20. August 2008 Ein Streit über den Ort der Verleihung des neuen deutschen Computerspielpreises überschattet den Beginn der Games Convention. Die hoch dotierte Auszeichnung, die im Auftrag der Bundesregierung 2009 erstmals vergeben wird, soll kulturell und pädagogisch wertvolle Spiele aus deutscher Produktion fördern. Dafür stellen Regierung und Spieleindustrie je 300.000 Euro zur Verfügung, Vorbild ist der Deutsche Filmpreis. Von den drei Städten, die sich um die Preisverleihung beworben haben, Berlin, München und Leipzig, soll Letztere die besten Aussichten haben.
Dem Vernehmen nach wollen Teile der Spieleindustrie die Ausrichtung aber nur dann nach Leipzig vergeben, wenn die Stadt künftig auf die Games Convention verzichtet. Hintergrund ist, dass der Branchenverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) den Vertrag mit der Messe Leipzig nicht verlängert hat und stattdessen 2009 eine neue Leistungsschau namens Games Com in Köln unterstützt. Die Leipziger werden aber vermutlich am Sonntag bekannt geben, im August 2009 trotzdem eine Games Convention zu veranstalten - ohne Unterstützung des BIU. Dann gäbe es zwei konkurrierende Veranstaltungen, was die Industrie verhindern möchte.
Bedenken gegen das favorisierte Leipzig
Der Ausschreibung gemäß hätte der Ort der Preisverleihung am 23. Juli bekannt gegeben werden sollen. Bis heute steht die Entscheidung aber aus, weil sowohl der BIU als auch das Büro des zuständigen Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Bernd Neumann (CDU), Bedenken gegen das eigentlich favorisierte Leipzig geäußert haben sollen. Auf einer Besprechung mit der Stadt brachten sie vor, dass die Preisverleihung darunter leiden könnte, wenn die Diskussion um die konkurrierenden Messen bis dahin nicht abgeschlossen sei.
In einer E-Mail an die Stadtverwaltung präzisierte BIU-Geschäftsführer Olaf Wolters, es gebe in der Branche massive Bedenken, den Deutschen Computerspielpreis nach Leipzig zu vergeben, bevor die Standortdiskussion im Interesse aller Beteiligten zu einem Ende gekommen ist. Man fürchte ein negatives mediales Umfeld im Frühjahr 2009 wegen etwaiger öffentlicher Auseinandersetzungen über die Vor- und Nachteile des Messestandortes Leipzig. Die Wahl Leipzigs als Ausrichter der Preisvergabe könnte die Diskussion um den geeigneten Veranstaltungsort der Spielemesse befeuern.
Das ist ein konstruierter Zusammenhang
Auch der Vertreter der Bundesregierung dringe darauf, so Wolters, dass die positiven Signale des Deutsche Computerspielpreises in keiner Weise in der Öffentlichkeit relativiert werden. Die E-Mail legt der Leipziger Messe deshalb nahe, auf der Abschlusspressekonferenz zur Games Convention den Verzicht auf weitere Messen zu erklären. Am Mittwoch sagte Wolters auf Nachfrage allerdings, es gebe keinerlei Unstimmigkeiten unter den Beteiligten und auch kein Junktim zwischen Branchenmesse und Preis.
Das ist ein konstruierter Zusammenhang, der so nicht besteht. Leipziger Messe, Stadt und Bundesregierung wollten sich dazu zunächst nicht äußern. Den Spielepreis hatte der Bundestag 2007 auf Betreiben des Deutschen Kulturrats beschlossen. Dem Rat gehört neuerdings auch der Verband der Computerspiele-Entwickler Game an. Er zählt zusammen mit dem BIU und dem Telekommunikations- und Medienverband Bitkom zu den Mitausrichtern des Deutschen Computerspielpreises.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP
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