04. November 2007 Nur eine gute Woche durfte sich Microsoft freuen, mit seiner Beteiligung am sozialen Netzwerk Facebook dem Rivalen Google ein Schnippchen geschlagen zu haben. Nun hat Google zurückgeschlagen - und mit einem nahezu genialen Coup fast alle anderen sozialen Netzwerke wie MySpace, Linkedin oder Xing in sein Lager gezogen. Sogar Facebook-Gründer Mark Zuckerberg denkt angesichts der Marktmacht des Google-Lagers darüber nach, dem neuen Google-Standard OpenSocial beizutreten.
Google reagiert mit OpenSocial auf den Höhenflug des sozialen Netzwerks Facebook. Nach dem cleveren Schachzug Zuckerbergs, Facebook schon im vergangenen Mai als Plattform für externe Softwareentwickler zu öffnen, gibt es inzwischen schon Tausende Zusatzprogramme, die von den Nutzern in ihre Facebook-Oberflächen eingebaut werden. Diese Programme sind sehr beliebt und haben das Wachstum von Facebook enorm beschleunigt.
Mit Werbegeldern geködert
Alle anderen Netzwerke haben sich erst mit Verzögerung für diese Öffnung entschlossen - und mussten mitansehen, wie Facebook immer größer wurde. Googles Initiative OpenSocial setzt nun den Standard, damit die externen Entwickler ihre Programme sehr leicht für alle teilnehmenden Netzwerke bereitstellen können. "Die Entwickler haben ein Interesse daran, dass ihre Produkte von möglichst vielen Menschen genutzt werden. OpenSocial gibt ihnen nun Zugang zu einem Markt, der vorher stark fragmentiert war", sagte Joe Kraus, der bei Google für OpenSocial verantwortlich ist.
Googles Köder, damit sich die sozialen Netzwerke an OpenSocial beteiligen, ist die Aussicht auf viel Geld. Nach den Suchmaschinen wird auch den sozialen Netzwerken zugetraut, für Online-Werbeumsätze in Milliardenhöhe gut zu sein. Für die Werber ist an den Netzwerken nicht nur besonders interessant, dass die Nutzer auf ihren Profilseiten viel über ihre wahren Interessen verraten, sondern auch eine bisher nicht gekannte Form des Empfehlungsmarketings. Wenn ein Facebook-Nutzer etwas tut, wird dies über die Verbindungslinien zu seinen Freunden, den "Social Graph", weitergeleitet. Über das populäre Zusatzprogramm iLike teilt ein Facebook-Nutzer zum Beispiel seinen Freunden mit, welche Musik er gerade gut findet.
Social Graph monetarisieren
Oder wer ein werbefinanziertes Spiel in seine Profilseite einbaut, wird damit zum Werbeträger mit Empfehlungsvorteil. "Schließlich weiß jeder, dass eine Empfehlung durch einen Freund tausendmal wirksamer ist als ein Fernsehspot oder eine Anzeige. Der milliardenschwere Kampf zwischen Microsoft und Google um Facebook verdeutlicht das Geschäftspotential, das dem ,Social Graph' zugeschrieben wird. Die große Herausforderung der Werbewirtschaft besteht nun darin, diese weltweiten Empfehlungsnetzwerke zu monetarisieren", sagt Thorsten Mühling, Geschäftsführer der Epoq GmbH, die sich auf Werbung in sozialen Netzen spezialisiert hat.
An dieser Stelle kommen Google und sein Werbeprogramm Adsense ins Spiel: Passend zur Empfehlung eines Freundes, liefert Google auf den Seiten der Netzwerke zum Beispiel Werbung für den nächsten Online-Musikladen mit aus. An der Werbung können dann alle drei Beteiligten verdienen: die Entwickler der populären Zusatzprogramme wie iLike, Rockyou oder Slide, die sozialen Netzwerke und natürlich Google.
Google Adsense wird angepasst
Die Suchmaschine hat diesen Schritt zur sozialen Werbung lange vorbereitet. "Google entwickelt längst Werbemodelle, die über Adsense hinausgehen. Adsense würde auf den Profilseiten sozialer Netzwerke Werbung einblenden, die zum Profil des Besuchten passt. Google arbeitet seit mehr als einem Jahr daran, Werbung einzublenden, die für den Besucher relevant ist", sagte Lars Hinrichs, Vorstandsvorsitzender des deutschen Geschäftsnetzwerkes Xing, dieser Zeitung.
Nun kann Google den Unternehmen, die an OpenSocial teilnehmen, natürlich nicht vorschreiben, wie sie Geld verdienen sollen. Aber die Richtung ist klar: "Die Teilnahme an OpenSocial enthält keine Verpflichtung, an einem Werbesystem teilzunehmen oder überhaupt Werbung auf seinen Seiten zuzulassen", sagte Kraus. Aber: "Google Adsense ist eine phantastische Monetarisierungsplattform. Wir sind sicher, dass die Entwickler Adsense einsetzen werden. Denn das ist gut für sie - und gut für Google", sagte Kraus.
