26. Juni 2008 Intel hat die Chipindustrie in den vergangenen Monaten gehörig aufgemischt. Am unteren Marktende machte der weltgrößte Halbleiterhersteller Furore mit dem Atom-Chip für Billigrechner. Am oberen Ende brachte er Hochleistungsbausteine heraus, die alles bisher Dagewesene verblassen ließen. Das aber ist erst der Anfang. Intel will die Nummer eins in den Märkten für Mobilfunk und Unterhaltungselektronik werden, sagt Justin Rattner, Vorstand für Technik von Intel in Interview. Das Unternehmen investiere deshalb Milliarden in Forschung und Entwicklung.
Herr Rattner, wie sieht die Chipindustrie in zehn Jahren aus?
Das hängt davon ab, was wir heute machen. Denn was wir jetzt an grundsätzlichen Entscheidungen treffen und an Strukturen legen, wird wegweisend für alle sein. Dabei ist eins sicher: Ohne Chips geht künftig nichts mehr. Sie werden eine zentrale Rolle in der Industrie, im Haushalt und der Medizin spielen. Darüber hinaus werden Konsumelektronik und Unterhaltungsindustrie durch das Internet gerade neu definiert. Hier sind gute Chips gefragt und stellt unsere Industrie vor riesige Möglichkeiten.
Welche Rolle spielt Intel?
Eine ganz zentrale. Das heißt, Intel setzt alles daran, ein Wachstumsunternehmen zu bleiben. Wir werden in Märkten aktiv, die sich rasch entfalten. Der Markt für Heimcomputer ist in einigen Bereichen gesättigt. Dieser Markt ist für uns wichtig, doch hier allein können wir unsere Expansionsziele nicht verwirklichen. Daher hat Intel Wachstumsinitiativen auf einer Handvoll zentraler Felder gestartet. Davon werden einige Früchte tragen, andere nicht.
Was heißt das nun konkret?
Das heißt, dass wir das obere Ende des Marktes genauso beackern wie das untere. Nehmen Sie unseren Atom-Chip, der derzeit so viele der kleinen Internetgeräte steuert. Der Baustein kann alles, was er können muss. Er hat eine etwas niedrigere Leistung, verbraucht weniger Energie und ist preiswerter als andere Chips. Das macht ihn für viele Kunden so attraktiv. So ist die Nachfrage enorm. Dabei kommt sie mit den internetfähigen Net-books aus einer Ecke, aus der wir sie eigentlich gar nicht erwarteten. Das ist ein glühend heißer Markt.
Welche neuen Felder bestellen Sie noch?
Wir loten Möglichkeiten in der digitalen Medizin aus. Wir haben mit unseren Prozessoren den Mobilfunkmarkt im Blick, und wir werden verstärkt in der Unterhaltungselektronik aktiv. Kunden klassischer Konsumelektronik verlangen mittlerweile die Internetfähigkeit ihrer Produkte. Das hat Hersteller von Mediaplayern, Settop-Boxen oder TV-Geräten überrascht. Andere Branchen, wie Zulieferer aus der Autoindustrie, kamen auf uns zu und fragten nach Chips, welche die Internetzugänge permanent in Fahrzeugen sicherstellen. Wir hatten bisher Mobiltelefone auf der Internetagenda, und nun sprechen wir sogar über Autos. Das ist unglaublich.
Ihre Ziele erfordern eine breitere technologische Aufstellung als bisher. Was machen Sie, um ihre Basis zu erweitern?
Wir haben auf der technologischen Seite immer an der Spitze gearbeitet, und so wird das auch bleiben. Wir werden 2012 zusammen mit unseren Partnern Samsung und TSMC mit 450 Millimeter großen Siliziumwafern zur effizienteren Chipfertigung an den Start gehen. Das wird die Konsolidierung in der Industrie beschleunigen und am Ende einige wenige Hersteller mit enorm großem Produktionsausstoß dastehen lassen. 2007 brachten wir die ersten Chips mit einer Strukturgröße von 45 Nanometer heraus. 2009 läuten wir dann das Zeitalter der 32 Nanometer ein. Das wird Spuren innerhalb und außerhalb der Branche hinterlassen.
Packen Sie auch wirklich Neues an?
Virtualisierung wird immer wichtiger. Denken Sie nur an Computerspiele. So loten wir derzeit aus, wie wir den klassischen Zentralrechenbaustein und hochleistungsfähige Graphik-Chips ganz eng zusammenbringen können. Das verlangt ausgefeilte Architekturen und schafft hochkomplexe Rechensysteme auf kleinstem Raum. Darüber hinaus wollen wir eine größere Rolle in der System-on-Chip-Technik spielen. Diese Integration großer Teile der Funktionen eines Systems auf einem Stück Silizium hat enorme Möglichkeiten, aber auch Risiken. Denn es braucht viel teure Designarbeit, und die Massenfertigung ist nicht einfach zu stemmen.
Wenn Intel das im ganz großen Stil aufzieht, werden Sie dafür nicht neue Fabriken bauen müssen?
Das ist eine Frage, die jetzt noch nicht zu beantworten ist. Es könnte sein, dass wir neu bauen müssen, es könnte aber auch sein, dass wir bestehende Fabriken nutzen. Entscheidungen sind noch nicht getroffen. Fest steht aber, dass wir in der weiteren Entwicklung dieser Technologie ganz weit vorn mitmischen sollten.
Intel hat zuletzt viel Furore und gute Geschäfte mit seinen Mehrkernprozessoren gemacht. Wohin werden Sie die Entwicklung hier steuern?
In der Sparte der Netzwerkrechner werden wir eine kontinuierliche Steigerung der Anzahl der Rechenkerne in den zentralen Steuereinheiten sehen. Wir haben auch schon einen Sechs-Kern-Prozessor in der Hinterhand, und im Fahrplan stehen bereits acht und noch mehr Kerne. Auf der Seite Heimcomputer ist das etwas schwieriger. Hier geht es vor allem darum, eine leistungsfähige Software zu entwickeln, welche die verschiedenen Kerne im Prozessor effizienter miteinander kommunizieren lässt als bisher, um die Leistungsfähigkeit des Gesamtsystems wirklich auszunutzen. Da sind unsere Software-Entwickler dran. Doch wir brauchen hier mehr Input. Daher arbeiten wir mit Kunden und mit Universitäten zusammen. Diese Kooperationen stehen aber erst ganz am Anfang.
Das Gespräch führte Stephan Finsterbusch.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP
Die Personalie Tietmeyer: Den Bock zum ![]()
EU-Staaten billigen Maßnahmenpaket zur Finanzkrise
West-LB-Chef Heinz Hilgert: Wir Banker haben die Krise mitverschuldet
Rufe nach neuem Bretton-Woods: Europa will Finanzsystem reformieren
Finanzmarktethiker Bernhard Emunds: Unsere Vernunft steckt nicht in einer Krise
Ist in der Finanzkrise jetzt das Schlimmste überstanden?
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.861,63 | -6,49 |
| TecDax | 553,00 | -5,63 |
| DowJones | 8.577,91 | -7,87 |
| Nasdaq | 1.628,33 | -8,47 |
| STOXX 50 | 2.578,06 | -6,48 |
| Nikkei 225 | 9.547,47 | +1,06 |
| S&P 500 Zert. | 9,83 | -2,58 |
| Euro/Dollar | 1,34 | -0,94 |
| Bund Future | 114,06 | +0,13 |
| Gold | 848,20 | +0,73 |
| Öl | 70,31 | -8,34 |