Computerspiele

Letzter Level

Computerspiele sollen endlich als Kunst ernstgenommen werden. Deshalb muß der kleine Wanda in „Shadow of the Colossus“ nicht nur sechzehn Kolosse ausmerzen, sondern auch noch die Minderwertigkeitskomplexe einer ganzen Branche.

Lesermeinungen zum Beitrag

20. Februar 2006 22:48

Kunst kann auch düster und einfältig sein!

Robin Siegemund (Robbson)

Computerspiele sind Kunst in Höchstform und nicht erst seit heute. Es gibt kein anderes Medium, in dem so viele Kunstrichtungen zur Geltung kommen. Eine Kunst, mit der in den USA mehr Geld verdient wird als in der Filmindustrie. Und in Deutschland gibt es immernoch zu viele Ignoranten... Leute, die Kriegsfilme, in denen verstümmelte Körperteile durch die Gegend fliegen (James Ryan), als künstlerisch wertvoll betrachten aber Computerspiele in ähnlichen Genres als Killerspiele ansehen... und die Spieler mit echten Killern auf eine Stufe stellen.
Kritiker von "dumpfem Geballer" sind nicht weit von dieser Meinung entfernt. Dabei ist für ein wenig dumpfes Geballer zwischendurch fast immer Zeit! Schön wenn dazu noch die Atmosphäre stimmt, die in John Carmack's letztem Titel einzigartig düster ist... Kunst pur!
Hingegen sind Spiele wie World of Warcraft und andere Massive Multiplayer Online Games eine echte Gefahr für unsere Gesellschaft. Da mag das Spielprinzip vielleicht weniger "einfältig" sein, doch will man in WoW Spaß haben und erfolgreich sein, ist jede menge Zeit mitzubringen... Keine Stunden oder Tage, sondern Wochen, Monate und Jahre (Schließlich zahlt man dafür auch das Abo).
Zeit, die heute niemand mehr hat, außer Schüler, Studenten und Arbeitslose. Für das Spiel in der schönen Märchenwelt wird der grausame Alltag gerne "etwas länger" ausgebelendet, was immer öfterer das soziale Umfeld in Mitleidenschaft zieht. Kunst kann auch einsam machen... bis zum Tod (s. China).

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20. Februar 2006 18:22

Sehr guter Artikel!

Thomas Müller (stormcloak)

Die Debatte über "PC-Spiele als Kunst" geht selbst in Fachmagazinen zur Zeit seltsame Wege - die Interaktion ist die Stärke des Mediums, ja, sie ist DER Vorteil schlechthin: Durch den engen Bezug des Spielers zum Spiel können dessen Reaktionen, seine Emotionen und Gedanken, intensiviert werden wie es Film und Malerei und nicht einmal der Literatur möglich ist. Das schaffen Spiele durchaus schon - es wird nur weitestgehend ignoriert.

Mit WoW wurde ein gutes Beispiel genannt - und man wird nicht umhin kommen, auch die anderen Blizzard-Spiele zu nennen. Warcraft3 widerlegt in dieser Hinsicht auch die Vermutung, eine "Story" sei für PC-Spiele nicht relevant. Die Handlung um Prinz Arthas kann sich problemlos mit jedem trivialen Phantastikschinken messen. Und die zählen ja bisweilen auch schon als Kunst. Der werte John Carmack übrigens, der Gottvater des dumpfen Geballers, ist hier keine gute Quelle...

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