Internet

Heftiger Streit um "Pop-up-Blocker"

27. Oktober 2003 "Pop-up-Blocker" sind der neueste Schrei im Internet - und ein großes Ärgernis für die Online-Werbebranche. Diese Blocker verhindern, daß die meist mit Werbebotschaften gefüllten Zusatzfenster ("Pop-ups") auf dem Internetbildschirm erscheinen und sich dabei über die eigentlich aufgerufene Internet-Seite legen. Die Werbewirtschaft fürchtet inzwischen um ihre Geschäftsmodelle, da Pop-ups ein wichtiges Werbeinstrument im Internet sind.

Lange Zeit waren diese Blocker dem Großteil der Internetnutzer kaum bekannt, da sie nur in professionellen Internet-Browsern wie Mozilla und speziellen Filterprogrammen wie dem Webwasher eingesetzt wurden. Richtig populär sind diese Blocker erst mit der neuen AOL-Zugangssoftware 8.0 geworden. In der Werbung wird der Pop-up-Blocker im gleichen Atemzug mit einem Spam-Filter genannt, der unerwünschte, oft illegale Werbe-E-Mails herausfiltert.

Blocker-Technik auf dem Vormarsch bei großen Anbietern

„Wir stören uns vor allem an der AOL-Werbung, in der Pop-ups mit Spam gleichgesetzt werden", sagt Marcus Englert, Geschäftsführer von Sevenone Intermedia. Aufzuhalten scheinen die Blocker wohl nicht mehr zu sein, denn große Internet-Unternehmen wie Google oder Altavista bieten ihren Kunden diese Technik inzwischen ebenfalls an. Google-Nutzer können sich die Funktion mit Hilfe der "Google-Toolbar" mit wenigen Handgriffen in den Internet Explorer von Microsoft integrieren. Auch in den Browser von T-Online lassen sich Pop-up-Blocker wie Webwasher integrieren.

Die Online-Werbebranche läuft inzwischen Sturm gegen diese Blocker. "Durch das automatische Blockieren der Pop-up-Werbung (...) greifen Sie unmittelbar und nachhaltig in unsere Finanzierungsgrundlage ein“, beschwerte sich RTL New Media Anfang des Monats bei AOL. Sevenone Intermedia sieht in den Blockern eine Wettbewerbsverzerrung: "Die Wirksamkeit des "Pop-up-Blockers" ist insbesondere nur auf die Angebote Dritter ausgerichtet, die entsprechende Werbung von AOL - auch auf "fremden" Seiten" - bleibt weiterhin angezeigt", lautet der Vorwurf aus München.

Stan Laurent, Geschäftsführer von AOL Deutschland, ist anderer Meinung: "Uns geht es um Kundenschutz: Wenn sich der Nutzer entscheidet, daß er keine Pop-ups mehr sehen will, geben wir ihm dafür ein Instrument an die Hand." Laurent sieht sich im Recht: "Nervende Werbung ist schlechte Werbung. Nach unserer Auffassung kann ein Instrument, das Internetnutzer vor unerwünschter Werbung schützt, nicht unrechtmäßig sein." Martin Michel, Geschäftsführer des Vermarkters IP Newmedia, hält dagegen: "Grundsätzlich unterstützen wir das Thema ,Werbeverbesserung' im Internet. Die einseitige Verbannung gängiger Werbemittel durch einzelne Anbieter ist aber kontraproduktiv."

Text: ht., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.10.2003, Nr. 249 / Seite 21

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