13. November 2006 Der Führungswechsel bei der Deutschen Telekom - Rene Obermann löst Kai-Uwe Ricke als Vorstandsvorsitzender ab - ist von den Anlegern überwiegend freundlich aufgenommen worden. Der Aktienkurs stieg am Montag um rund 3 Prozent und lag im späten Geschäft bei 13,50 Euro. Die Reaktion war allerdings lange nicht so stürmisch wie beim Ausscheiden von Ron Sommer im Juli 2002, als die Gerüchte über die bervorstehende Personalie einen Kursanstieg von mehr als 10 Prozent ausgelöst hatten.
Von einem euphorischen Vertrauensvorschuß für den neuen Vorstandsvorsitzenden Obermann kann also keine Rede sein. Analysten erhoffen sich zwar eine bessere Stimmung für die gebeutelte T-Aktie, aber Wunderdinge erwarten sie nicht. Obermann wird die Telekom nicht neu erfinden können, aber er wird zum Beispiel den schon begonnen Weg der Kostenreduzierung und der Nutzung neuer Techniken entschlossen verfolgen, sagt Ulrich Trabert, Analyst der Privatbank Metzler. Die Rahmenbedingungen des Unternehmens seien schwierig und an den Restriktionen könne auch Obermann nichts wesentliches ändern.
Wenig Raum für Euphorie
Der technische Wandel lastet auf dem Geschäft der Telekom, erläutert Andreas Heinold, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg. Die Kunden der Telekom kündigen in Scharen ihre Festnetzanschlüsse und wandern zur Konkurrenz ab. Oder sie nutzen verstärkt das mobile Telefon, auch das häufig bei der Konkurrenz. Zudem sei erklärtes Ziel der Regulierungsbehörde den Marktanteil der Telekom zu verringern. Da ist wenig Raum für eine neue Euphorie, sagt Heinold, weshalb er sein Anlageurteil auf halten beläßt.
Unter Analysten ist die Aktie der Deutschen Telekom ohnehin nicht sehr beliebt. Zwölf Kaufempfehlungen stehen 14 Verkaufsempfehlungen und 22 neutrale Einschätzungen gegenüber. Angesichts des berufsbedingten Optimismus der Zunft zeugt das von einer ausgesprochen skeptischen Beurteilung der Renditeaussichten. Die Vergangenheit ist auch trist, denn die T-Aktie zählt trotz des jüngsten Kursanstiegs in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge zu den schlechtesten Werten im Deutschen Aktienindex.
Ein entschlossener Konzernchef
Doch inzwischen keimt wieder Zuversicht. Metzler-Analyst Ulrich Trabert hat die Aktie unmittelbar vor der Bekanntgabe des Führungswechsels von verkaufen auf kaufen heraufgestuft. Die konkreten Angaben zum geplanten Sparprogramm haben ihn überzeugt. Außerdem könne Obermann zumindest die Akzente verschieben. Auch er werde es zwar mit dem Großaktionär, der Bundesrepublik Deutschland gehört immer noch die Mehrheit der Anteile, und mit den Gewerkschaften schwierig haben. Aber Obermann sei ein ausgewiesener Fachmann, gelte als entschlossen und entscheidungsfreudig.
Das sind Eigenschaften, die auch Jochen Lins, Analyst der BHF-Bank an dem neuen Konzernchef schätzt. Ihm sei eher zuzutrauen, daß er eine große Akquisition oder einen Zusammenschluß - zum Beispiel mit dem Konkurrenten British Telecom - wagt. Dafür gebe es vermutlich keine konkreten Absichten. Aber allein die Aussicht auf eine solche Perspektive könne die Stimmung für die T-Aktie verbessern.
Text: F.A.Z., ruh.
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.
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