Von Johannes Winkelhage und Roland Lindner
10. Juni 2008 Das Echo war wieder einmal riesig. Steve Jobs, der Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Apple-Konzerns, hatte kaum die neue Version seines Multifunktions-Handys iPhone vorgestellt, und schon füllten sich die Internetforen mit Kommentaren. Freunde und Feinde von Apple lieferten sich leidenschaftliche Diskussionen, genauso wie dies immer geschieht, wenn das Unternehmen ein neues Produkt auf den Markt bringt.
Besser und billiger - das verspricht Apple mit der zweiten Generation des iPhone. Das erste iPhone hat Apple vor knapp einem Jahr auf den Markt gebracht. Kein anderes neues Produkt hat im vergangenen Jahr eine ähnliche Hysterie ausgelöst. Apple hat seither sechs Millionen Exemplare verkauft, nach Ansicht von Analysten eine stattliche, wenn auch nicht spektakuläre Zahl. Mit der zweiten Generation will Apple das iPhone endgültig zu einem Massenprodukt machen - und sein Ziel erreichen, in diesem Jahr zehn Millionen Geräte abzusetzen. Dazu verabschiedet sich Apple aber gleichzeitig von seinem Anspruch der Einzigartigkeit: Steve Jobs nahm sich mit dem iPhone vor, das Geschäftsmodell der Mobilfunkindustrie auf den Kopf zu stellen, weil er es für ein so außergewöhnliches Produkt hielt. Das iPhone wurde ohne die branchenüblichen Subventionen zu einem hohen Preis an die Verbraucher verkauft, und Apple bekam von den Mobilfunkbetreibern einen Anteil an den monatlichen Handy-Gebühren.
Verkaufspreis wird radikal gesenkt
Das wird sich nun ändern: In Amerika wird der Verkaufspreis für das iPhone von 399 auf 199 Dollar gesenkt. Dieser Preis gilt für das Modell mit einer Speicherkapazität von 8 Gigabyte, beim iPhone mit 16 Gigabyte sinkt der Preis von 499 auf 299 Dollar. Apple bekommt in Amerika und den meisten anderen Ländern von den Mobilfunkbetreibern nur noch vorab eine Einmalzahlung für das Gerät, aber keine Beteiligung an den monatlichen Gebühren mehr. Schätzungen für diesen an Apple zu zahlenden Preis liegen bei 499 Dollar. Das hieße, der neue Abgabepreis wäre erheblich subventioniert.
Aus Verbrauchersicht wird der Anschaffungspreis zwar dramatisch sinken, aber es gibt einen Haken: Die monatlichen Gebühren für Multimediadienste steigen von 20 auf 30 Dollar - das heißt die Ersparnis beim Kaufpreis wäre in weniger als zwei Jahren aufgebraucht.
iPhone gilt in Deutschland nicht als spektakulärer Erfolg
Der Ehrgeiz, das iPhone zu einem Massenprodukt zu machen, zeigt sich auch an der Auslandsstrategie. Es ist bisher nur in sechs Ländern erhältlich. Die neue Version soll am 11. Juli auf einen Schlag in 22 Ländern verfügbar sein. Noch im Lauf dieses Jahres sollen es 70 Länder werden. In Deutschland kommt das neue iPhone ebenfalls am 11. Juli auf den Markt. Wie bisher soll das Gerät exklusiv von T-Mobile vertrieben werden. Der Preis steht nach Angaben von T-Mobile noch nicht fest.
Das iPhone gilt in Deutschland nicht als spektakulärer Erfolg, nach Angaben von T-Mobile sind seit dem Verkaufsstart im vergangenen November rund 100.000 Exemplare abgesetzt worden. Archibald Horlitz, der Gründer der deutschen Apple-Handelskette Gravis, erklärt sich dies damit, dass Deutsche weniger technologiebegeistert seien als Amerikaner. Außerdem habe der hohe Preis die Deutschen vom Kauf abgehalten. Er meint aber, dies werde sich mit dem neuen Modell ändern: Die iPhone-Ära beginnt jetzt erst richtig.
Ernsthafter Wettbewerber im Markt für multimediafähige Handys
Dafür werde auch die bessere Ausstattung sorgen. Das neue iPhone erlaubt schnellen Datenverkehr mit Hilfe der UMTS-Variante HSDPA. Bisher galt eine langsame Internetverbindung als der größte Schwachpunkt des Geräts. Daneben ermöglicht das neue iPhone Navigation über GPS sowie den Abgleich von E-Mail und Kalender über Microsoft Exchange. Damit kommt Apple freilich jetzt erst dort an, wo andere Hersteller längst sind. Wettbewerber wie Nokia, der Blackberry-Hersteller Research in Motion oder der Auftragsfertiger HTC haben längst Geräte mit diesen Funktionen. Nokias N95 oder der HTC Cruise sind ebensolche Minicomputer wie das iPhone und der Blackberry Curve. Hier geht Apple nicht voran sondern schließt vielmehr eine Lücke.
Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass Apple jetzt zu einem ernsthaften Wettbewerber im Markt für die multimediafähigen Handys wird. Diese sogenannten Smartphones gehören zu den am schnellsten wachsenden Teilen des Handymarktes. Nach Berechnungen des Marktforschungsunternehmens Gartner hat der Absatz dieser Geräte im ersten Quartal 2008 um 29 Prozent zugelegt, während der gesamte Handymarkt nur auf ein Plus von 14 Prozent kam. Insgesamt gingen etwas mehr als 32 Millionen der multimediafähigen Geräte über den Ladentisch.
Rasieraufsatz, Laserpointer oder Geigerzähler
Nervös könnte nun der Marktführer Nokia werden, der einen Anteil von 45 Prozent am Smartphonemarkt hat. Die bessere Ausstattung des iPhone richtet sich aber vor allem gegen Blackberry - dem erklärten Lieblingsspielzeug der Geschäftskunden. Apple hat in den Vereinigten Staaten schon einen Marktanteil von 20 Prozent - international liegt er bei 5,3 Prozent. Die zweite Generation des iPhone erlaubt es Unternehmen nun, das Gerät über gesicherte Verbindungen in ihre Netze einzubinden und dort vor allem E-Mail empfangen zu können - das war bisher die Domäne des Blackberry.
Für viele Nutzer steht indessen schon fest, dass sie das Gerät haben müssen - und sie halten sich auch mit Vorschlägen zur weiteren Verbesserung nicht zurück. Unter den Kommentaren im Internet findet sich entsprechend eine stetig wachsende, wenn auch nicht immer ganz ernst gemeinte Wunschliste mit möglichen weiteren Funktionen des iPhone. Darunter sind: Ein Rasieraufsatz und ein eingebauter Laser-Pointer, ein Blitzanlagenwarner sowie ein RFID-Störsender und ein Geigerzähler - man weiß ja nie wann man so etwas braucht.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, F.A.Z.-Gartner, REUTERS
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