06. Januar 2006 Terry Semel, Vorstandsvorsitzender des Internetportals Yahoo, stellt mit Yahoo Go auf der Consumer Electronics Show die neue Strategie seines Unternehmens vor: Yahoo soll nicht mehr nur auf Internet-Bildschirmen zu sehen sein, sondern auch auf Mobiltelefonen und Fernsehgeräten. Die Informationen und Inhalte sollen unabhängig vom Ort in der jeweils besten Form verfügbar sein. Ein aufgenommenes und in Yahoo Go - also im Internet - gespeichertes Foto kann dann jederzeit auf den Computer, das Fernsehen oder das Handy übertragen und dort auch wieder problemlos gelöscht werden.
Die neue Software stammt von einem Deutschen: Marco Börries, der einst die Bürosoftware "Star Office" entwickelt und daraufhin als "deutscher Bill Gates" bejubelt wurde. Börries hat sein Unternehmen Star Office 1999 an Sun Microsystems verkauft, um 2001 das Unternehmen Verdisoft zu gründen, das die Software für das Zusammenspiel zwischen Internet, Mobiltelefon und Fernseher entwickelte. Auch Verdisoft blieb nicht lange unentdeckt: Yahoo kaufte das Unternehmen, und Börries ist seitdem einer der Top-Manager im Yahoo-Hauptquartier in Sunnyvale/Kalifornien.Yahoo Go Mobile erlaubt registrierten Yahoo-Kunden, favorisierte Internet-Inhalte und Dienste aufs Handy mitzunehmen. Voraussetzung ist, daß das Programm Yahoo Go auf das Mobiltelefon eingerichtet wurde, das ab sofort im Internet unter der Adresse "go.connect.yahoo.com" verfügbar ist.
Nur auf ausgewählten Nokia-Handys
Installieren läßt sich der Dienst allerdings nur auf ausgewählten Nokia-Handys. Neben den Vereinigten Staaten wird Yahoo Go Mobile in zehn weiteren Ländern starten, darunter auch in Deutschland. Auch Motorola hat angekündigt, in den kommenden Monaten Yahoo-Software auf Mobiltelefonen zu installieren.
Entsprechend den Funktionen des Mobiltelefons verbindet Yahoo Go Mobile Dienste wie E-Mail, Adreßbuch und Kalender mit den eigenen Diensten. Der Anwender kann einerseits temporär auf Daten zugreifen, für die die Speicherkapazität des Telefons nicht ausgelegt ist. Andererseits ist gewährleistet, daß beim Verlust des Telefons die bei Yahoo gespeicherten Informationen erhalten bleiben und sich auf ein neues Gerät übertragen lassen. Teil des Programmpakets sind angepaßte Versionen der Yahoo-Dienste. Der Yahoo Messenger erlaubt die direkte Kommunikation in Text und Bild zwischen Anwendern. Yahoo Mail ermöglicht den elektronischen Nachrichtenversand. Mit Yahoo Search steht die Internet-Recherche nach Texten und Bilder offen, wobei sich die Firmensuche mit Adresse und Rufnummer nur auf die Vereinigten Staaten erstreckt.
Internet auf dem Fernsehschirm
Auch mit Yahoo Go TV bringt Yahoo das Internet auf den Fernsehschirm. Im Großformat kann der Anwender am Bildschirm seine bei Yahoo hinterlegten Fotos anzeigen und individuelle Dienste nutzen, beispielsweise eine Übersicht über die Programme der Kinos und Theater. Ob sich der Radius dieser Informationen auch auf Deutschland erstreckt, ist noch nicht klar, da der Starttermin von Yahoo Go TV erst für die kommenden Monate avisiert ist.
Mit Yahoo Go TV wird der Fernsehbildschirm zum Anzeigegerät digitaler Inhalte, gleichgültig ob sie aus dem Internet oder vom eigenen Computer stammen. Ob zu den von Yahoo offerierten Inhalten auch Musik gehören wird, steht allerdings noch nicht fest. Um die Web-Funktionen von Yahoo am Fernseher zu nutzen, muß das Fernsehgerät mit einem Windows-XP-Rechner verbunden sein. Das Layout von Yahoo Go TV lehnt sich nicht ans typische Browser-Format an, sondern ist auf die Wiedergabequalität des Fernsehbildschirms angepaßt. Während ein normales "Surfvergnügen" auf der Mattscheibe meist mäßig ausfällt, sind die Inhalte von Yahoo Go TV gut zu erkennen.
Yahoo Go Desktop offeriert dem Anwender am Monitor ohne Rückgriff auf den Internet-Browser Informationen aus dem World Wide Web oder Dienste des eigenen PC. Zum Beispiel lassen sich aktuelle Wetterinformationen einblenden, Adressen suchen oder der Batteriestatus anzeigen.
Text: aywi., F.A.Z., 07.01.2006, Nr. 6 / Seite 17
Bildmaterial: REUTERS
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