08. September 2006 Der Online-Einzelhändler Amazon.com steigt in den Vereinigten Staaten mit einem neuen Angebot zum Herunterladen von Filmen und Fernsehsendungen ins TV-Geschäft ein. Tausende TV-Shows und Filme von über 30 Filmstudios und Fernsehsendern stünden den Kunden zur Verfügung, teilte Amazon am Donnerstag in Seattle mit.
Damit ist das Internet-Unternehmen dem Computerkonzern Apple zuvor gekommen, der nach Einschätzung von Branchenbeobachtern in der kommenden Woche ein ähnliches Film-Download-Angebot ins Netz stellen will.
Auch auf tragbaren Geräten nutzbar
Die Unterhaltungssendungen sollen unter Amazon Unbox 1,99 Dollar pro Folge kosten. Der Preis pro Film liege zwischen 7,99 und 14,99 Dollar, wobei die Filme für 3,99 Dollar auch gemietet werden können. Das Angebot soll auf jedem internetfähigen, mit dem Betriebssystem Windows XP ausgestatteten PC genutzt werden können.
Zum Ansehen der Filme bietet das Unternehmen die Abspielsoftware Unbox zum Herunterladen an. Die Filme sollen auch auf tragbaren Abspielgeräten mit Microsofts Windows Media Player-Software nutzbar sein.
Bislang bietet Amazon bereits einen Film-Verleihservice an. Hier können Kunden zum Festpreis eine bestimmte Anzahl von DVDs pro Monat abonnieren. Bei Zurückschicken der Filme erhalten die Abonnenten automatisch neue DVDs.
Nur fünf Minuten Download-Zeit
Amazon verspricht für den neuen Download-Service hohe Ladegeschwindigkeiten, sodaß Filme dank eines speziellen Verfahrens bereits fünf Minuten nach dem Kauf angesehen werden können. Die lange Zeit des Herunterladens für einen Spielfilm war bisher einer der wichtigen Gründe, warum das Online-Filmgeschäft eher ein Schattendasein geführt hat.
Nun erhoffen sich die eingebundenen Filmstudios und TV-Sender von der Zusammenarbeit mit Amazon eine deutliche Beschleunigung des Online-Geschäfts.
Amazon ist Apple zuvorgekommen
Apple wird voraussichtlich am kommenden Dienstag einen ganz ähnlichen Service über seine Plattform iTunes ankündigen. Apple-Gründer Steve Jobs ist mit rund sieben Prozent am Filmstudio Walt Disney Pictures beteiligt und damit größter Einzelaktionär. Entsprechend gehört Disney nicht zu den Kooperationspartnern von Amazon.
Über die Unbox sollen Inhalte von sechs Hollywood-Studios - darunter etwa 20th Century Fox oder Warner Bros. - erhältlich sein. Ebenso könnten Kunden auf Sendungen von Fernsehsendern wie Fox, CBS oder des Kabelkanals Comedy Central zugreifen. Bereits seit Monaten war über einen Download-Service von Amazon spekuliert worden. Damit könnte das Internet-Unternehmen nach Ansicht von Analysten von höheren Gewinnmargen bei digitalen Downloads profitieren. Zuletzt hatte die Nummer zwei der Internet-Einzelhändler nach eBay einen deutlichen Gewinneinbruch verzeichnet und seine Jahresprognose gesenkt.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa und Reuters
Bildmaterial: dpa
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