Fernsehen

1. FC Kofler

Von Marcus Theurer

Lebt von der Bundesliga: Koflers Premiere

Lebt von der Bundesliga: Koflers Premiere

11. Februar 2005 In den kommenden Wochen wird man sich in den Chefetagen deutscher Bundesligaclubs wohl so sehr für die Börsennachrichten interessieren, wie noch nie. Am 9.März soll gewissermaßen die Bundesliga an die Börse gehen. Zwar gibt es ab diesem Tag nicht etwa die Aktie des FC Bayern oder von Schalke 04 zu kaufen, sondern die des Münchner Fernsehsenders Premiere. Dennoch geht es am zweiten Mittwoch im März in der Frankfurter Börse auch um die finanzielle Zukunft des deutschen Profifußballs. Ohne die Millionen, die der einzige deutschen Bezahlsender für Fußball-Übertragungen bezahlt, drohten in den Stadien schnell die Flutlichter auszugehen.

Zum Stromausfall wird es zwar nicht kommen, wenn die ehrgeizigen Börsenpläne von Premiere-Vorstandschef Georg Kofler noch platzen sollten, doch die Profikicker müßten dann vermutlich schon bald den Gürtel enger schnallen. Gelingt dagegen der Börsencoup und bekommt ihr Hauptfinanzier frisches Geld von den Aktionären, könnte ein neues goldenes Zeitalter auch für die Vereine anbrechen.

In gegenseitiger Abhängigkeit

Premiere und der deutsche Profifußball sind in gegenseitiger Abhängigkeit aneinandergekettet. Die Fernsehgelder sind die wichtigste Einnahmequelle der Clubs aus der ersten und zweiten Bundesliga. Und von den rund 300 Millionen Euro, welche die Sender derzeit pro Saison überweisen, stammen rund 180 Millionen Euro von dem Bezahlkanal. "Die Übertragungslizenz an der Bundesliga ist das wertvollste Recht, das von einem Fernsehsender in Deutschland zu erwerben ist", stellen die Analysten der Hypo-Vereinsbank (HVB) fest.

Was die Bank, die von Premiere für den Börsengang engagiert wurde, nicht schreibt: Für keinen anderen Sender ist die Bundesliga so lebenswichtig wie für Premiere. Das Unternehmen, dessen Abonnenten bis zu 43 Euro im Monat bezahlen, kann auf die exklusiven Live-Übertragungen der Bundesliga kaum verzichten. Wie groß die Bedeutung ist, zeigt ein Blick auf das Programmbudget des Senders: Rund 40 Prozent der gesamten Programmausgaben entfallen auf den Fußball, ein einsamer Rekord im deutschen Fernsehgeschäft.

Noch immer Verluste

Vieles spricht dafür, daß Premiere-Chef Kofler die hohen Sportrechteausgaben weiter aufstocken muß. Zur Zeit hat der Sender 3,25 Millionen Abonnenten und schreibt unter dem Strich noch immer Verluste. 250000 weitere Kunden sind nach Schätzung der HVB allein nötig, um die Gewinnschwelle zu erreichen. Kofler muß deshalb die Attraktivität seines Programms steigern. Doch womit neue Zahler anlocken? Schon heute laufen dank exklusiver Abnahmeverträge mit den großen Studios Kino-Erfolge zuerst bei Premiere. Und auch die Bundesliga gibt es live seit Jahren nur bei Kofler. Kurzum: Die Kern-Zielgruppe der Spielfilmbegeisterten und Ballfanatiker ist wohl weitgehend ausgeschöpft.

Ist das angebliche Wachstumsunternehmen Premiere also in Wahrheit bereits am Ende der Fahnenstange angelangt? Einen weiteren Schub könnte Kofler seinem Sender verschaffen, wenn es ihm gelingt, das frei empfangbare Fußball-Angebot zu verknappen. Wer sich für die Kicker zwar interessiert, aber bislang die Premiere-Gebühren scheute, muß heute dennoch nicht lange warten, bis auch er die spannendsten Spielszenen auf seinem Bildschirm hat. Eine Stunde nach dem Schlußpfiff informiert die ARD am Samstag in ihrer "Sportschau" über das Geschehen auf dem Rasen.

In Österreich legt Premiere drauf

Anders dagegen in Österreich, wo Premiere ebenfalls auf Sendung ist. Da legte der Sender für die Rechte kräftig drauf. Dafür gibt es die frei empfangbare Zusammenfassung aber erst abends um zehn. Das sorgte zwar für große Empörung in der Alpenrepublik, doch die Premiere-Abonnentenzahlen zogen jenseits der Grenze kräftig an. Ein Modell, das Kofler sich auch für Deutschland wünschen würde: "Je länger der Fußball exklusiv bei Premiere bleibt, desto mehr kann die auch die Bundesliga verdienen", versucht er die Fußballmanager zu ködern.

Doch für Premiere wird es in Zukunft schwerer als bisher werden, sich hierzulande mit seinen Abonnementgeldern Exklusivität im Bundesliga-Fußball zu erkaufen. Zwar würde ein erfolgreicher Börsengang Koflers finanziellen Spielraum für höhere Sportrechteausgaben schaffen. Doch zugleich werden die Rahmenbedingungen schwieriger: Auf Druck der EU-Wettbewerbsaufseher werden die Fernsehübertragungsrechte für den Bundesliga-Fußball ab dem kommenden Jahr in zehn statt in bislang nur drei Lizenzpaketen verkauft. "Wir wollen damit möglichst viele Mitbieter in den Markt holen", sagt Thomas Summerer, Chefjustitiar bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Zuletzt war den beiden großen werbefinanzierten Privatfernsehketten Pro Sieben Sat.1 und RTL der Bundesliga-Fußball zu teuer.

Pech für den Platzhirsch

Pech für den Platzhirsch Premiere, der seinen Anteil am Fußball noch vergrößern will. Denn wo mehr Nachfrager da sind, steigen meistens die Preise. Auch wenn die Clubs von allen Fernsehkanälen zusammen vermutlich mehr Geld kassieren können, werden die Markteintrittsbarrieren für die einzelnen Sender niedriger. "Wer Fußball zeigen will, braucht wegen der kleineren Pakete nicht mehr so viel Geld in die Hand zu nehmen", sagt eine Sprecherin von Pro Sieben Sat.1.

Konzernchef Guillaume de Posch hat bereits Interesse signalisiert, in der Bundesliga wieder an den Ball zu kommen. Kein Wunder, können doch beide privaten Sendergruppen nach zahlreichen Programm-Flops sichere Quotenbringer wie die Bundesliga so gut gebrauchen wie lange nicht mehr. Premiere-Chef Kofler gibt sich dennoch offensiv. "Ich sehe nicht, warum wir durch die neue Paketierung geschwächt werden sollen", bügelt der Fernsehmanager Bedenken weg. Ja, er sei sich sicher, daß Premiere in Zukunft nicht auf Fußball verzichten müsse. Nein, Premiere werde trotz der Abhängigkeit vom Fußball auch bei mehr Konkurrenz die Rechte "ganz bestimmt nicht überbezahlen".

Das bisherige Live-Paket des Bezahlsenders wird allerdings ab dem Jahr 2006 zweigeteilt. Wie Premiere verhindern will, daß ein anderer Anbieter sich zum Beispiel die Sonntagsspiele sichert? "Wir werden so viel bieten, daß ein werbefinanzierter Sender sich das niemals leisten kann", sagt Kofler.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Februar 2005
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.

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