Internet

Ebay senkt die Preise

Von Holger Schmidt

Die professionellen Händler dominieren mittlerweile den Markt

Die professionellen Händler dominieren mittlerweile den Markt

04. September 2007 Ebay reagiert auf die Wachstumsschwäche der vergangenen Monate und baut seinen Marktplatz um. Beginnend in Deutschland, dem wichtigsten Markt außerhalb Amerikas, soll vor allem das Kerngeschäft der privaten Auktionen gestärkt werden. Im Zentrum steht eine kräftige Senkung der Auktionsgebühren: „Wir haben in der Vergangenheit unsere Preisstruktur immer mal wieder angepasst. Aber jetzt gehen wir an den Kern heran. Wir senken die Gebühr für die klassische Ebay-Auktion mit dem Startpreis ein Euro inklusive Foto von heute einem Euro auf 49 Cent. Dieses Produkt ist substantiell für unser Geschäft. Diese Preissenkung ist daher eine hohe Investition“, sagte der Deutschland-Geschäftsführer Stefan Groß-Selbeck der F.A.Z.

„Zudem haben wir die ganze Homepage überarbeitet. Ein Teil ist schon zu sehen, andere Teile werden erst in den kommenden Wochen und Monaten freigeschaltet“, sagte Groß-Selbeck. Nach häufigen Beschwerden löst das Telefon die E-Mail als wichtigsten Kontaktkanal zu den Kunden ab; gleichzeitig sinken die Kosten für einen Anruf von 59 auf 14 Cent je Minute. „Das sind die weitreichendsten Änderungen auf dem deutschen Ebay-Marktplatz seit der Gründung des Unternehmens. Ebay soll einfacher, kundenfreundlicher und günstiger werden und mehr Spaß machen“, sagte Groß-Selbeck. Kernziel des Umbaus: Privaten Nutzern soll es leichter gemacht werden, Produkte zu verkaufen. Denn Verkäufer sind meist auch wieder Käufer an anderer Stelle - und genau daran mangelt es Ebay zurzeit.

„Der Festpreisanteil ist weiter gestiegen“

Der Pionier im elektronischen Handel kämpft seit Anfang 2005 mit einem Rückgang der Wachstumsraten; in diesem Zeitraum hat sich der Aktienkurs fast halbiert. „Deutschland steht nicht da, wo es sein könnte“, kritisierte die Ebay-Vorstandsvorsitzende Meg Whitman öffentlich, obwohl Deutschland nach wie vor ein wichtiger Pfeiler in der Ebay-Bilanz ist und nach Schätzungen eines Branchenkenners rund eine Milliarde Euro Umsatz erwirtschaftet. Noch immer ist mehr als die Hälfte der deutschen Internetnutzer auf Ebay aktiv. „Im vergangenen Jahr haben die privaten Kunden Waren im Wert von vier Milliarden Euro auf der Ebay-Plattform gehandelt“, sagte Groß-Selbeck.

Das gesamte Handelsvolumen dürfte weit höher liegen, da die professionellen Händler - von Ebay Powerseller genannt - mit ihren Festpreisangeboten mittlerweile den Markt dominieren. „Der Festpreisanteil betrug einmal ein Drittel aller Angebote, ist aber weiter gestiegen“, sagte Groß-Selbeck. Darin liegt gleichzeitig der Kern des Ebay-Problems: Viele private Kunden haben unter den acht Millionen eingestellten Produkten nicht mehr das gefunden, was sie gesucht haben und sind deshalb auf andere E-Commerce-Seiten ausgewichen. Die mangelnde Nachfrage haben auch die Profiverkäufer längst zu spüren bekommen: Ebay Express, die Verkaufsplattform, die ausschließlich professionellen Händlern vorbehalten ist, hat sich am Markt nicht behauptet. „Ebay Express hat uns geholfen, sehr hochwertiges Inventar auf die Seite zu holen. Auf der Nachfrageseite sind wir aber nicht da angekommen, wo wir gerne wären“, sagte Groß-Selbeck.

Aufbau von Gemeinschaften

Eine neue Suchmaschine soll den Nutzern nun helfen, die gewünschten Produkte tatsächlich zu finden. Zusätzlich setzt Ebay auf das Web 2.0, hofft also, dass sich die Nutzer untereinander stärker austauschen als bisher. „Wir bauen Ebay-Communitys. Unsere Nutzer haben viel mehr als in der Vergangenheit die Möglichkeit, sich zu präsentieren, ihr Expertenwissen kundzutun, ihre Hobbys und Interessen anzugeben, um natürlich mit anderen Nutzern mit gleichen Interessen in Verbindung zu treten. Eine Gemeinschaft der Briefmarkensammler ist natürlich dann besonders spannend, wenn die Briefmarken auch gehandelt werden können. Oder junge Mütter können sich über die Sicherheit von Kinderautositzen austauschen“, sagte Groß-Selbeck. Meg Whitman hatte den Aufbau der Gemeinschaften bereits auf der Ebay-Hausmesse im Juni unter dem Schlagwort des „Social Commerce“ angekündigt

Angst, dass die Wachstumsraten eines Tages auf Null gehen, hat Groß-Selbeck nicht. „Wir haben noch enormes Potential in unserem Kerngeschäft. Wir wissen, dass in jedem deutschem Haushalt Gegenstände im Wert von mehr als 500 Euro auf dem Dachboden lagern, die nicht mehr genutzt werden und darauf warten, auf Ebay verkauft zu werden. Hochgerechnet sind das mehr als 20 Milliarden Euro“, sagte Groß-Selbeck. Zudem hofft er, dass sich in vielen Produktkategorien institutionelle Sekundärmärkte für gebrauchte Güter wie im Automarkt entwickelt werden. „Im Automobilbereich ist es völlig nor-mal, dass die Käufer einen Neuwagen erwerben und ihn irgendwann weiterverkaufen, weil es einen sehr guten Sekundärmarkt für Gebrauchtwagen gibt. Daher gehört der Wiederverkaufswert eines Autos zum Marketinginstrument eines Neuwagens gehört. Dank Ebay gilt das inzwischen nicht mehr nur für Autos, sondern auch für Bügeleisen, Markenanzüge oder Handys. Über kurz oder lang werden die Markenhersteller den Wiederverkaufswert ihres Produktes als Argument für ihre Marke nutzen. Markenprodukte haben einen unvergleichbar höheren Wiederverkaufswert als No-Name-Produkte“, sagte er. Diese Sekundärmärkte, so seine Hoffnung, sollen Ebay-Märkte sein.

Text: ht./F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, F.A.Z.

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