Telekommunikation

Jetzt lohnt sich der Wechsel des Mobilfunkvertrages

Von Johannes Winkelhage

Mobil telefonieren wird billiger

Mobil telefonieren wird billiger

27. Juni 2005 Die Mobilfunkbranche ist hochgradig nervös. Die Kosten für die mobile Telefonminute sinken seit einigen Monaten dramatisch, und ein Ende des Preiskampfs ist nicht abzusehen. Das Quasi-Kartell der vier großen Netzbetreiber, das in den vergangenen Jahren eine verbraucherfeindliche Hochpreispolitik ermöglicht hat, ist gebrochen. Die Unternehmen müssen umdenken, und die Kunden profitieren.

„Wenn ein Anbieter in Deutschland erfolgreich mit einem Billigangebot auf den Markt kommt, braucht O2 kaum vier Wochen, bis wir das auch haben können.“ Mit diesen Worten beschrieb O2-Chef Rudi Gröger vor einigen Wochen seine strategischen Optionen, ließ aber kaum einen Zweifel daran, daß er mit einem solchen Billigangebot nicht kurzfristig rechne. Hier hat er sich getäuscht.

Bisheriges Preisgefüge auf den Kopf gestellt

Seit Anfang Juni ist die E-Plus-Tochtergesellschaft Simyo mit einem Angebot auf dem Markt, das das bisherige Preisgefüge auf den Kopf stellt und prompt Nachahmer gefunden hat. Das Smarte an der Offerte ist die einfache Berechenbarkeit der Kosten. Für 19 Cent telefoniert der Kunde jederzeit in jedes deutsche Netz - egal ob Festnetz oder Mobilfunk. Einen Tag nach der E-Plus-Ankündigung kam Victorvox mit einem Tarif namens Simply auf den Markt, der für 18 Cent in der Minute mobile Telefonate ermöglicht.

Bisher lag das Preisniveau für solche Einfachtarife bei 35 Cent in der Minute, die von O2 in Kooperation mit Tchibo geboten werden, und 29 Cent, die der Vodafone-Partner Payback berechnet. Aber der Preisrutsch geht unglaublich rasch vonstatten: Debitel und der Serviceprovider The Phonehouse bieten seit wenigen Tagen Tarife für 15 respektive 14 Cent je Minute. Hier wird allerdings ein Mindestumsatz von knapp 10 Euro im Monat fällig.

Einbruch der Billiganbieter wird Spuren hinterlassen

Auch wenn man seine Rufnummer nicht zu den neuen Anbietern mitnehmen kann, lohnt sich jetzt der Preisvergleich. Und für viele auch der Wechsel. Damit hält im Mobilfunk Einzug, was vor allem im Flugverkehr schon lange Usus ist. Die Billiganbieter kommen mit einem Minimum an Service auf den Markt und offerieren dafür die Kerndienstleistung für einen sehr niedrigen Preis. Es gibt kein Gratishandy, und die Bestellung des Tarifs erfolgt im Internet. In anderen europäischen Märkten sind die Mobilfunkpreise nach dem Aufkommen der Billiganbieter um bis zu 40 Prozent in die Knie gegangen. Dies wird voraussichtlich auch in Deutschland der Fall sein.

Der Einbruch der Billiganbieter in den deutschen Markt wird seine Spuren hinterlassen. Allein E-Plus hat in den ersten drei Wochen, seitdem Simyo auf dem Markt ist, Schätzungen zufolge rund 100000 neue Kunden gewonnen. Das macht den großen Wettbewerbern Sorgen, und es ist ein offenes Geheimnis, daß sowohl bei Vodafone als auch bei T-Mobile über die Einführung eigener Billigangebote sehr konkret nachgedacht wird.

So hat Vodafone-Chef Sarin im März angekündigt, auf Billiganbieter rasch zu reagieren: „Es gibt einen Anteil von 5 bis 15 Prozent der Kunden, die keinen Service haben wollen, ihre Mobilfunkkarte im Internet kaufen und dann einen Rabatt auf die Minutenpreise fordern.“ Diese Kunden machen sich jetzt auf die Suche nach einem Billigtarif. In Zahlen: Bis zu 10 Millionen der heute 72,3 Millionen Mobilfunkkunden in Deutschland werden neu verteilt. Darum kämpfen alle Anbieter.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 26.06.2005, Nr. 25 / Seite 55
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb

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