Telekommunikations-Trends 2007

Spagat zwischen Wachstum und Kostensenkung

Von Johannes Winkelhage

Vor allem Handy-Gespräche sollen 2007 billiger werden

Vor allem Handy-Gespräche sollen 2007 billiger werden

02. Januar 2007 Der Wettbewerb auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt wird 2007 um keinen Deut weniger hart als in den gerade abgelaufenen zwölf Monaten. Im Gegenteil: Die meisten Branchenbeobachter rechnen damit, dass sich die Konkurrenten der Deutschen Telekom noch stärker formieren werden und dem ehemaligen Monopolisten weiterhin die Kunden abjagen.

Aber auch unter den Herausforderern der Telekom wird es zu immer heftigeren Gefechten kommen. Und es treten neue Wettbewerber auf den Plan.

DSL-Grundgebühr wird kaum sinken

"Die Unternehmen müssen einen breiten Spagat zwischen der Erschließung neuer Wachstumspotentiale durch Investitionen und einer deutlichen Kostensenkung bewältigen", erwartet Roman Friedrich, Telekommunikationsexperte bei der internationalen Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton.

Er geht davon aus, dass es auch im neuen Jahr zu einer Fortsetzung des Preiskampfes für die populären Bündelangebote aus Telefon- und DSL-Anschluß sowie Pauschalpreisen für Sprachtelefonie und Internetzugang kommen wird. "Dabei wird der monatliche Grundpreis allerdings kaum sinken. Vielmehr werden immer mehr Leistungen, zum Beispiel eine höhere Bandbreite für den Internetzugang, in die Bündel hineingeschnürt", glaubt Friedrich.

Ähnlich sieht es auch Thomas Goette von der Beratungsgesellschaft Mercer Management Consulting. "Das Jahr 2006 war das Jahr des Double-Play, der Bündelangebote aus Internet und Sprache." Für 2007 geht er davon aus, dass diese Bündel um weitere Angebote zum Triple-Play ausgebaut werden.

Zwei Jahre Jagdsaison

"Der Wettbewerb mit den Kabelnetzanbietern wächst erkennbar, und diese wissen, dass sie nur ein Zeitfenster von rund zwei Jahren haben, um den Telekommunikationsunternehmen die Kunden abzujagen", erklärt Goette. Daher seien die Kabelnetzbetreiber derzeit mit Hochdruck dabei, ihre Netze für Internet und Telefonie aufzurüsten. "Wir sehen in anderen europäischen Märkten, dass der Wettbewerb zwischen dem Kabel und DSL sehr intensiv ist. Das wird auch in Deutschland kommen und die Konkurrenz im Jahr 2007 anheizen."

In der Konsequenz für die Telekommunikationsunternehmen bedeutet dies, dass sie ihre Angebote um die Fernsehkomponente erweitern müssen, um mit den Kabelnetzanbietern konkurrieren zu können. Dies allerdings ist nur der erste Schritt zu einer deutlichen Überarbeitung des Geschäftsmodells der Unternehmen, dessen erste Stufe schon im laufenden Jahr greifen soll.

"Die Telekommunikationsgesellschaften müssen sich Umsatzpotentiale jenseits des klassischen Zugangs zur Sprachtelefonie oder zum Internet suchen", erklärt Ansgar Schlautmann, Telekommunikationsfachmann bei der Unternehmensberatung CSMG Adventis.

Zweifel an VDSL

Als einen ersten Schritt auf diesem Weg sehen die Experten das Fernsehangebot der Deutschen Telekom, das seit Herbst unter dem Namen T-Home vermarktet wird und bis zu 100 Fernsehkanäle über die schnelle VDSL-Leitung in die Haushalte einiger Großstädte überträgt. Allerdings gibt es unter den Beratern noch Zweifel, dass das VDSL-Angebot auf der Basis des heutigen Preisniveaus für die Kunden attraktiv ist.

Goette bemerkt dazu aber: "VDSL wird sich im deutschen Markt durchsetzen. Allerdings wird dies einige Zeit benötigen. Wir gehen deshalb davon aus, dass VDSL-Angebote aus Kundensicht 2007 attraktiver werden." Das allein wird als Reaktion auf die neue Konkurrenz aber nicht ausreichen. "Der Übergang der klassischen Telekommunikation in die Welt des Internet-Protokolls ruft neue Wettbewerber für die etablierten Unternehmen auf den Plan", sagt Schlautmann.

Unternehmen wie die Deutsche Telekom müssten sich in Zukunft verstärkt mit Konkurrenten wie Google oder Yahoo auseinandersetzen, die die Kunden über Inhalte und attraktive Dienste an sich binden könnten und die Telefonie ganz nebenbei auch noch anbieten würden. Dies wird sich schon im Jahr 2007 in Ansätzen zeigen.

Konkurrenz aus dem Web 2.0

Ganz ähnlich sieht dies auch Roman Friedrich: "Neue Geschäftsmodelle nach dem Prinzip des interaktiven Web 2.0 zeigen deutliche Erfolge am Markt." Darauf müssen sich die Unternehmen, die heute noch nach dem klassischen Konzept des Netzbetreibers funktionieren - der den reinen Zugang verkauft - nach Ansicht von Friedrich einstellen und selbst attraktive Dienste und Inhalte im Portfolio haben, wenn sie in diesem Wettbewerb um den Kunden bestehen wollen.

