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Satellitenfernsehen soll von 2007 an Geld kosten

28. Februar 2006 Der Empfang von Satellitenfernsehen soll für die Zuschauer in Deutschland in Zukunft nicht mehr kostenlos sein. Den Anfang will der führende europäische Satellitenbetreiber SES Astra schon im kommenden Jahr machen. Das kündigte Ferdinand Kayser, der Vorstandschef des Luxemburger Unternehmens, in einem Gespräch mit dieser Zeitung an. Astra plant, kostenlose Programme wie RTL oder Sat.1 im digitalen Satellitenfernsehen elektronisch zu verschlüsseln. Zum Empfang benötigen die Zuschauer eine kostenpflichtige Zugangskarte (Smart Card) für ihre Satelliten-Empfangsgeräte (Decoder). "Die Verschlüsselung ist für 2007 denkbar", sagte Kayser. Er bestätigte damit einen Bericht der F.A.Z. (Privatsender wollen Geld von den Zuschauern). In Deutschland haben mehr als sechs Millionen Haushalte digitales Satellitenfernsehen.

"Die monatliche Gebühr wird sicherlich unter 5 Euro liegen", sagte der Astra-Chef. Zusätzlich müßten die Kunden eine einmalige "Freischaltgebühr" von voraussichtlich etwa 10 Euro bezahlen. Außerdem benötigen nach seinen Worten wahrscheinlich 1,5 bis 2 Millionen Satelliten-Haushalte neue Decoder, weil ihre bisherigen Geräte nur unverschlüsselte Programme verarbeiten können. Astra wolle deshalb für eine Übergangszeit von zwei bis drei Jahren die Programme digital parallel auch weiter unverschlüsselt ausstrahlen. Den Kauf der neuen Empfangs-Decoder sollen die Zuschauer selbst bezahlen. "Eine Subventionierung ist wegen der großen Stückzahl für uns nicht finanzierbar", sagte Kayser. Die neuen Decoder sollen nach seinen Worten "bereits für deutlich unter 100 Euro im Handel zu haben sein". Auch über Premiere-Satellitendecoder werde der Empfang technisch möglich sein, versicherte der Astra-Chef.

Die beiden führenden deutschen Privatfernsehgruppen Pro Sieben Sat.1 und RTL unterstützen laut Astra die Gebührenpläne. "Es gibt bei den Sendern Verständnis dafür, daß der Aufbau der technischen Infrastruktur Geld kostet, und sie sehen ein, daß dafür letztlich der Zuschauer bezahlen muß", sagte er. Pro Sieben Sat.1 hat bereits in der vergangenen Woche die Verschlüsselungspläne im Satellitenfernsehen bestätigt. "Das ist für uns eine Option, die wir prüfen", sagte am Dienstag ein RTL-Sprecher auf Anfrage. Im digitalen Kabelfernsehen werden die Programme beider Sendergruppen bereits heute verschlüsselt. Die Privatfernsehkonzerne erhalten laut Kayser möglicherweise einen kleineren Anteil der Gebühr. Widerstand gibt es dagegen von den über Rundfunkgebühren finanzierten öffentlich-rechtlichen Sendern. "Die Verschlüsselung und eine weitere Gebühr wird es mit der ARD nicht geben", sagte der ARD-Vorsitzende Thomas Gruber dieser Zeitung. "Wir machen da nicht mit", sagte auch ZDF-Intendant Markus Schächter.

Kayser verteidigte die Pläne zur Einführung einer Satellitengebühr. "In praktisch allen europäischen Märkten gibt es die Verschlüsselung schon heute", sagte er. Auch die deutschen Privatsender, die sich bisher vor allem über Werbeeinnahmen refinanzieren, drängten auf die Verschlüsselung. Astra selbst werde für Marketing und Vertrieb der Zugangskarten bis 2010 mehrere hundert Millionen Euro investieren. Die Verschlüsselungspläne haben mittlerweile auch das Bundeskartellamt auf den Plan gerufen. Wie berichtet, ermittelt es gegen Astra, Pro Sieben Sat.1 und RTL wegen des Verdachts auf Mißbrauch einer marktbeherrschenden Stellung. "Wir sind sicher, daß wir uns nichts vorzuwerfen haben, und kooperieren voll mit dem Kartellamt", sagte Kayser.



Text: theu., F.A.Z., 01.03.2006, Nr. 51 / Seite 13

 
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