Von Stephan Finsterbusch und Roland Lindner
29. Juli 2009 Amazon revolutioniert das Lesen, und viele machen mit. Nachdem das amerikanische Internetwarenhaus mit seinem elektronischen Lesegerät Kindle für viel Aufruhr in der Verlagsbranche gesorgt hat, sind nach Sony und Apple nun auch Samsung sowie Barnes & Noble in das Geschäft rund um die dünnen Taschencomputer mit Flachbildschirm, elektronischer Tinte, Funk- und Speicherchips eingestiegen.
Das dürfte zunächst auf den regionalen Märkten und dann über Grenzen hinweg den Wettbewerb anfachen und die Preise für die oft noch mehrere hundert Euro teuren Geräte senken. Während die bislang traditionell aufgestellte Gruppe Barnes & Noble mit dem Hardwarehersteller Plastic Logic zusammenarbeitet, geht Samsung auf dem koreanischen Markt eine Kooperation mit dem Buchhändler Kyobo ein, um auf dem heimischen Markt Erfahrungen rund um das sogenannte E-Book zu sammeln.
Jeden Monat 1000 neue Bücher
Samsung und Kyobo versprechen sich viel davon. Jae-young Lee, Vizepräsident von Samsung, sagte: Wir erwarten noch nicht die großen Gewinne, aber wir wollen dabei sein, wenn die Nachfrage abhebt. Bis dahin wird der Buchhändler Kyobo jeden Monat tausend Bücher digitalisieren und für die Lesegeräte von Samsung verfügbar machen. Die digitale Version eines Romans, Fach- oder Sachbuches soll 40 Prozent weniger kosten als die klassische Papierversion.
Damit wandelt Samsung einmal mehr auf den Spuren des japanischen Konkurrenten Sony. Die Japaner arbeiten seit einiger Zeit mit Buchhandelsketten in Europa, Amerika und Asien zusammen, um ihre Lesecomputer nach vorn zu bringen. Dabei setzen sie auf offene technische Standards. Die können von jedem Verlag übernommen werden. Amazon dagegen bietet eine drahtlose Netzwerkbibliothek und Hard- sowie Software aus einer Hand an. In der vergangenen Woche kam Bewegung in den Markt, als Amazon ernsthafte Konkurrenz erhielt, Barnes & Noble den Einstieg in das Geschäft bekanntgab und eine Verkaufsplattform für elektronische Bücher ins Netz stellte.
Barnes & Noble als größter Anbieter
Barnes & Noble rühmt sich, mit 700 000 Titeln weltgrößter Anbieter von elektronischen Büchern zu sein. Amazon hat derzeit 300 000 Bücher für den Kindle verfügbar. Bei der Offensive von Barnes & Noble wird eine Partnerschaft mit Plastic Logic eine wichtige Rolle spielen. Das Unternehmen aus Kalifornien arbeitet an einem digitalen Lesegerät, das einen biegsamen Kunststoffbildschirm hat. Plastic Logic hat seine Produktion in Dresden, die ersten Geräte kommen Anfang 2010 auf den Markt. Für Plastic Logic ist der Gewinn des prominenten Buchhändlers als Kunden eine imageträchtige Bestätigung seines Projekts.
Barnes & Noble will sich freilich nicht allein auf diese Partnerschaft verlassen. Die elektronischen Bücher des Buchhändlers können auf einer Reihe verschiedener Geräte gelesen werden, darunter auch die Multimediahandys iPhone von Apple und Blackberry von Research in Motion. Auch Amazon beschränkt den Buchverkauf nicht mehr auf Besitzer eines Kindle. Es stellt eine Software zur Verfügung, mit der Bücher auch auf dem iPhone gelesen werden können. Amazon hat mit seinem Kindle dem Markt für elektronische Bücher einen großen Schub gegeben. Das Gerät kam im Herbst 2007 auf den Markt. Trotz eines Verkaufspreises von 359 Dollar war der Kindle schnell ausverkauft.
Rasant wachsender Markt
Amazon und Sony weigern sich bislang, genaue Verkaufszahlen zu nennen. Doch der Markt wächst rasant. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz mit digitalen Büchern nach Angaben des Verlegerverbandes Association of American Publishers in den Vereinigten Staaten um 68 Prozent auf 113 Millionen Dollar. Das entsprach 0,5 Prozent des gesamten Buchmarkts. Nach jüngsten verfügbaren Zahlen vom Mai ist dieser Satz inzwischen auf 1,8 Prozent gewachsen. Amazon hat vor einigen Wochen den Preis des Kindle auf 299 Dollar gesenkt und könnte damit ein breiteres Publikum ansprechen. Daneben gibt es seit dem Frühjahr ein zweites Kindle-Modell mit größerem Bildschirm für 489 Dollar.
Der Kindle wird bislang nur in Amerika verkauft, zu einem möglichen Starttermin in Deutschland macht Amazon bislang noch keine Angaben. So bestimmt Sony mit seinem Reader und der Kooperation mit Libri und der Buchhandelskette Thalia den Markt. Nach den Worten von Unternehmenssprecherin Andrea Hullmann hat sich das Geschäft von Libri seit der Markteinführung des Reader im März besser entwickelt als erwartet. Details oder Zahlen nannte sie nicht. Libri bietet seinen Kunden 3 Millionen physische und digitale Medientitel an.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
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