Funkausstellung

Vom Röhren-Rundfunk zur Digitaltechnik

Der kleinste Fernseher der Welt (1963)

Der kleinste Fernseher der Welt (1963)

01. September 2005 Vom klobigen Röhren-Rundfunkempfänger zum schlanken TV-Gerät an der Wand: Die Geschichte der Internationalen Funkausstellung (IFA) ist ein Abbild der Entwicklung in der Unterhaltungselektronik.

Was in den Anfängen der Rundfunktechnik als wuchtiges Möbel in Wohnzimmer stand und einige Monatseinkommen kostete, ist nun für jeden erschwinglich, in der Hosentasche tragbar oder als Maxiformat schmückendes TV-Bild an der Wand. Während früher nur alle zwei Jahre Neuheiten einer neugierigen und staunenden Öffentlichkeit präsentiert wurden, ist heute die Schnellebigkeit technischer Entwicklung für die Konsumenten kaum noch nachvollziehbar.

Auch die CD ist eine IFA-Neuheit

Vorgänger des Siliziumchips: Transistoren (1957)

Vorgänger des Siliziumchips: Transistoren (1957)

In Geschäften für Unterhaltungselektronik werden laut Branchenangaben mehr als 24.000 Produkte angeboten. Und jedes Jahr kommen inklusive IT-Technik über 10.000 Neuerungen auf den Markt, berichtet der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende der Gesellschaft für Unterhaltungselektronik (gfu), Rainer Hecker.

Der Geschichtskatalog der IFA-Neuheiten ist lang. Mit Transistoren gelang 1955 ein entscheidender Entwicklungssprung, mit der CD gab es deutliche Fortschritte bei der Musikwiedergabe. Bei der Einführung des Videorecorders Mitte der 70er Jahre wurden auch neue Perspektiven eröffnet. Die Funkausstellung 2005 wird die endgültige Ablösung der analogen Technik durch digitale Technologien bringen, lautet die Prognose.

Anfangs fehlten Glanz und Glamour

Volksempfänger: Die Nazis stellten 1933 auf der IFA das Einheitsradio vor

Volksempfänger: Die Nazis stellten 1933 auf der IFA das Einheitsradio vor

Die Funkausstellung, nach Angaben der Messe Berlin neben der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt/Main die älteste deutsche Industriemesse, hat sich in den 81 Jahren ihrer Geschichte zu einem Milliarden-Markt mit weltweiter Geltung entwickelt.

Bei der ersten Auflage 1924 steckte die Rundfunk-Industrie in den Anfängen. Bei der „Großen Deutsche Funkausstellung“ fehlten jeglicher Glanz und Glamour. 242 Aussteller präsentierten Detektor-Geräte, Röhren-Rundfunkempfang und Kopfhörer.

Die Nazis nutzten die Bühne

Per Knopfdruck zum Farbfernsehen: Willy Brandt (1967)

Per Knopfdruck zum Farbfernsehen: Willy Brandt (1967)

1933 nutzten die Nationalsozialisten die Messe zur Vorstellung des Einheitsradios. Für die Propaganda der Nazis spielte der so genannte Volksempfänger eine große Rolle. Von später 700.000 Volksempfängern aus schwarzem Bakelit wurden allein 100.000 Stück in den ersten Messetagen verkauft, berichteten Chronisten.

Die Funkausstellung war von Anfang an eine Bühne für besondere Anlässe. 1926 wurde das Berliner Wahrzeichen Funkturm der Bestimmung übergeben, und es gab die erste Live-Rundfunksendung vom Messegelände. 1930 eröffnete Nobelpreisträger Albert Einstein die Messe.

Von der IFA unter den Weihnachtsbaum

1967 startete der damalige Vizekanzler und spätere Bundeskanzler Willy Brandt mit einem symbolischen Knopfdruck das Farbfernsehen in Deutschland. Ab 1950 ging die Funkausstellung auf Wanderschaft. Über die Stationen Düsseldorf, Frankfurt/Main und Stuttgart kam sie 1971 endgültig zurück nach Berlin.

Seitdem firmiert sie als Internationale Messe und gilt als Termin für weltweite Neuheiten. Was auf der IFA im Herbst vorgestellt wird, liegt häufig rund um den Globus als Präsent unter dem Weihnachtsbaum.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa

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