03. Februar 2008 Ein schöneres Kompliment hat der amerikanische Internetkonzern Google wohl noch nie bekommen. Der Softwaregigant Microsoft hat es nach Jahren vergeblicher Aufholversuche aufgegeben, mit eigenen Kräften gegen Google zu gewinnen, und greift zum (erlaubten) Dopingmittel: Fast 45 Milliarden Dollar will Microsoft für den Wettbewerber Yahoo zahlen. Das ist selbst für den kapitalkräftigen Konzern ein gewaltiger Brocken. Das Angebot ist feindlich, was unterstreicht, dass Microsoft sich Yahoo unbedingt einverleiben will.
Microsoft hat in den vergangenen Jahren Milliardenbeträge investiert, um eine ernstzunehmende Größe neben Google im Internet zu werden. So hatte es Microsoft früher immer wieder geschafft, Wettbewerber mit seiner Finanzgewalt und mit Ellbogeneinsatz aus dem Markt zu drängen. Bestes Beispiel ist das Internetzugangsprogramm Netscape, das Microsoft mit seinem Produkt Explorer ausgeschaltet hat. An Google aber hat sich Microsoft die Zähne ausgebissen. Mit seinem konfusen Bauchladen an Internetdiensten wie MSN, Live oder Hotmail steht Microsoft auf verlorenem Posten.
Kann Yahoo Microsoft nach vorn bringen?
Google hat innerhalb weniger Jahre eine dominierende Stellung im Internet erobert und ehemals viel größere Wettbewerber wie Yahoo oder AOL abgehängt. Heute googelt die Welt. Für die Informationssuche im Internet ist Google die bevorzugte Adresse. Diese Erfolgsgeschichte ist beeindruckend. Noch erstaunlicher ist, wie Google es geschafft hat, daraus eine Goldgrube zu machen, ohne von den Nutzern auch nur einen Cent zu verlangen. Geld verdient Google mit Anzeigen, die neben die Suchergebnisse gestellt werden. Das Google-Programm wählt dabei treffsicher Werbung aus, die zu den Interessen der Nutzer passt. Das sorgt für viele Klicks, und jeder Klick lässt die Kassen von Google klingeln.
Es ist nichts Ehrenrühriges für ein Unternehmen, zum Mittel einer Akquisition zu greifen, selbst wenn es dem Eingeständnis der Kapitulation vor einem uneinholbaren Konkurrenten gleichkommt. Auch Google hat vor gut einem Jahr für einen Milliardenbetrag die Videoseite Youtube gekauft, weil ein selbst entwickelter Videodienst erfolglos blieb. Die entscheidende Frage ist, ob Yahoo der Partner ist, der Microsoft nach vorn bringen kann. Sicher würde Microsoft mit Yahoo aus dem Stand eine stärkere Position im Online-Werbemarkt erobern, auch wenn unklar ist, wie die Angebote zusammengeführt werden und welche Marken weiter bestehen sollen. Microsoft darf auch auf die Unterstützung von Werbekunden hoffen, die sich ein Gegengewicht zu Google wünschen.
Genug Anlass zu Skepsis
Dennoch sind Zweifel angebracht: Yahoo ist von seinen früheren Glanztagen als eine der ersten großen Erfolgsgeschichten im Internet weit entfernt. Die mit Informationen und Angeboten vollgepackte Seite von Yahoo mag bis heute für viele Nutzer eine beliebte Anlaufstelle im Internet sein. Aber Yahoo tut sich schwer damit, diese Popularität in Umsätze umzumünzen. Das Ergebnis: Yahoo ist heute ein wachstumsschwaches Unternehmen.
Microsoft und Yahoo, das wäre also die Kombination zweier schwacher Partner im Internetmarkt. Und es gibt genug Anlass zu Skepsis, ob der Zusammenschluss - wenn er denn zustande kommt und die kartellrechtliche Freigabe erhält - den beiden Konzernen hilft: Warum sollte sich Yahoo unter der Führung eines Unternehmens besser entwickeln, das selbst im Internet nicht vorankommt? Nicht zu unterschätzen sind auch die absehbaren Schwierigkeiten der Integration. Nach dem Zusammenschluss des Internetdienstes AOL und des Medienkonzerns Time Warner zu Beginn des Jahrzehnts brachen regelrechte Kulturkämpfe aus, die den kombinierten Konzern lähmten.
Microsoft muss sein eigenes Revier verteidigen
Aber weder Microsoft noch Yahoo können es sich leisten, die Chancen, die sich aus einer Fusion ergeben, nicht zu nutzen. Für Microsoft steht viel mehr auf dem Spiel als nur das Geschäft mit Online-Werbung. Der Softwarekonzern muss zunehmend auch sein eigenes Revier verteidigen. Google bringt immer mehr Programme auf den Markt, die den größten Geldquellen von Microsoft wie der Bürosoftware Office oder dem Betriebssystem Windows Konkurrenz machen. Auf längere Sicht könnte das zu einer ernsthaften Bedrohung werden, zumal Google den Weltmarktführer auf diesem Terrain mit einem völlig anderen Geschäftsmodell attackiert. Google vertreibt seine Programme über das Internet und zumeist kostenlos. Microsoft dagegen lebt davon, dass Software gegen Gebühr fest auf Computern installiert wird.
Auch jenseits von Google wird der Wettbewerb härter. Eine neue Generation von Internetunternehmen wie Myspace oder Facebook strebt danach, ein größeres Stück vom Online-Werbemarkt abzubekommen - und stellt die Relevanz von Portalen wie Yahoo grundsätzlich in Frage. Microsoft und Yahoo stehen beide unter Handlungsdruck. Ein Zusammenschluss könnte ein Befreiungsschlag sein, auch wenn er aus der Defensive geboren wäre.
Text: F.A.Z., 04.02.2008, Nr. 29 / Seite 1
Bildmaterial: AP
Kommentar: Karstadt und der Plan ![]()
Röttgen und Brüderle: Die Energieminister
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.668,35 | +0,98% |
| TecDAX | 760,46 | +1,02% |
| MDAX | 7.282,47 | +1,34% |
| SDAX | 3.484,15 | −0,02% |
| REX | 373,56 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.881,01 | +0,86% |
| Dow Jones | 10.286,50 | +0,39% |
| Nasdaq 100 | 1.780,70 | +0,42% |
| S&P500 | 1.093,01 | −0,01% |
| Nikkei225 | 9.871,68 | +0,01% |
| EUR/USD | 1,4981 | −0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 77,93 $ | +0,55% |
| Gold | 1.101,50 $ | −0,63% |
| Bund Future | 121,59 € | +0,07% |