16. Mai 2006 Der Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, Wolfgang Storz, ist am Dienstag mit sofortiger Wirkung
von seinem Posten abberufen worden. Sein Nachfolger an der Spitze des linksliberalen Blatts soll spätestens zum 1. Juli der bisherige Chefredakteur der Berliner Zeitung, Uwe Vorkötter, werden.
Dies teilte der Geschäftsführer der DDVG, Jens Berendsen, mit. Die der SPD gehörende Medienholding DDVG hatte im Frühjahr 2004 die damals finanziell schwer angeschlagene FR zu 90 Prozent übernommen.
Bis zum Wechsel von Vorkötter, der spätestens am 1. Juli von der Spree an den Main wechseln soll, sollen Axel Bernatzki und Richard Meng kommissarisch als Chefredakteure fungieren. Die Beteiligten haben den Angaben zufolge vereinbart, keine weiteren Erklärungen abzugeben.
Berliner Betriebsrat fürchtet Personalabbau
Nach der Bekanntgabe von Vorkötters Ausscheiden befürchtet der Betriebsrat des Berliner Verlages nun einen massiven Personalabbau. Mit Vorkötter verliere die Redaktion einen Hauptgaranten zum Erhalt der publizistischen Unabhängigkeit und Qualität des Blattes, sagte der Betriebsrat am Dienstag.
Der Betriebsrat forderte die Verlagseigentümer um den Briten David Montgomery und die amerikanische Investmentfirma Veronis Suhler Stevenson (VSS) sowie Aufsichtsratsmitglied Gerd Schulte-Hillen auf, den Personalbestand zu sichern. Vorkötters Nachfolger müsse den Qualitätsjournalismus in den Mittelpunkt stellen. Angesichts der Nachfolgefrage sollte die Geschäftsführung des Berliner Verlages ein Redaktionsstatut unterzeichnen. Die Mitbestimmungsrechte der Redaktion bei der Besetzung des Chefredakteurs sind jetzt besonders wichtig, erklärte die Betriebsratsvorsitzende Renate Gensch.
Vorkötter und die Mitarbeiter des Berliner Verlages hatten gegen die Übernahme durch die Investoren protestiert. Im Januar 2006 hatte die Gruppe auch die Hamburger Morgenpost gekauft und weitere Zeitungsübernahmen in Deutschland angekündigt.
Text: FAZ.NET mit dpa und AP
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