Chronik

Der Kampf um die Hauptstadtzeitungen

25. Oktober 2005 Der Poker um die Neuordnung des Zeitungsmarkts in Berlin zog sich mehrere Jahre hin. Wir dokumentieren einige wichtige Stationen bis zum Verkauf der „Berliner Zeitung“ durch die Verlagsgruppe Holtzbrinck.

1945: Die „Berliner Zeitung“ wird am 20. Juni in den Trümmern Berlins als Blatt der ersten Stunde gegründet. 1953 wird der Berliner Verlag zum Eigentum der DDR-Staatspartei SED.

1990: Nach dem Mauerfall werden je 50 Prozent der Anteile an den britischen Verleger Robert Maxwell und Gruner+Jahr verkauft.

2002: Gruner+Jahr, unterdessen Alleineigentümer, kündigt am 26. Juni an, die „Berliner Zeitung“ und den „Berliner Kurier“ an die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck zu verkaufen. Der Verlag wechselt für geschätzte 160 Millionen Euro den Besitzer. Am 22. November stoppt das Bundeskartellamt den Verkauf. Da Holtzbrinck schon der „Tagesspiegel“ gehört, drohe die Gruppe den Markt der Berliner Abonnementszeitungen zu beherrschen.

14. Januar 2003: Holtzbrinck beantragt eine Ministererlaubnis, um trotz Vetos des Bundeskartellamts die „Berliner Zeitung“ übernehmen zu können.

22. April: Die Holtzbrinck-Gruppe fordert bei einer Anhörung erneut eine Ministererlaubnis für den Kauf und kündigt andernfalls die Schließung des „Tagesspiegels“ an. Der Springer Verlag will hingegen „Welt“ und „Berliner Morgenpost“ einstellen, falls Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement dem Holtzbrinck-Geschäft zustimmt.

11. Mai: Die Entscheidung über eine Ministererlaubnis wird verschoben.

12. Mai: Holtzbrinck sucht auf Geheiß des Bundeswirtschaftsministeriums einen Käufer für den „Tagesspiegel“. Vorher will Clement nicht über den Antrag der Stuttgarter Verlagsgruppe entscheiden.

23. Juli: Der Poker um den Verkauf des „Tagesspiegels“ geht weiter. Clement setzt eine weitere öffentliche Verhandlung an.

1. September: Die Monopolkommission lehnt einen Zusammenschluß von „Tagesspiegel“ und „Berliner Zeitung“ weiterhin ab. Eine Woche vor einer neuen Anhörung bei Clement bekräftigt die Kommission ihre Empfehlung, den Antrag auf eine Ministererlaubnis abzulehnen.

8. September: Der Bauer-Verlag bekräftigt sein Angebot für den „Tagesspiegel“. 20 Millionen Euro bietet Verleger Heinz Bauer in der mündlichen Anhörung zur Erteilung einer Ministererlaubnis für das Blatt.

29. September: Die Verlagsgruppe Holtzbrinck verkauft den „Tagesspiegel“ an ihren früheren Manager Pierre Gerckens.

4. Februar 2004: Das Bundeskartellamt untersagt zum zweiten Mal der Holtzbrinck-Gruppe die Übernahme des Berliner Verlages.

15. April: Die Wettbewerbshüter sprechen sich gegen den Zusammenschluß der zum Holtzbrinck-Konzern gehörenden „Lausitzer Rundschau“ in Cottbus mit dem „Wochenkurier“ in Elsterheide/Bergen aus.

6. Dezember: Die Verlagsgruppe Holtzbrinck legt vor dem Bundesgerichtshof Rechtsbeschwerde gegen die Entscheidung des Bundeskartellamtes wegen der Übernahme der „Berliner Zeitung“ ein.

2005: Anfang Oktober werden die Verhandlungen Holtzbrincks zum Verkauf an einen Finanzinvestor bekannt. Ein für den 18. Oktober anberaumter Termin vor dem Bundesgerichtshof wird wegen der laufenden Verhandlungen auf Wunsch von Holtzbrinck aufgehoben. Die Verkaufsverhandlungen werden von Protesten der Mitarbeiter, von Lesern und Prominenten begleitet.

Am 25. Oktober ist der umstrittene Verkauf des Verlages an eine britisch-amerikanische Investorengruppe perfekt. Neue Eigentümer werden die amerikanische Investorengruppe VSS und die britische Mecom-Gruppe. Den Kaufpreis, den die britische Zeitung „Independent“ am selben Tag mit 100 Millionen Pfund (147,6 Mio Euro) bezifferte, wurde offiziell zunächst nicht bestätigt.

Text: FAZ.NET mit Material von AP/dpa

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