09. Januar 2007 Als an diesem Montag die größte amerikanische Messe im Spielerparadies Las Vegas ihre Tore öffnete, gab es Grund zum Feiern. Die Consumer Electronic Show, kurz CES genannt, begeht in diesem Jahr ihren vierzigsten Geburtstag. Im Fokus der Messe steht in diesmal die Verbindung von Fernsehen, Video, Musik und Internet in ihren verschiedensten Varianten. Dazu gehören neben dem Fernsehen über das Internet (IPTV) auch Angebote für Video auf Bestellung oder andere Online-Dienste. Dabei erweist sich inzwischen auch das Auto als vollwertiges Mitglied der digitalen Familie. Mehr als 240 Aussteller werden sich dem Aspekt der mobilen Technik im Auto widmen.
Mit insgesamt 2700 Ausstellern auf rund 150.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche ist die CES zur größten amerikanischen Fachmesse mit jährlichem Rhythmus geworden und hat für die Vereinigten Staaten die Bedeutung, die in Deutschland die Cebit einnimmt. Anders als diese erstreckt sich die CES lediglich auf zwei Veranstaltungshallen - im Las Vegas Convention Center, wo das Herz der Messe schlägt, und in der Sands Expo and Convention Hall.
Deutsche Unternehmen nutzen die CES
Hier findet sich auch der größte Teil der mehr als zwanzig Techzones, in denen dem Besucher aktuelle Themen wie Home Entertainment, drahtlose Kommunikation, Automotive und Spiele vielfach herstellerübergreifend näher gebracht werden. Der Bereich Innovation Plus bietet Raum für über 100 internationale Aussteller, die Neuentwicklungen präsentieren. Unter ihnen befindet sich auch das Karlsruher Unternehmen Combots AG mit seiner Internet-Kommunikationsplattform, die sich noch im Beta-Stadium befindet.
Auch andere deutsche Unternehmen nutzen die CES, um auf eigenen oder Gemeinschaftsständen ihre Produkte einer internationalen Öffentlichkeit vorzuführen. So ist beispielsweise das Unternehmen Devolo aus Aachen auf vier Ständen als Unteraussteller vertreten und liegt mit dem Thema Powerline-Heimvernetzung - auf Deutsch ist dies der Datenverkehr über die Stromleitung - im Trend der Messe.
Speichertechniken für die wachsende Datenflut
Ob im Automobil oder daheim: Im Mittelpunkt des Interesses stehen Lösungen zur - vor allem drahtlosen - Vernetzung der Geräte untereinander, die möglichst sicher und anwenderfreundlich erfolgen soll, und Speichertechniken für die stetig wachsende Datenflut. So stellt zum Beispiel Hitachi eine neue Terrabyte-Festplatte (1000 Gigabyte) im gängigen 3,5-Zoll-Format vor. Bisher wurde das Festplattenangebot für den Heimanwender bei mehr als 500 Gigabyte Speicherkapazität recht dünn.
Unterhaltung und Spiele geben dabei auch für die großen Chiphersteller den Ton an: Intel und AMD messen hieran die Qualität ihrer Prozessoren und deren Architekturen. Selbst IBM nimmt nach langer Zeit der Abwesenheit wieder an der CES teil und zeigt in einem mehr als 300 Quadratmeter großen digitalen Heim unter anderem die Leistung ihrer in den maßgeblichen Spielekonsolen (Playstation 3, Nintendo Wii und Microsoft Xbox 360) verwendeten Chips.
Vom Video-Gerät bis zur E-Gitarre
Anders als die Cebit, die in einer tiefen Krise steckt, hat die CES in den vergangenen Jahren stetig zugelegt. Dies liegt einerseits am Gewicht, das die Unterhaltungselektronik im täglichen Leben gewinnt. Andererseits kam ihr auch das Verschwinden der herbstlichen Messe Comdex zugute. Da die Comdex in Las Vegas, einst Flaggschiff der amerikanischen Computerausstellungen, seit drei Jahren keine Plattform für PC- und Softwarehersteller mehr bietet, wanderten viele ihrer Aussteller mit ihren Ankündigungen vom November in den Januar. So erstreckt sich die Bandbreite der insgesamt 34 Produktkategorien auf alle Felder der Unterhaltungs- und Informationstechnik.
Neben den normalen Audio- und Video-Geräten - Lautsprecher gehören hier ebenso dazu wie E-Gitarren oder Fernsehmöbel - umfasst die Palette auch Autoelektronik, Digitalfotografie oder Haussicherheit. Und selbstverständlich schließt das Produktportfolio Computer-Hard- und -Software in allen gängigen Ausformungen und Umsetzungen ein, die das tägliche Leben vereinfachen und bereichern sollen.
Windows Vista im Mittlepunkt
So wundert es kaum, dass ein großer Teil des üppigen Microsoft-Standes in der Central Hall des Las Vegas Convention Center dem neuen Betriebssystem Windows Vista gewidmet ist, dessen internationale Markteinführung für den Endanwender für den 30. Januar geplant ist. Außerdem ist Windows Vista wie zu erwarten der Motor für viele Hard- und Softwarehersteller, die ihre neuen Produkte - beispielsweise Windows-Vista-Notebooks - ebenfalls auf der CES präsentieren.
Microsofts neue Bürosoftware Office 2007 hingegen wird kaum in Erscheinung treten. Als Anwendung für Geschäftskunden ist sie auf der Show für die Konsumentenprodukte auch eher fehl am Platze, und so dürfte der große internationale Messeauftritt von Office 2007 wohl der Cebit im kommenden März vorbehalten bleiben.
Ortskenntnis gefragt
Inhaltlich weisen die Reden von fünf großen Repräsentanten verschiedener Branchen auf der CES die Richtung. Bereits zum neunten Mal eröffnete Bill Gates am Vorabend der Messe den Reigen der Sprecher. Ihm folgen an diesem Montag Ed Zander, der Vorstandsvorsitzende von Motorola, die schon seit der ersten CES im Jahre 1967 ständige Präsenz in Las Vegas bewiesen, und Robert Iger, Präsident und CEO der Walt Disney Company, der aller Voraussicht nach den Entwurf von Disneys neuem Internetdienst vorstellen wird.
Gehalten werden sämtliche Reden im Theater des Venetian Resort Hotel, zu dem auch die benachbarte Sands Expo Hall gehört. Eine der wenigen Distanzen, die sich während der Messe in Las Vegas tatsächlich zu Fuß bewältigen lassen. Ansonsten ist die Messe im wahrsten Sinne des Wortes weitläufig. Zwischen den beiden Haupthallen liegen rund zweieinhalb Kilometer. Darüber hinaus findet eine Vielzahl der Veranstaltungen des CES in den Zimmern, Besprechungs- und Ballräumen der weitläufigen Hotels (teilweise mehrere tausend Zimmer) statt. Da diese kilometerweit auseinanderliegen, ist neben Geduld beim Warten auf die Verkehrsmittel auch Ortskenntnis gefragt.
Das wirkt auf den kontinentalen Messegast befremdlich, zumal sich Produkte nicht gerade einfach entdecken lassen. Trotz allem funktioniert die Messestruktur, da sich die CES tatsächlich nur ans informierte Fachpublikum wendet, das oft persönlich zu den verschiedenen Veranstaltungen eingeladen wird, und die Ansprache der "Laufkundschaft" gänzlich vernachlässigen kann. Trotz des Verzichts auf die Breitenwirkung werden in den kommenden Tagen mehr als 140 000 Fachbesucher aus 130 Ländern erwartet.
Text: aywi. / F.A.Z., 08.01.2007, Nr. 6 / Seite 15
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