Von Jochen Zenthöfer
15. Dezember 2007 Inzwischen hat es sich bei Bewerbern herumgesprochen: Online-Recherche über einen neuen Arbeitgeber lohnt sich. Wie ist das Unternehmen aufgebaut? Welche Chancen bietet es? Was berichten Mitarbeiter und Aussteiger in Online-Foren? Passe ich in diese Unternehmenskultur? Nützlich, wenn nicht unverzichtbar, ist es aber auch, einfach mal zu googeln, was über einen selbst im Netz zu lesen ist. Das machen Personalmanager sehr gerne – und sie konfrontieren die Bewerber auch mit den Rechercheergebnissen.
Neben der offiziellen Bewerbungsmappe (A-Profil“) legen Recruiter zunehmend B-Profile“ an, die sie mit eigener Recherche füllen. Jeder, der zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird, sollte also wissen, was über ihn im Netz veröffentlicht ist – oder früher einmal wurde. Denn verloren geht nichts. Über die Way back machine“ können Versionen von Websites angezeigt werden, die schon jahrelang aus dem Netz genommen sind (http://www.archive. org/web/web.php). Wer also auf seiner privaten Homepage vor zehn Jahren noch freizügige Fotos veröffentlichte, muss damit rechnen, dass der Personalchef sie heute noch findet.
Erst nachdenken, dann die Homepage
Umso bedeutsamer ist eine ordentliche Webpräsenz. Der Bewerber sollte sich genau überlegen, welches Bild er im Netz von sich zeichnen will. Der unkonventionelle Querdenker kommt vielleicht in der Werbeagentur gut an. In der Finanzabteilung einer Versicherungsgesellschaft ist die seriöse, konventionelle Seite der Persönlichkeit meist die bessere Wahl. Nicht nur von Fotodokumentationen über die Saufgelage der letzten Jahre rate ich dringend ab“, sagt Iris M. Vanck, Gründerin der Agentur CoachingGarden in Köln: Privat geschossene Fotos sind auch oft unscharf oder haben keinen passenden Hintergrund.“ Sie empfiehlt, in Fotos zu investieren, die den Bewerber professionell aussehen lassen. Auf keinen Fall sollte die Homepage überfrachtet sein mit Verweisen, Bildern und Animationen. Alle technischen Spielereien wie Diashows oder Intros lenken nur ab und kosten den Besucher Zeit. Allerdings kann ein gut gemachtes, professionelles Video Pluspunkte geben.“
Wenige, prägnante Seiten, zwei oder drei Farben und ein aussagekräftiger Text reichen völlig aus. Kein Wildwuchs an Anglizismen und Fachjargon, keine Epiloge, Schachtelsätze und Allgemeinplätze“, sagt Vanck: Das will kein Personaler lesen.“ Sie rät dazu, die kurzen Texte inhaltlich stimmig zu gliedern und eigene Stärken auf die angestrebte Position zuzuschneiden.
Was ist mit Hobbys?
Was ist mit Hobbys? Anders als bei offiziellen Lebensläufen darf die eigene Webpräsenz einen Einblick in das Privatleben geben. Doch sollte es bei einem Einblick bleiben. Mit Hobbys verbindet man häufig bestimmte Eigenschaften“, erläutert Coaching-Expertin Vanck: Gerade weil das oft zweifelhafte Konnotationen sind, sollte der Bewerber nur die privaten Interessen darstellen, die zur gewünschten beruflichen Tätigkeit passen.“ So gelten Briefmarkensammler als introvertiert – für eine Vertriebsposition nicht gerade ein Pluspunkt. Ein Hammerwerfer ist möglicherweise kein guter Feinmechaniker. Und dass man sich gerne auf Pokerturnieren aufhält, sollte verschweigen, wer eine Stelle als Controller anstrebt. Immer gilt: Wer eine Homepage macht, muss sich in die Sicht des Besuchers hineinversetzen“, betont die Kölner Beraterin: Fragen Sie sich, welche Erwartungen man an Sie als Bewerber hat. Und Sie sollten das Lesen möglichst angenehm machen. Personaler sehen sich jede Woche Hunderte von Websites an. Deshalb muss der eigene Auftritt einladend, klar formuliert und übersichtlich sein.“
Nicht immer ist es damit getan, eine Homepage zu bauen und ins Netz zu stellen. Schließlich möchte man auch von Google gefunden werden. Wie das geht, verrät Mario Fischer, Professor an der Fachhochschule Würzburg: Zunächst sollte man keine Technik verwenden, die suchfeindlich ist. Damit meine ich Flash oder auch Links, die mit Java Script hinterlegt sind. Für Google ist eine klassische HTML-Seite das Beste.“ Der Fachmann für Suchmaschinen hat mit Website Boosting“ das Standardwerk zum Thema Suchmaschinenoptimierung verfasst.
