Im Porträt: John Donahoe

Der neue Chef-Auktionator bei Ebay

Von Roland Lindner

John Donahoe: Zum 31. März wird er der neue Ebay-Chef

John Donahoe: Zum 31. März wird er der neue Ebay-Chef

24. Januar 2008 Sein erster Auftritt war nicht unbedingt mitreißend. Wenige Minuten nach seiner Ernennung zum neuen Vorstandschef des amerikanischen Internetmarktplatzes Ebay stellte sich John Donahoe den Kameras des Wirtschaftskanals CNBC. Neben ihm stand die bisherige Amtsinhaberin Meg Whitman.

Donahoe wirkte arg salbungsvoll und sprach mit etwas linkischen Gesten von guten Zeiten, die Ebay bevorstehen. Der Gegensatz zum quirligen und burschikosen Energiebündel Whitman konnte kaum größer sein. Donahoe kam auf den ersten Blick gar nicht als der Mann mit der „frischen Perspektive“ daher, als den ihn Whitman vorstellte.

Deutliche Worte

Meg Whitman und John Donahoe waren früher beide Unternehmensberater

Meg Whitman und John Donahoe waren früher beide Unternehmensberater

Aber man sollte Donahoe vielleicht nicht unterschätzen. Schon kurze Zeit danach fand er in einer Telefonkonferenz sehr deutlich Worte: Er gab zu, dass er mit dem Wachstum von Ebay nicht zufrieden ist. Und er kündigte direkt einige größere Initiativen an: So will er die Gebührenstruktur erheblich verändern.

Außerdem will er ein größeres Gewicht auf den Verkauf von Waren legen, die zu Festpreisen und nicht im Rahmen der traditionellen Ebay-Auktionen gehandelt werden. Dieses Festpreisgeschäft ist nach den Worten von Donahoe besonders stark gewachsen und steht heute für mehr als 40 Prozent des gesamten Transaktionsvolumens. Je mehr Ebay in die Richtung des Festpreisverkaufs geht, umso mehr ähnelt das Unternehmen dem konkurrierenden Online-Händler Amazon.com.

Mit Whitman zum Weltflohmarkt

Wenn John Donahoe am 31. März den Posten als Vorstandschef von Meg Whitman offiziell übernimmt, wird das ein großer Einschnitt für Ebay sein. Unter Whitman wurde Ebay zu einem der größten Internetkonzerne der Welt. Sie kam im Jahr 1998 zu Ebay, als das Unternehmen noch eine chaotische Internetbude mit ein paar Dutzend Angestellten und weniger als 5 Millionen Dollar Jahresumsatz war.

Whitman hat Ebay zum Weltflohmarkt gemacht: Mit Ebay haben die Menschen ihre Lust daran entdeckt, Habseligkeiten zu versteigern. Viele betreiben das Handeln auf Ebay als professionelles Geschäft. Ebay ist heute ein Tummelplatz mit einem an Breite kaum zu übertreffenden Sortiment. Was man bei Ebay nicht findet, findet man wahrscheinlich auch sonst nirgendwo. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 7,7 Milliarden Dollar.

Verlangsamtes Wachstum

Die Schattenseite dieser dominierenden Stellung ist, dass Ebay nicht mehr so stürmisch wächst wie früher. Die Nutzerzahlen legen kaum noch zu, und die Zahl der auf Ebay verkauften Waren ist im vergangenen Jahr zwischenzeitlich gesunken, auch wenn es im Schlussquartal wieder einen Anstieg gab.

Ebay leistete sich außerdem einige Fehlschläge bei der internationalen Expansion, und vor einigen Monaten kündigte das Unternehmen eine peinliche Abschreibung auf den Internettelefondienst Skype an.

Freiwilliger Rückzug

Trotz dieser Schwierigkeiten legt Ebay Wert auf die Feststellung, dass der Rückzug von Whitman freiwillig und nicht erzwungen ist. In der Tat hat Whitman in der Vergangenheit oft gesagt, ihrer Meinung nach solle ein Vorstandsvorsitzender seine Position in einem Unternehmen nicht länger als zehn Jahre halten.

Nun ist es an dem 47 Jahre alten John Donahoe, das Wachstum von Ebay wieder anzukurbeln. Donahoe kam erst im Jahr 2005 zu Ebay, er war vorher mehr als zwanzig Jahre lang bei der Unternehmensberatung Bain & Co.

Donahoe kommt von einer Unternehmensberatung

Auch Meg Whitman war zu Beginn ihrer Karriere bei Bain und dabei zwischenzeitlich schon einmal die Chefin von Donahoe. Bevor er zu Ebay wechselte, war er als Managing Director bei Bain für 29 Niederlassungen und 3000 Mitarbeiter auf der ganzen Welt verantwortlich.

Bei Ebay führte Donahoe das Kerngeschäft mit Auktionen und Festpreisverkauf von Waren, das für mehr als 70 Prozent des Konzernumsatzes steht (der Rest entfällt auf den Online-Bezahldienst Paypal, Skype und andere Angebote). Er hat dabei zunächst öffentliche Auftritte gemieden und ist erst in jüngster Zeit stärker in Erscheinung getreten.

Meg Whitman ist mit ihren 51 Jahren noch weit vom Rentenalter entfernt. Sie kann sich aber nach eigener Aussage nicht vorstellen, ein weiteres Unternehmen zu führen. Ihre politische Arbeit als Beraterin des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney will sie fortsetzen. Ansonsten will sie sich nun stärker um eine kürzlich gegründete Stiftung kümmern und „erstmal alles etwas ruhiger angehen lassen“.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, EBay

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