Internet

Yahoo steigt groß in China ein

11. August 2005 Mit der bislang größten ausländischen Investition in eine chinesische Internetfirma steigt Yahoo für eine Milliarde Dollar beim führenden E-Commerce-Spezialisten Chinas, Alibaba.com, ein. Der amerikanische Internet-Riese übernimmt einen Anteil von 40 Prozent und bringt auch sein bisheriges China-Geschäft in die der neue Allianz ein, wie die Unternehmen am Donnerstag mitteilten. Der Zusammenschluß schafft eine der größten Firmen auf dem am schnellsten wachsenden und mit mehr als 100 Millionen Nutzern bereits zweitgrößten Internetmarkt der Welt.

Alibaba soll 2004 Handelsgeschäfte mit einem Umfang von schätzungsweise mehr als 4 Milliarden Dollar ermöglicht haben. Die Firma hat eine führende Position im E-Commerce zwischen Unternehmen, sowohl international als auch in China. Mit Taobao betreibt Alibaba eine beliebte Auktionssite für chinesische Verbraucher mit 40 Prozent Marktanteil.

Kooperation mit Softbank

„Das Zusammengehen mit Yahoo erlaubt uns, eine unerreichte Bandbreite an E-Commerce-Diensten für Unternehmen und Verbraucher in China anzubieten“, sagte Alibaba-Chef Jack Ma in Peking. Nach der Allianz mit Yahoo ist das 1999 von dem früheren Lehrer Ma gegründete Unternehmen aus Hangzhou ein noch stärkerer Konkurrent für das Onlineauktionshaus eBay, das die Hälfte des Auktionsmarktes beherrscht.

„Wir haben einen Zeitpunkt erreicht, an dem die Startup-Unternehmen der letzten paar Jahre in China
erwachsen geworden sind“, sagte der Yahoo-Gründer Jerry Yang. Bei der China-Investition nutzt Yahoo seine Geschäftverbindungen in Japan, wo mit der Softbank in Tokyo kooperiert wird. Softbank ist Anteilseigner bei Alibaba und soll das Geschäft angebahnt haben. Im neuen vierköpfigen Vorstand mit Jack Ma an der Spitze sitzen auch Yang und ein Softbank-Vertreter. Yahoo bekommt 35 Prozent der Stimmrechte, die Softbank hält 27,4 Prozent.

Über 15 Millionen Kunden

Alibaba hat heute mehr als 15 Millionen Kunden, darunter 100 000 Unternehmen, die zwischen 250 und 10000 Dollar im Jahr für die Online-Dienste zahlen. Ausländische Firmen können sich beispielsweise bei chinesischen Unternehmen über Alibaba Waren beschaffen, und auch chinesische Firmen handeln auf der Alibaba-Schiene miteinander.

Die englischsprachige Site Alibaba International dient vor allem kleinen und mittleren Unternehmen weltweit mit 1,5 Millionen registrierten Nutzern in 200 Ländern. Alibaba China ist ein Handelsplatz für Unternehmen in China mit 6 Millionen angemeldeten Kunden. Das Auktionshaus Taobao wird von mehr als 7 Millionen Chinesen benutzt. AliPay hilft bei sicheren Zahlungen und kooperiert mit führenden chinesischen Banken, da Kreditkartenzahlungen in China noch nicht weit verbreitet sind.

Jährliche Umsatzverdopplungen angepeilt

Die Yahoo-Investition ist die erste dieser Art in eine Internetfirma in China. Das Online-Geschäft zwischen Unternehmen soll sich in dem Markt bis 2007 jährlich fast verdoppeln. Für das E-Commerce-Verbrauchergeschäft werden Wachstumsraten von mehr als 80 Prozent vorhergesagt. Es soll bis 2007 etwa 2,5 Milliarden Dollar erreichen. China hat derzeit 100 Millionen Internet-Nutzer bei einer Bevölkerung von 1,3 Milliarden Menschen. Einige Prognosen gehen davon aus, daß China Amerika bereits 2010 bei der Zahl der Web-Nutzer überholen könnte.

Aufgrund dieser Prognosen zeigen sich auch einige Analysten zuversichtlich über den teuren Deal. „Wenn man bedenkt, daß Yahoo so einen großen Markt betritt und für eine Milliarde Dollar gleich so weit nach vorne schnellt, ist ihre Entscheidung gar nicht so unverständlich“, sagte Dick Wei, Analyst bei JPMorgan Securities Inc. in Hongkong. „Internetkonzerne wie Yahoo zahlen viel Geld für chinesische Konkurrenten, um auf diesem Wachstumsmarkt voranzukommen.“

„In China zu siegen“

„Wir glauben, daß die Kombination von Yahoo und Alibaba für Yahoo der beste Weg ist, um in China zu siegen“, erklärte Yahoo-Konzernchef Terry Semel. Auch Microsoft, Google und Amazon.com zieht es immer stärker nach China. Amazon.com hat den größten chinesischen Online-Buchverkäufer Joyo.com für 75 Millionen Dollar übernommen. Ebay kaufte das Auktions-Site Eachnet für 180 Millionen Dollar und Yahoo die Suchmaschine 3721.

Erst vergangenen Freitag fand der Börsengang der kleinen chinesischen Internetsuchmaschine Baidu.com in New York ungewöhnlich großes Interesse. Die Aktien der vom Umsatz und Gewinn her noch kleinen chinesischen Internet-Suchmaschinenfirma Baidu.com waren beim Börsen-Debüt an der amerikanischen NASDAQ-Börse um 353,9 Prozent auf 122,54 Dollar in die Höhe geschossen. Die Aktien von Baidu.com waren damit am Ende des ersten Handelstages insgesamt rund vier Milliarden Dollar wert gewesen.



Text: FAZ.NET mit Material von Bloomberg und dpa
Bildmaterial: AP

 
Blättern
Netzökonom

Ebay-Umbau trifft Deutschland besonders hart

von Holger Schmidt, 07.10.2008 10:57

Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 5.403,94 +0,31
TecDax 587,64 -2,74
DowJones 9.955,50 -3,58
Nasdaq 1.862,96 -4,34
STOXX 50 2.912,75 +1,41
Nikkei 225 10.155,90 -3,03
S&P 500 Zert. 10,50 -1,78
Euro/Dollar 1,36 +0,77
Bund Future 116,99 +0,01
Gold 876,63 +1,73
Öl 86,68 -6,11
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche