Suchmaschine

Das Wunder von Google

Von Lisa Nienhaus und Patrick Bernau

Nach ihm ist der “pagerank“ benannt: Google-Gründer Larry Page

Nach ihm ist der "pagerank" benannt: Google-Gründer Larry Page

21. Oktober 2007 Wer in der Zeichentrickserie "Die Simpsons" parodiert wird, der hat es geschafft: Er ist fest im amerikanischen Alltag integriert. Im März gab Marge Simpson zum ersten Mal ihren Namen in die Suchmaschine ein - und fand 629.000 Einträge: "Wow."

Marge Simpson ist sicherlich eine der letzten Amerikanerinnen, die Google entdeckt hat. Denn längst beherrscht das Unternehmen das Netz. Die Marke Google ist so stark, dass das von ihr abgeleitete Verb "googeln" weltweit in den Sprachgebrauch eingezogen ist und in Deutschland sogar einen Eintrag im Duden hat. In dieser Woche hat das Unternehmen wieder Rekordzahlen präsentiert, die der Aktie zu neuen Höhenflügen verholfen haben.

Google kennt nur einen Weg: nach oben. Innerhalb von gerade einmal neun Jahren haben zwei Informatik-Doktoranden eine kleine Suchmaschine im Netz von einer Idee zu einem der teuersten Unternehmen der Welt gemacht.

Nur in China und Russland nicht führend

In Amerika laufen 57 Prozent aller Internetsuchen über Google. Die Konkurrenten Yahoo und Microsoft liegen abgeschlagen bei 24 und 10 Prozent. Fast zehn Milliarden Anfragen beantwortet Google laut der Marktforschungsfirma Comscore monatlich - allein in Amerika. Außer in China und Russland ist die Suchmaschine fast weltweit führend.

Damit verdient das Unternehmen Geld, viel Geld. So viel Geld, dass es zeitweise gar nicht wusste, wohin mit den Milliarden. Ende September hatte Google mehr als 13 Milliarden Dollar auf der hohen Kante. Damit könnte es auf einen Schlag die Lufthansa kaufen oder Adidas. Doch Google interessiert sich nicht für Adidas, sondern für zukünftige Geldbringer, für das nächste große Ding im Internet. So gab es im vergangenen Jahr Milliarden aus für das Videoportal Youtube und Anfang dieses Jahres für die Internet-Werbefirma DoubleClick.

Die Anleger sind beglückt. Seit die Gründer Sergey Brin und Larry Page Google 2004 an die Börse brachten, hat die Aktie ihren Wert mehr als versechsfacht. Nach gerade einmal drei Jahren am Finanzmarkt ist Google den Anlegern 200 Milliarden Dollar wert. Das ist mehr als jedes Dax-Unternehmen.

Gelddruckmaschine für Investoren

Doch Google macht satte Gewinne, das zählt. Gerade erst hat das Unternehmen die Erwartungen wieder übertroffen. Im dritten Quartal 2007 präsentierte es einen Umsatz von 4,2 Milliarden Dollar und einen Gewinn von über einer Milliarde Dollar. Das treibt den Kurs.

Google ist eine Gelddruckmaschine für seine Investoren geworden. Damit hat kaum einer gerechnet, als die Suchmaschine Anfang des neuen Jahrtausends bekannt wurde, weil sie einfach besser war als die anderen. Damals herrschte im Silicon Valley Depression. Die Internetblase war geplatzt. Viele einst hochgelobte Startups scheiterten. Es hieß, im Internet könne man kein Geld verdienen.

Brin und Page, die sich als Studenten der Universität Stanford kennengelernt hatten, kümmerten sich nicht darum. Sie wussten es besser. Das war schon bei der Entwicklung der Suchmaschine Ende der neunziger Jahre so gewesen. Page hatte die Idee, in der Suche diejenigen Seiten weit oben zu plazieren, die möglichst oft auf anderen Seiten verlinkt worden waren. Ein simpler Einfall, der - zu einem komplizierten Algorithmus verarbeitet - die Suche im Internet revolutioniert hat.

