19. Februar 2007 Das Immobilienportal Immobilienscout 24 hat seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 45 Prozent auf 53 Millionen Euro und das Vorsteuerergebnis um 38 Prozent auf 21 Millionen Euro gesteigert. "Auf der Plattform wird inzwischen die Hälfte aller deutschen Wohnimmobilien angeboten und rund 20 Prozent aller Abschlüsse initiiert", sagte der Geschäftsführer Arndt Kwiatkowski dieser Zeitung. Das Unternehmen erwirtschaftet rund 90 Prozent seines Umsatzes mit Anzeigenerlösen, die von 21000 professionellen und rund 50000 privaten Inserenten stammen. Kwiatkowski erwartet auch in diesem Jahr wieder ein "deutlich zweistelliges Wachstum".
Wir reden mit potentiellen Käufern
Wem das Unternehmen künftig gehört, ist aber offen. Die drei Anteilseigner Aareal Bank, Morgan Stanley und J.H. Whitney haben die Investmentbank Viscardi beauftragt, Käufer für ihre Anteile zu finden. "Die Aareal Bank, Morgan Stanley und J.H. Whitney testen zurzeit den Markt, um ihre Anteile zu verkaufen. Wir reden jetzt mit potentiellen Käufern", sagt Kwiatkowski. Die Deutsche Telekom, die mit 33 Prozent noch den größten Anteil hält, will nach eigenen Angaben nicht aussteigen. "Mich würde es aber nicht überraschen, wenn die Telekom ihre Anteile in Zukunft doch verkauft", sagt Kwiatkowski. Nach seinen Angaben sind sowohl strategische Investoren als auch Finanzinvestoren an Immobilienscout interessiert. "Darunter ist aber kein Unternehmen aus der Immobilienbranche", sagt Kwiatkowski.
Ebay und die Verlage
Es wird vermutet, dass der Internetmarktplatz Ebay, dessen eigenes Immobiliengeschäft in Deutschland nicht gut läuft, mitbietet. Auch Verlage, deren Geschäft mit Immobilienanzeigen zunehmend ins Internet abwandert, dürften am Marktführer interessiert sein, dessen Seite jeden Monat von zwei Millionen Internetnutzern besucht wird. Der zweitgrößte Anbieter Immonet des Axel-Springer-Verlags hat bereits deutlichen Rückstand auf Immobilienscout. Nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens W3B nutzen 83 Prozent der Immobiliensucher die Seite von Immobilienscout, während Immonet nur auf 39 Prozent kommt.
Kwiatkowski kann sich unter dem neuen Eigentümer auch einen Gang an die Börse vorstellen: "Ein Börsengang ist eine Variante." Ebenso sei der Gang ins Ausland vorstellbar. "Die Internationalisierung ist sicher eine Frage, die wir mit dem neuen Anteilseigner diskutieren werden." Die Gefahr, dass der neue Eigentümer Mittel aus dem Unternehmen abzieht, sieht er nicht.
Unternehmenswert zwischen 400 und 900 Millionen Euro
Die Schätzungen über den Unternehmenswert schwanken zwischen 400 und 700 Millionen Euro. "Wir sind als Wachstumsunternehmen aufgestellt, und der Preis wird sich danach richten", sagt Kwiatkowski. Er verweist dabei auf die Bewertung des britischen Marktführers: "Das Unternehmen Rightmove wird dort an der Börse mit 900 Millionen Euro bewertet."
In diesem Jahr stehen für das Unternehmen hohe Investitionen in ein zweites Rechenzentrum und den Ausbau des Kundendienstes an. "Unsere Marge könnte dadurch auch sinken", sagt Kwiatkowski. Außerdem sollen die Anzeigenpreise stufenweise um rund 90 Prozent erhöht werden. "Das klingt viel, sind aber nur 4 bis 8 Euro mehr im Monat je Objekt", sagt Kwiatkowski.
Text: ht./ F.A.Z., 19.02.2007, Nr. 42 / Seite 12
Bildmaterial: Immobilienscout24
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