Auch Frames, Cookies oder Sitzung-IDs sollten besser gar nicht verwendet werden. Als Frame wird ein verschiebbarer Teilbereich einer Seite bezeichnet, die in der Sprache HTML programmiert ist. Das geht zwar schnell, ist aber für die Suchmaschine schwer zu erfassen. Mit einem Cookie“ wird ein Besucher der Website in einer Datenbank eingetragen. Viele Internetseiten hinterlegen ein solches Cookie, um die Nutzer bei erneutem Einloggen wiedererkennen zu können. Private Homepages sollten darauf verzichten. Eine Sitzungs-ID wird als Identifikationsmerkmal verwendet, um mehrere zusammengehörige Anfragen eines Benutzers zu erkennen. Das mag für Online-Shops wichtig sein, stört aber auf reinen Informationsseiten.
Keine Tricks gegenüber der Suchmaschine
Alle Maßnahmen, die die Suchroboter von Google & Co. täuschen sollen, wie weiße Schrift auf weißem Grund, sind zu unterlassen. Mit diesem Trick haben manche in der Vergangenheit versucht, Schlüsselwörter wie Sex oder die Namen der Konkurrenz auf der eigenen Seite unterzubringen – unsichtbar für den Nutzer, sichtbar für die Suchmaschine. Inzwischen wird solches Verhalten konsequent bestraft“, warnt Fischer: Es sind schon große Unternehmen für einige Monate aus dem Google Index gefallen, weil sie sich nicht an die Spielregeln gehalten haben.“
Die Seite sollte auch mit allen gängigen Internet-Browsern benutzbar sein. Das sind vor allem Internet Explorer 6 und 7 sowie Firefox 1 und 2. Anfang 2008 soll Firefox 3 auf den Markt kommen. Für Oktober des nächsten Jahres ist der Internet Explorer 8 geplant. Wer seine Webpräsenz selber baut, sollte testen, ob sie auch auf den genannten Programmen läuft. Anstelle eines virtuellen Servers sollte man besser eine eigene IP-Adresse verwenden.
Die eigene Webpräsenz hat nicht nur für Bewerber Vorteile. Auch wer einen guten Job hat, aber wechseln möchte, kann sich im Netz unverfänglich präsentieren – und so die Konkurrenz oder Headhunter auf sich aufmerksam machen. Dagegen kann und darf der Arbeitgeber nichts vorbringen, außer man arbeitet bei verschwiegenen Unternehmungen des Zentrums für Nachrichtenwesen der Bundeswehr. Für alle anderen gilt: Das Persönlichkeitsrecht hat Vorrang, Betriebsgeheimnisse aber müssen gewahrt werden.
Die Wechselwilligkeit sollte man natürlich nicht thematisieren, muss man aber auch nicht: Headhunter wissen Selbstpräsentationen zu deuten. Wer über sein umfangreiches Vereinsleben berichtet, wird den Wechsel in eine andere Stadt eher scheuen als jemand, der seine zahlreichen Einsatzorte im Lebenslauf herausstellt. Wer ernsthaft sucht, sollte eine private Telefonnummer angeben, denn Headhunter kommunizieren beim Erstkontakt ungern schriftlich. Wer darüber hinaus das Netz mit privaten Daten und sensiblen Informationen füttert, muss sich klarmachen, wie langlebig die Spuren sind. Unternehmen können alte Seiten zwar aus dem Speicher (Cache) löschen, indem sie die gelöschte Seite der Suchmaschine erneut vorlegen. Der Roboter erkennt die Löschung und wirft die alte Version aus dem Index. Doch im Archiv bleibt sie erhalten – über Jahrzehnte.
Die eigene Homepage
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: fotolia.de
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