgeber führe. Daher seien frühere Bestrebungen einiger Kollegen, einen Betriebsrat zu gründen, als unnötig verworfen worden. 2005 wurde SAP vom Wirtschaftsmagazin Capital zu Deutschlands bestem Arbeitgeber in der Kategorie ab 5.000 Mitarbeitern gekürt.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa, Dow Jones, Reuters
Ungewöhnlicher Kurssprung: VW-Aktie schlägt ![]()
Merkels Regierungserklärung zur Finanzkrise: Nicht schwarzmalen, nichts schönreden
EU will Einlagensicherung von 50.000 Euro
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 5.326,63 | -1,12 |
| TecDax | 573,04 | -5,15 |
| DowJones | 9.895,29 | -0,60 |
| Nasdaq | 1.835,76 | -1,46 |
| STOXX 50 | 2.878,82 | +0,22 |
| Nikkei 225 | 10.155,90 | -3,03 |
| S&P 500 Zert. | 10,50 | -1,78 |
| Euro/Dollar | 1,36 | +0,87 |
| Bund Future | 117,14 | +0,14 |
| Gold | 876,85 | +1,76 |
| Öl | 85,76 | -1,06 |