16. Juli 2007 Dem Münchner Fernsehkonzern Pro Sieben Sat.1 drohen medienrechtliche Sanktionen wegen seines Sparkurses. Es kann nicht sein, dass das Programm baden geht, um die Renditeziele der Eigentümer zu erreichen“, sagte Manfred Helmes, der Direktor der Landesanstalt für Medien und Kommunikation (LMK) in Rheinland-Pfalz, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Wir werden uns das sehr genau anschauen“, kündigte Helmes an, dessen Behörde die Sendelizenz für den Hauptsender Sat.1 vergeben hat und die Einhaltung der daran geknüpften Auflagen überwacht.
Am Wochenende war bekanntgeworden, dass die neuen Eigentümer von Pro Sieben Sat.1 unter anderem im Nachrichtenprogramm von Sat.1 erhebliche Kürzungen planen. Nun verlautete aus gut informierten Kreisen, dass außerdem konzernweit 180 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen. 100 der Stellen würden in Berlin und die übrigen 80 in München abgebaut, verlautete am Dienstag aus Unternehmenskreisen. Pro-Sieben-Sat.1-Chef Guillaume de Posch hat bestätigt, Stellen im Zuge der Übernahme der Sendergruppe
SBS abzubauen. Zahlen nannte de Posch in seiner Rede bei der Hauptversammlung am Dienstag laut Redetext jedoch nicht.
Aus für zwei Boulevard-Magazine
Ein Teil des Jobabbaus ergebe sich aus dem Aus für die beiden Boulevard-Magazine Sat.1 am Mittag und Sat.1 am Abend, die am Montag letztmals ausgestrahlt worden seien. Die Maßnahmen haben nichts mit den neuen Eigentümern KKR und Permira zu tun, hieß es. Vielmehr gebe es seit längerem Überlegungen zu
Kostenoptimierungen, beispielsweise beim Sender Sat.1.
Der größte deutsche Privatfernsehkonzern ist Ende 2006 an die Finanzinvestoren Permira und KKR verkauft worden. Sie wollen vor allem mit Kostenkürzungen und Stellenstreichungen die Rendite der Sendergruppe steigern. Sat.1 leidet seit längerem unter sinkenden Einschaltquoten.
Geschäfte der Eigentümer zu intransparent
Medienaufseher Helmes warnte vor den möglichen Folgen des Sparkurses. Wenn Sat.1 die Anforderungen an ein Vollprogramm nicht mehr erfüllt, müssen wir über die Konsequenzen nachdenken“, sagte er. Falls der Sender den medienrechtlichen Status eines Vollprogramms verliere, könnte beispielsweise die bislang vorrangige Einspeisung des Programms ins analoge Kabelfernsehen wegfallen, sagte Helmes.
Den Medienaufsehern sind die Geschäfte der neuen Eigentümer von Pro Sieben Sat.1 zudem zu intransparent. Die 14 deutschen Landesmedienanstalten, welche für die Aufsicht über die deutschen Privatsender zuständig sind, haben deshalb eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit dem zunehmenden Einfluss von Finanzinvestoren im Fernsehmarkt befasst.
Vertikale Integration wäre bedenklich
Wir kennen zwar die Namen von Private-Equity-Gesellschaften wie Permira und KKR, aber letztlich sind das nur Etiketten, weil wir nicht wissen, welche Investoren hinter diesen Fonds stehen“, kritisierte Reinhold Albert, der Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM).
Neben Pro Sieben Sat.1 werden auch große deutsche Fernsehkabelnetz-Betreiber wie Kabel Deutschland (KDG) und Unity Media von Finanzinvestoren kontrolliert. Theoretisch ist es denkbar, dass etwa Pro Sieben Sat.1 und KDG von denselben Investoren kontrolliert werden“, sagt Albert. Medienrechtlich wäre eine solche vertikale Integration zwischen Inhalteanbietern und Netzbetreibern jedoch bedenklich. Die Medienanstalten wollen in einem Gutachten diese Problematik untersuchen lassen.
Text: F.A.Z., 17. Juli 2007
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa
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