Geschäftsmodelle der Netzwerke ändern sich
Die Aussicht auf die Werbegelder hat die Branche der sozialen Netzwerke, die inzwischen von 250 Millionen Menschen genutzt werden, in Aufruhr versetzt. "Wenn OpenSocial populär ist, wird der Markt der sozialen Netzwerke stark in Bewegung kommen. Es wird Mashups geben, die Elemente mehrerer Netzwerke miteinander verbinden. Das wird die Geschäftsmodelle der meisten Geschäftsnetzwerke ändern", sagte Eric Didier, Gründer und COO des französischen Geschäftsnetzwerkes Viadeo, dieser Zeitung.
Auch Xing setzt bald auf Werbung
Auswirkungen auf sein Geschäftsmodell erwartet auch Lars Hinrichs, Vorstandsvorsitzender des deutschen Geschäftsnetzwerkes Xing. "Werbung wird für Xing ein sehr interessantes Thema werden. Wir werden 2008 auf mehreren Standbeinen stehen", kündigte Hinrichs an. Das kann nur bedeuten, dass Xing noch in diesem Jahr mit der Werbung auf seinen Seiten beginnt. Bisher hatte sich das Unternehmen ausschließlich aus den Beiträgen seiner Premiummitglieder finanziert. Hinrichs erwartet, dass OpenSocial die Bereinigung auf dem Markt beschleunigen wird. "OpenSocial kann für kleine Netzwerke das Aus bedeuten", sagte er. Tatsächlich könnten die Grenzen zwischen den Netzwerken verschwinden und einige Anbieter überflüssig machen. Obwohl Facebook am Dienstag dieser Woche ebenfalls ein neues Werbesystem für sein Netzwerk vorstellt, wird der Vorsprung jetzt wohl schnell schwinden. "Das Spielfeld ist wieder ausgeglichen - keiner hat gewonnen. Nur Google. Die gewinnen immer", sagte Michael Arrington, der das Blog "Techcrunch" schreibt.
Die Freunde überall hin mitnehmen
Mit OpenSocial könnte Google aber noch viel mehr anstellen. "Die langfristige Vision ist, dass man seine Freunde überall im Internet mitnehmen kann. Ein Beispiel: Wer eine Auktionsseite ansteuert, auf der man mit seinen Freunden nicht vernetzt ist, kann dort trotzdem die angeboten Produkte seiner Freunde und deren Freunde sehen", sagte Kraus. Ein Austausch der Nutzerdaten von einem Netzwerk an ein anderes ist zur Zeit nicht möglich. Die Befürchtung der sozialen Netzwerke, Google könnte aber Zugriff auf ihre Nutzerprofile bekommen und damit ganz nebenbei eine Suchmaschine für Menschen aufbauen, teilte Kraus nicht. "Die Netzwerke werden nicht besser durchsuchbar für Google", sagte Kraus. Bisher kann Google in seiner Suchmaschine nur die öffentlichen Profile der Netzwerke anzeigen, die zum Beispiel Facebook oder Xing Google freiwillig zur Verfügung stellen.
Google hat aber genügend Entwicklerkapazitäten, um auf mehreren Feldern gleichzeitig für Wirbel zu sorgen. An diesem Montag wird Google sein neues Betriebssystem für Handys vorstellen. Google tritt damit in Konkurrenz zum von Nokia dominierten Branchensystem Symbian und abermals Microsoft. Das Google-Betriebssystem ist für die Handyhersteller kostenfrei und soll die Google-Programme und die Google-Werbeprogramme in das mobile Internet übertragen. Mitte des kommenden Jahres werden die ersten Mobiltelefone erwartet, die mit dem Betriebssystem von Google arbeiten.
Text: F.A.Z., 05.11.2007, Nr. 257 / Seite 23
Bildmaterial: AP, F.A.Z.
Bankenaufsicht: Überforderte Weltenretter
Wirtschaftsweise sind für 2010 zuversichtlich
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.681,43 | +0,23% |
| TecDAX | 760,49 | 0,00% |
| MDAX | 7.317,69 | +0,48% |
| SDAX | 3.496,88 | +0,37% |
| REX | 373,71 | +0,04% |
| Eurostoxx 50 | 2.887,15 | +0,21% |
| Dow Jones | 10.291,30 | +0,43% |
| Nasdaq 100 | 1.782,95 | +0,55% |
| S&P500 | 1.098,51 | +0,50% |
| Nikkei225 | 9.804,49 | −0,68% |
| EUR/USD | 1,4926 | −0,38% |
| Rohöl Brent Crude | 77,10 $ | −1,03% |
| Gold | 1.114,75 $ | +1,20% |
| Bund Future | 121,42 € | −0,12% |