
Die Vorstellung, diese durchgedrehte Aktion "Gesundheitskarte" (ist sie verschreibungspflichtig?) würde einmal Lebenswirklichkeit, macht Angst. Der verkartete Mensch verliert seine Identität, sie wird zum Chip. Dieser Chip ersetzt das vertrauliche Gespräch mit dem Herrn Doktor, ermöglicht die Verglasung der individuellen Krankheit. Man wird sich nicht mehr sicher sein können, wer über den eigenen Schnupfen informiert ist. Eine neue Zeit bricht herein: Das postindividuelle Zeitalter, in dem Menschen zu Objekten von Prozessoren und Geistesgestörten werden. Aber vielleicht gelingt ein Aufschub durch die kaum noch erfassbare Komplexivität des Vorhabens. Die Bechränktheit menschlicher Vernunft möge obsiegen!

Typisch deutsch! Hatten wir das nicht schon einmal? Nämlich bei Einführung des Mautsystems - oder beim Dosenpfand - oder der Mülltrennung - und beim Rußfilter - und und und ...
Es muß immer die technisch perfekte Lösung aus dem übernächsten Jahrhundert sein, mit der uns eine unselige Allianz regelwütiger Bürokraten, technikverliebter Unternehmen und von Fachkenntnissen weitgehend unbelasteten Politikern beglücken will.
Und am Ende wird doch nichts daraus, weil die Hundertschaft der Datenschützer auf die Barrikaden geht. Macht nix - bezahlen tut es der Versicherte (Gesundheitskarte), der Kunde (Dosenpfand) oder der Autofahrer (Rußfilter) - also immer irgendwie wir alle.