Mit Steve Jobs ist derzeit nicht gut Kirschen essen
Bescheidenheit war noch nie die Sache von Steve Jobs. Den Mitgründer und Vorstandschef des amerikanischen Computer- und Elektronikkonzerns Apple kümmert es auch traditionell herzlich wenig, ob man ihn sympathisch findet oder nicht. Aber in den vergangenen Wochen hat Steve Jobs noch einmal einige Gänge zugelegt und wirkt so aggressiv wie noch nie: Wer die Großartigkeit von Steve Jobs nicht versteht oder nicht zu würdigen weiß, muss sich in diesen Tagen auf heftige Attacken von Apple gefasst machen. Der Zorn ereilt Wettbewerber, die sich nicht den Technologievisionen von Apple anschließen, aber nicht einmal harmlose Journalisten oder Komödianten, die sich einen Spaß mit Apple erlauben, sind sicher. Die Manöver von Apple beschäftigen mittlerweile sogar die Wettbewerbsbehörden, die der Frage nachgehen, ob das Unternehmen unzulässige Knebeltaktiken einsetzt.
Den Vogel hat Steve Jobs vor einer Woche mit einer beispiellosen Attacke auf den Softwarehersteller Adobe Systems abgeschossen (Nachtrag zum iPad: Apples ästhetische Anbiederung). Hintergrund war die Kritik daran, dass Apple-Produkte wie das Multimediahandy iPhone oder der Tablet-Computer iPad nicht mit der weitverbreiteten Videosoftware Flash von Adobe arbeiten können. Außerdem hat Apple kürzlich die Regeln für Softwareentwickler geändert, die Programme oder Applikationen für das iPhone oder das iPad schreiben. Die Entwickler dürfen dazu nur von Apple freigegebene Programme nutzen, Flash ist tabu. Das stieß in der Entwicklergemeinde sauer auf, aber Steve Jobs zeigte sich davon unbeeindruckt und startete stattdessen einen Frontalangriff auf Adobe. In einem langen Aufsatz, den er auf die Internetseite von Apple stellte, beschrieb er die Produkte von Adobe als mangelhaft und rückständig.
Gleichzeitig legte Jobs die Regeln fest, die nach seiner Auffassung im Internet zu gelten haben. Zwar schert sich Jobs üblicherweise wenig um Kompatibilität: Apple ist geradezu berücksichtigt dafür, dass das iPhone, das iPad und zugehörige Online-Dienste wie iTunes geschlossene Systeme bilden, die nicht mit anderen Plattformen arbeiten können. Wenn es aber um das Internet geht, so meint Jobs, sollten alle Standards offen und herstellerunabhängig sein, so wie zum Beispiel das Videoprogramm HTML5, das Apple an Stelle von Flash unterstützt.
Ein anderes harsches Manöver leistete sich Apple vor einigen Wochen bei der Episode um ein irrtümlich von einem Mitarbeiter in einer Kneipe liegengelassenes iPhone der nächsten Generation. Ein Mitarbeiter eines Technologieblogs bekam das Gerät gegen Bezahlung in die Hände und schrieb darüber. Apple, bekannt für Geheimniskrämerei um neue Produkte, beschwerte sich bei den Ordnungsbehörden und löste damit eine Razzia in der Wohnung des Bloggers aus. Ob diese Durchsuchung rechtmäßig war, ist umstritten.
Die Krönung der Dünnhäutigkeit kam in dieser Woche, als die in Amerika bekannte Talkshow-Moderatorin Ellen DeGeneres eine Parodie über das iPhone wagte. Sie imitierte einen Werbespot für das iPhone und hantierte dabei ungeschickt mit dem Gerät herum. Apple war offenbar nicht amüsiert, und in der nächsten Sendung sah sich DeGeneres zu einer Entschuldigung bei Jobs und allen bei Apple gezwungen. Sie habe nicht den Eindruck erwecken wollen, das iPhone sei schwer zu bedienen.
Was treibt Steve Jobs zu dieser neuen Grobheit? Es mag die von ihm bekannte Hybris und der Rausch am eigenen Erfolg sein. Es gibt aber auch Stimmen, wonach Jobs sich mehr denn je von Zeitdruck getrieben fühlt, die Welt nach seinen Maßstäben zu verändern. Jobs ist im vergangenen Jahr nach eigener Aussage nur durch eine Lebertransplantation dem Tod entronnen. In der Zeitschrift New Yorker wurde kürzlich ein Apple-Insider mit den Worten zitiert: Er ist in Eile, in den nächsten zwei Jahren zu schaffen, was er sich vorher für die nächsten zehn Jahre angedacht hat. Tatsache ist, dass der 55 Jahre alte Steve Jobs heute verstärkt an sein Vermächtnis denkt. So wurde vor einigen Monaten bekannt, dass Jobs zum ersten Mal bei einer geplanten Biografie über ihn kooperieren wird.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS
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