"Das bedeutet, dass sie entweder zum reinen, aber sehr effizienten Netzbetreiber werden oder aber beginnen, wie Medienhäuser zu agieren - eine Kompetenz, die in den meisten Unternehmen der Branche noch nicht sehr ausgeprägt ist. Sie müssen mehr in Innovation investieren."

Um diese Innovation auch zum Kunden bringen zu können, rüsten die Unternehmen ihre Netze im Moment mit Hochdruck auf das sehr viel kostengünstigere Internet-Protokoll (IP) auf. In diesen Netzen lassen sich Sprache und Daten auf einer Leitung mit dem gleichen Protokoll transportieren, was zu einer erheblich besseren Kapazitätsauslastung führt.

Schneller Ausbau der IT-Netze

Zudem werden viele Schaltvorgänge, für die heute noch ein Techniker zum Kunden fahren muss, zentral gesteuert oder gleich ganz automatisiert. Diese Umstellung wird sich aufgrund der erheblichen Kostenvorteile nach Ansicht der Berater im neuen Jahr deutlich beschleunigen. "Der Ausbau der IP-Netze könnte schneller vorangehen als bisher erwartet. Viele Unternehmen denken darüber nach, ihre Zeitpläne nach vorn zu ziehen", erklärt Goette. So ging die Telekom bisher von einer vollständigen Umstellung auf IP bis zum Jahr 2012 aus - zu langsam, wie viele Branchenkenner meinen.

Die zunehmende Konvergenz der bisher getrennten Märkte Internet und Telefonie erkennt auch Schlautmann als eine der wichtigsten Tendenzen im Jahr 2007. Auch er sieht die Notwendigkeit für die Telekommunikationsunternehmen, durch das Angebot innovativer Produkte und Services den neuen Spielern aus der Internetwelt nicht vollständig das Feld zu überlassen.

"Eine Kooperation mit Unternehmen wie Google oder Yahoo kann sich zwar kurz- bis mittelfristig rechnen, birgt aber auch ein Risiko für die etablierten Telekommunikationsunternehmen. Denn die Internetspieler werden sich langfristig nicht davon abhalten lassen, selbst Produkte aus dem klassischen Telekom-Portfolio ihren Services hinzuzufügen - und das unabhängig von existierenden Partnerschaften mit Netzbetreibern."

Call-by-Call-Anbieter unter Druck

Vielmehr gelte es, mit eigenen innovativen Produkten, Services und Tarifen wie auch mit der Werbefinanzierung der Angebote auf den Markt zu kommen, sagt Schlautmann. Dabei geht es nach Ansicht der Experten künftig sehr viel stärker darum, die Angebote auf einzelne Zielgruppen zuzuschneiden und sich schrittweise vom Konzept des Massenmarktes zu verabschieden.

Unter Druck geraten werden angesichts dieser Entwicklungen auch die preiswerten Call-by-Call-Vorwahlnummern, mit denen der Kunde für jedes Gespräch seinen Anbieter wechseln kann. Angesichts der zunehmenden Tendenz zur Flatrate würden diese Offerten immer unwichtiger, glauben die Experten. "Diese Gesellschaften führen jetzt schon ein Nischendasein", erklärt Friedrich.

Weitere Preissenkungen für Handygespräche

Mit mehr Wettbewerb für das Festnetz rechnen die Fachleute auch durch den Mobilfunk. "Unter Berücksichtigung verschiedener Trends, wie zum Beispiel des Wachstums der Breitbandanschlüsse oder der Internet-Telefonie (VoIP), werden voraussichtlich letztlich zwischen 10 und 15 Prozent der Teilnehmer in Deutschland auf einen Festnetzanschluss zugunsten des Mobilfunks gänzlich verzichten", schätzt Schlautmann. Dies sei bei weitem noch nicht ausgereizt und ein Treiber für das weitere Wachstum im Mobilfunk auch im Jahr 2007.

Übereinstimmend glauben die Fachleute außerdem, dass es auch im Jahr 2007 noch zu weiteren Preissenkungen für die Handygespräche kommen wird. "Es wird aber nicht zu einem ähnlichen Preisrutsch kommen wie in den vergangenen zwei Jahren", sagt Friedrich. "Ein paar Cent nach unten sind aber noch drin und gerade im Datenbereich werden die Preise noch weiter sinken", erklärt auch Schlautmann. Mit einem echten Pauschaltarif, der auch die Gespräche in andere Mobilfunknetze einschließt, rechnen die Fachleute allerdings im laufenden Jahr noch nicht.

Text: F.A.Z., 02.01.2007, Nr. 1 / Seite 19
Bildmaterial: ddp, F.A.Z.

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Sportverletzung? Sorgen Sie vor - mehr Leistung für weniger Geld. Vergleichen Sie jetzt online die Leistungen verschiedener privater Krankenversicherungen!

25.12.2009 | 23:04
Name Kurs in %
DAX 5.957,44 +0,20%
TecDAX 812,35 +0,17%
MDAX 7.472,43 −0,16%
SDAX 3.554,37 −0,21%
REX 377,93 0,00%
Eurostoxx 50 2.957,48 +0,40%
Dow Jones 10.520,10 +0,51%
Nasdaq 100 1.869,84 +0,96%
S&P500 1.126,48 +0,53%
Nikkei225 10.494,70 −0,40%
EUR/USD 1,4335 0,00%
Rohöl Brent Crude 76,10 $ +0,86%
Gold 1.104,50 $ +1,77%
Bund Future 121,84 € −0,42%
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche