11. August 2005 nks. NEW YORK, 11. August. Der amerikanische Internetdienstleister Yahoo Inc., Sunnyvale (Kalifornien), investiert massiv in das Geschäft auf dem Wachstumsmarkt China. Wie von der amerikanischen Presse bereits gemeldet, wird sich Yahoo, die seit 1999 in China präsent sind, jetzt am chinesischen Online-Auktionshaus Alibaba.com beteiligen. Die beiden Unternehmen teilten mit, daß Yahoo 1 Milliarde Dollar in bar für einen Anteil von 40 Prozent an Alibaba zahlen wird. Yahoo wird zudem sein bisheriges Geschäft in China, das vor allem aus einer Suchmaschine besteht, mit Alibaba zusammenlegen. Alibaba betreibt den Online-Auktionsplatz Taobao.com sowie die Handelsplattform Alibaba.com. Das neue Gemeinschaftsunternehmen wird von Alibaba-Vorstandschef Jack Ma geleitet werden. Jerry Yang, einer der Gründer von Yahoo, erhält einen der vier Sitze im Verwaltungsrat.
"Wir glauben, daß dies die beste Vorgehensweise für den chinesischen Markt ist", sagte der für das operative Tagesgeschäft von Yahoo zuständige Daniel Rosenzweig. Die wichtigsten Segmente im Internet seien elektronischer Handel, Suchfunktion, Kommunikation und Portale. Gemeinsam böten Yahoo und Alibaba alle diese Funktionen an. Die Suchmaschine von Yahoo ist in China die zweitgrößte hinter Baidu.com. Yahoo hatte vor zwei Jahren den lokalen Suchdienst 3721.com für 120 Millionen Dollar übernommen, um in China stärker Fuß zu fassen. Such-Konkurrent Baidu ist in Amerika spätestens seit dessen vielbeachtetem Börsengang an der Computerbörse Nasdaq am vergangenen Freitag bekannt geworden.
Alibaba ist das zweitgrößte Internet-Auktionshaus in China hinter dem amerikanischen Anbieter Ebay. Ebay war in China mit der Übernahme des in Schanghai beheimateten Anbieters EachNet für 180 Millionen Dollar aktiv geworden. Das Unternehmen hat in diesem Jahr seine Investitionen bereits um 100 Millionen Dollar erhöht, um die weitere Expansion im Wachstumsmarkt China zu finanzieren.
Das Interesse an Internetunternehmen in China ist deutlich gewachsen, wie an dem erfolgreichen Börsengang von Baidu an der Nasdaq abzulesen war. Seit seinem Schlußkurs vom Freitag ist der Aktienkurs von Baidu zwar um 25 Prozent zurückgegangen.
Die Baidu-Aktie notiert aber immer noch rund dreieinhalbmal über ihrem Ausgabekurs. Damit kommt Baidu, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von 14 Millionen Dollar ausgewiesen haben, auf einen Börsenwert von rund 3 Milliarden Dollar.
Anleger setzen offenbar große Hoffnungen auf das Potential des chinesischen Internetmarktes. Mit 100 Millionen Nutzern ist China schon jetzt der zweitgrößte Online-Markt der Welt hinter den Vereinigten Staaten. Fachleute rechnen damit, daß China in einigen Jahren die Vereinigten Staaten überholen wird. Alibaba erwägt nach den Worten des Finanzchefs Joe Tsai langfristig einen Börsengang. "Mittelfristig liegt unser Schwerpunkt aber auf dem Aufbau des Geschäfts", sagte Tsai der Nachrichtenagentur Reuters.
Die Struktur der Vereinbarung mit Alibaba ähnelt der des Japan-Geschäfts von Yahoo. Yahoo hält dort gemeinsam mit dem japanischen Internetanbieter Softbank große Minderheitsanteile an der Yahoo Japan Corp. Softbank hält auch 27,4 Prozent der Anteile von Alibaba. Die Japaner sollen das Geschäft zwischen Alibaba und Yahoo vermittelt haben. Alibaba, ein Unternehmen, das im vergangenen Jahr 68 Millionen Dollar umgesetzt hat, wird jetzt mit etwa 4 Milliarden Dollar bewertet.
Der Vorstandschef von Softbank, Masazoshi Son, hat Überlegungen zurückgewiesen, daß Alibaba möglicherweise zu hoch bewertet sei. Die Tatsache, daß Softbank an der Beteiligung festhalte, sei ein Zeichen der Zuversicht in das Wachstumspotential des Internet-Auktionshauses, sagte er.
Text: F.A.Z., 12.08.2005, Nr. 186 / Seite 16
NetzökonomBillig-DSL in der Stadt, aber teuer auf dem Land?
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