Der Online-Werbemarkt wächst rasant

Im neuen Jahrtausend wussten Brin und Page es wieder besser. Sie wussten, wie sie mit ihrem Unternehmen Geld verdienen konnten. Die Säule der Finanzierung sind Textanzeigen. Wer Google benutzt, findet sie entweder über seinen Suchresultaten oder in einem Kasten rechts daneben. Der Trick: Es werden nur Anzeigen gezeigt, die zum Suchwort passen. Außerdem müssen die Unternehmen nur zahlen, wenn ihre Anzeigen auch angeklickt werden. Noch heute macht Google damit fast zwei Drittel seines Umsatzes.

Den Rest verdient das Unternehmen, indem es Anzeigen an andere Nutzer weiterreicht. Wer etwa einen Blog hat, bekommt von Google dafür die passenden Anzeigen. Der Erlös wird geteilt. Mit diesem Geschäftsmodell haben Brin und Page zahlreiche wichtige Internetseiten zu ihren Partnern gemacht - von der Zeitung „New York Times“ bis zum Internetanbieter AOL. Sie kontrollieren einen Großteil des wachsenden Online-Werbemarkts. Und sie haben den neuen Aufschwung des Internets befeuert, weil sie die Finanzierung erleichtert haben.

Heute ist Google reich, mächtig, ehrgeizig - und gilt trotzdem als jung, hip und unangepasst. Das liegt vor allem daran, dass es ständig neue Dienste anbietet, die natürlich kostenlos sind und von den Nutzern liebend gern ausprobiert werden. Viele dieser Ideen werden nie einem größeren Publikum bekannt, andere treffen genau die Wünsche der Menschen. Zum Beispiel die Satellitenbilder von Google Earth oder Google Maps, eine Mischung aus interaktivem Stadtplan und Routenplaner.

Microsoft sieht Google als seinen ärgsten Konkurrenten

Seit neuestem versucht sich Google sogar darin, Programme zur Textverarbeitung und Tabellenkalkulation im Internet anzubieten. Außerdem will das Unternehmen mit Google Health eine persönliche Krankenakte im Internet schaffen und plant, ganze Bibliotheken von Büchern ins Netz zu stellen.

Diese Ideen bringen Google bisher kaum Geld. Doch sie zeigen den Willen zum Wachstum und verunsichern die Konkurrenz. Längst sieht der Software-Riese Microsoft Google als einen seiner ärgsten Konkurrenten. Die Google-Gründer dagegen beharren darauf, Google sei kein normales Unternehmen. Sie vergleichen es lieber mit einem Kind, das seit dem Börsengang 2004 die Grundschule besucht. Sie wollen es sicher noch bis zum Doktortitel führen.

Googles Suchmaschine

Der Clou an Googles Suche ist: Der wichtigste Treffer steht oben. Das haben die Vorgänger nicht geschafft. Die Wichtigkeit einer Website bemisst sich an der Anzahl von Links, die auf diese Seite verweisen. Dabei wird berücksichtigt, wie oft die verweisenden Seiten selbst verlinkt sind. Dies ist das Prinzip des Algorithmus "Pagerank", dessen Patent die Alma Mater der Google-Gründer hält, die Stanford University. Die genaue Formel ist so geheim wie das Rezept von Coca-Cola. Pagerank wurde weiter verfeinert. Zum Beispiel fließt die Qualität der verweisenden Websites ein, indem geprüft wird, wie viel ihr Inhalt mit dem eigentlich zu bewertenden Treffer zu tun hat. UvR

Googles Geldmaschine

Der Clou an Googles Werbekonzept ist: Die Anzeigenplätze werden nicht einfach verkauft. Sie werden versteigert - für Preise von 40 Cent bis 11 Euro pro Klick, abhängig vom Suchbegriff, zu dem die Anzeige eingeblendet werden soll. Die Höhe des Gebots ist nicht das einzige Kriterium dafür, welche Anzeige an welchem Platz erscheint. Google hat eine Formel entwickelt, in die auch eingeht, wie oft die Nutzer auf die Anzeige klicken und wie gut Google die beworbene Website findet. Je mehr Punkte, desto prominenter wird die Anzeige plaziert. Auf diese Weise erhöht Google die Klicks und damit seinen Umsatz - und stellt sicher, dass die Werbung den Nutzern gefällt.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 21.10.2007, Nr. 42 / Seite 33
Bildmaterial: F.A.Z., REUTERS

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