Poker um das „Wall Street Journal“

Amerikanischer Milliardär erwägt Gegenofferte für Dow Jones

Mischt Ron Burkle sich in den Poker um das „Wall Street Journal” ein?

Mischt Ron Burkle sich in den Poker um das „Wall Street Journal” ein?

06. Juni 2007 Der amerikanische Milliardär Ron Burkle erwägt nach Gewerkschaftsangaben eine Gegenofferte zu Rupert Murdochs fünf Milliarden Dollar schwerem Gebot für den Mutterkonzern des „Wall Street Journals“. Burkle habe Mitarbeitern von Dow Jones gesagt, er sei an einer Zusammenarbeit interessiert, um ein Übernahmegebot zu erstellen, erklärte ein Vertreter der Unabhängigen Vereinigung von Verlagsangestellten (IAPE) am Dienstag.

Die Gruppe repräsentiert etwa 2000 Dow-Jones-Mitarbeiter. Dow-Jones-Aktien kletterten angesichts der Neuigkeit vorübergehend auf ein Sechs-Jahres-Hoch von 61,62 Dollar. Burkle hatte schon zweimal in der Vergangenheit Interesse an einem Zeitungsverlag gezeigt. Vor kurzem waren er und der Milliardär Eli Broad mit ihrem Versuch gescheitert, den Verlag Tribune zu übernehmen.

„Konstruktives Treffen“

Rupert Murdoch bleibt wohl nicht der einzige Bieter

Rupert Murdoch bleibt wohl nicht der einzige Bieter

Burkle ist mit Supermärkten zu einem der 400 reichsten Männer Amerikas geworden und gilt als Vertrauter des früheren amerikanischen Präsidenten Bill Clinton. Sein Vermögen wird auf zwei Milliarden Dollar geschätzt. Über sein Investmentvehikel Yucaipa hatte Burkle sich 2006 beim Verkauf des Zeitungsverlags Knight Ridder Inc engagiert und mit den Mitarbeitern eine Gegenofferte gestellt. Knight Ridder ging jedoch an die McClatchy Co. Auch jüngst beim Verkauf der Tribune Co, die die Chicago Tribune und Los Angeles Times herausgibt, unterlag Burkle. Immobilienunternehmer Sam Zell erhielt mit 8,2 Milliarden Dollar den Zuschlag.

Am Montag hatte sich Murdoch erstmals mit Mitgliedern der Bancroft-Familie getroffen, die Dow Jones kontrollieren. Nach den etwa fünfstündigen Beratungen in New York sagte Murdoch am Montag zu Journalisten: „Wir hatten ein sehr langes und konstruktives Treffen.“ Das Gespräch dürfte sich vor allem um die Bedenken der Bancrofts gedreht haben, dass nach einer Übernahme durch Murdochs Medienkonzern News Corp. die Redaktion des „Wall Street Journal“ ihre journalistische Unabhängigkeit verlieren könnte.

Schlüsselrolle für Chairman McPherson

Das „Wall Street Journal“ berichtet unterdessen am Mittwoch, in den Verhandlungen mit Murdoch bei Dow Jones könnte Chairman M. Peter McPherson eine Schlüsselrolle zukommen. So gebe es im elfköpfigen Board of Directors eine Gruppe, der anders als den Bancrofts weniger am Erhalt der journalistischen Unabhängigkeit denn an einer Erhöhung des Preises gelegen sei. Nach Angaben einer mit den Diskussionen im Board vertrauten Person will diese Gruppe verhindern, dass es zu Nebenabsprachen der Bancrofts mit Murdoch über die redaktionellen Prinzipen kommt.

McPherson stelle die Brücke zwischen den Bancrofts und den unabhängigen Direktoren dar, unterstütze dabei aber das Anliegen der Eignerfamilie, schreibt die Zeitung. Die Vorbereitung eines Verhandlungsergebnisses, über das die Aktionäre abstimmen können, liegt beim Board und nicht bei den Familienaktionären.

Text: FAZ.NET mit Material von Reuters und Dow Jones
Bildmaterial: AP, REUTERS

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13.11.2009 | 23:59
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