19. Juli 2004 Es klingt wie eine moderne Geschichte von David gegen Goliath: Die Mozilla-Stiftung mit gerade einmal einem Dutzend festangestellter Mitarbeiter ist angetreten, dem Softwaregiganten Microsoft Paroli zu bieten.
Ein kleines Team von Softwareentwicklern arbeitet mit Unterstützung vieler freier Entwickler in aller Welt daran, den Internet-Nutzern Alternativen zu den beiden marktbeherrschenden Microsoft-Programmen Internet-Explorer (Browser) und Outlook (E-Mail) kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Im Laufe der Jahre sind bereits viele erfahrene Internet-Nutzer auf die Mozilla-Programme umgestiegen.
Erster Erfolg
Pünktlich zum ersten Geburtstag ist der Mozilla-Stiftung nun ein Achtungserfolg gelungen: Zum ersten Mal seit zwei Jahren ist der Marktanteil des Internet-Explorers unter den Wert von 95 Prozent gefallen, hat das amerikanische Marktforschungsunternehmen Websidestory ermittelt. "Niemals zuvor haben wir solch einen starken Rückgang der Nutzung des Internet-Explorers gemessen. Der Rückgang hat sich zu einem echten Abwärtstrend entwickelt", sagte Geoff Johnston von Websidestory, auch wenn die Alternativen den Platzhirschen Microsoft nach seiner Meinung kaum ernsthaft gefährden können.
Aber spätestens seitdem das amerikanische Heimatschutz-Ministerium aus Sicherheitsgründen den Umstieg vom Internet-Explorer auf andere Browser empfohlen hat, steigt die Nachfrage nach den Mozilla-Programmen wie dem Browser-Ableger Firefox oder dem E-Mail-Programm Thunderbird auch in der breiten Masse der Internet-Nutzer schnell an.
Mozilla für Virenschreiber nicht attraktiv
Die Mozilla-Programme profitieren vor allem von der Vielzahl an Sicherheitslöchern im Internet-Explorer und in Outlook. Computerviren, Würmer und Trojaner nutzen häufig Programmierfehler in diesen beiden Anwendungen, um sich auf einem Rechner einzunisten. Woche für Woche muß Microsoft daher Reparaturprogramme (sogenannte Patches) zur Verfügung stellen. Doch kaum ein Privatnutzer kann diese Patches schnell genug auf seinem Rechner installieren. Die Folge sind Millionen ungeschützter Rechner, die den Erfolg von Würmern wie Sasser oder Mydoom erst möglich gemacht haben.
Eine Möglichkeit, sich zumindest für eine Übergangszeit zu schützen, ist der Umstieg auf einen alternativen Browser. Zwar sind auch die Browser von Mozilla oder dem norwegischen Unternehmen Opera nicht vor Programmierfehlern gefeit, doch da sie weitaus seltener eingesetzt werden, sind sie für die Virenschreiber bisher nicht interessant.
Technische Neuerungen
Die Mozilla-Programme haben aber einen weiteren Vorteil: Sie enthalten viele technische Neuerungen und können aufgrund ihrer häufigen Aktualisierung schnell an Entwicklungen im Internet angepaßt werden. Zum Beispiel haben Mozilla und Firefox schon lange sogenannte Pop-up-Blocker integriert, die lästige Werbefenster gleich ausblenden. Firefox ermöglicht auch das "Tabbed-Browsing", also die gleichzeitige Öffnung mehrerer Fenster auf dem Bildschirm. Mit Hilfe von Erweiterungen läßt sich Firefox an die individuellen Bedürfnisse der Nutzer anpassen. Firefox liegt in deutscher Übersetzung vor.
Im Zeichen des Monsters
Angefangen hat alles mit dem Internet-Pionier Netscape, dessen Browser in den Anfangsjahren das Internet beherrschte. Dann entdeckte Microsoft das Internet und drückte seinen Browser Internet-Explorer mit allen Mitteln in den Markt. Netscape verlor die Auseinandersetzung und wurde 1998 vom Online-Dienst AOL gekauft. Kurz zuvor hatte sich Netscape entschlossen, das intellektuelle Herzstück seiner Software, den sogenannten Quellcode, einer freien "Open Source"-Entwicklergemeinde zur Verfügung zu stellen. In der Folgezeit wurde der Netscape-Browser von AOL nur noch halbherzig weiterentwickelt, aber die freie Entwicklergemeinde hatte unter dem Namen Mozilla mehr Erfolg. Bei der Namensgebung stand der Film "Godzilla - the King of Monsters" Pate. Seitdem bringen viele Entwickler in aller Welt ihr Wissen in die Mozilla-Programme ein, die viele technische Neuerungen lange vor dem Internet-Explorer einsetzen. 2003 wurde die Bewegung in der Mozilla-Stiftung gebündelt, die sich mit Spenden finanziert, daneben aber auch Softwareentwickler von Unternehmen wie IBM, Sun Microsystems und Red Hat zur Verfügung gestellt bekommt.
Web: Mozilla im Internet: www.mozilla.org
Deutsche Version: www.mozilla-europe.org/de
Text: ht/ Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.07.2004, Nr. 165 / Seite 17
Bildmaterial: Mozilla
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