Sportwetten

Die Österreicher sind der Sieger der Fußball-WM

Von Bettina Weiguny

20. Februar 2006 Egal, wer im Sommer Weltmeister wird, ein Sieger steht fest: Betandwin. Die Österreicher bieten Sportwetten an - was hierzulande außerhalb des staatlichen Monopols eigentlich nicht erlaubt ist, über Umwege aber funktioniert. Schließlich zocken Männer gern, was die Branche genauso beflügelt wie die Aktie. Der Kurs von Betandwin ist in drei Jahren um das Vierzigfache gestiegen: von 2,33 auf 97 Euro.

Vor gerade sechs Jahren gegründet, ist die Internetbude zu einem Star an der Wiener Börse aufgestiegen. Ganze zehn Aktiengesellschaften in Österreich sind mehr wert als Betandwin.

Ziel: Amazon der Sportwettenbranche

Der Umsatz mit Wetten, Internetpoker und Kasinospielen übersprang 2005 erstmals die Milliardengrenze. 2000 waren es 17 Millionen Euro. „Eindrucksvoll“ nannte das die Schweizer Großbank UBS. Ihre Analysten halten schon 2007 einen Umsatz von 6,2 Milliarden Euro für realistisch und sehen weiter Potential für die Aktie.

Und das, obwohl die Wettbetreiber 2004 einen Nettoverlust von 1,4 Millionen Euro ausgewiesen haben. „Wir wollen das Amazon in der Sportwettenbranche werden“, sagen die Wiener.

Trikots für 11.000 deutsche Amateurfußballmannschaften

Um das zu erreichen, lassen sie sich die Werbung einiges kosten. Als Sponsoren wetteifern sie mit Siemens oder Audi. 24 Millionen Euro investierte Betandwin 2004 in den guten Klang der Marke. Für 2005 gehen Schätzungen vom Dreifachen aus. Der Schriftzug prangt überall - an Skipisten, auf Trikots, in der Formel 1, beim Basketball, Handball und Eishockey und natürlich in Fußballstadien: Dortmund oder Barcelona etwa.

Gerade haben die Österreicher die Exklusivrechte zur weltweiten Auslandsvermarktung der Ersten und Zweiten Fußball-Bundesliga erworben. Die Rechte halten sie auch bei der ersten portugiesischen Fußball-Liga. Zudem statten sie 11.000 deutsche Amateurfußballmannschaften mit Trikots aus.

Die WM als Gelegenheit, Neukunden zu gewinnen

Das Konzept, sich durch permanente Präsenz eine beherrschende Marktposition zu sichern, überzeugt die Analysten. Schließlich wächst der Markt für Sportwetten rasant, besonders in Deutschland. Hier steigen die Umsätze jährlich um 30 Prozent. 2004 verzockten die Deutschen 1,5 Milliarden Euro, 2005 etwa zwei Milliarden. Die Kunden können vom Spielausgang über den ersten Torschützen bis zum nächsten Einwurf auf so ziemlich alles setzen. Insgesamt sehen Kenner ein Marktpotential von fünf bis sechs Milliarden Euro.

Besonders während der FußballWeltmeisterschaft werden die Umsätze in die Höhe schnellen. „In solchen Zeiten verdreifachen sich die Wettumsätze“, sagt eine Betandwin-Sprecherin.

Eine wunderbare Gelegenheit, um Neukunden zu gewinnen. Das gelingt, obwohl sich der Markt für Sportwetten hierzulande in einer rechtlichen Grauzone bewegt. Oddset, eine Tochter der staatlichen Lottogesellschaften, beruft sich auf das Staatsmonopol bei Wetten außerhalb des Pferderennsports. Als Marktführer setzt Oddset bei Sportwetten knapp 500 Millionen Euro um - nur ein Drittel der Wetteinsätze insgesamt. Der Großteil fließt also in Kanäle, die es - nach Auffassung des Monopolisten - nicht geben dürfte.

Profiteure deutsch-deutscher Absurditäten

Das sind zum einen die lizenzlosen Internetanbieter. Sportwetten.de beispielsweise besitzt in der Bundesrepublik keine Wettkonzession, bietet aber über ihre englische Beteiligung Eurotip Sportwetten diverse Wetten auf hiesige Sportereignisse an. Mit 25 Millionen Euro Umsatz ist das Unternehmen ein kleiner Fisch, dessen Aktie den Höhenflug von Betandwin nicht mitmacht.

Zudem gibt es noch die Profiteure deutsch-deutscher Absurditäten - darunter Betandwin.com. Deren Tochter Betandwin.de mit Sitz in Neugersdorf an der Lausitz ist über ein Hintertürchen legal in Deutschland tätig und ist mit etwa 300 Millionen Euro Umsatz die Nummer zwei hierzulande. Möglich wurde dies, weil der Konzern nach der Wiedervereinigung eine Lizenz aus DDR-Zeiten ergattert hat. Auf diese Weise operieren auch drei nicht börsennotierte Konkurrenten auf deutschem Boden: Sportwetten Gera, Interwetten und Digibet.

Schwung mit dem Schiedsrichterskandal

Ausgerechnet der Schiedsrichterskandal vor einem Jahr hat das Geschäft der Privaten richtig in Schwung gebracht. „Viele haben durch den Rummel erst gemerkt, daß es Sportwetten gibt und daß unser System sicher ist“, heißt es bei Betandwin. Bei den Internetanbietern muß sich jeder Kunde identifizieren, Gewinne werden nur auf die Privatkonten ausgezahlt. Verlierer des Skandals war Oddset, in deren Wettbüros die Manipulatoren ihre Wetten anonym abwickeln konnten.

Die Fürsorge der Bundesländer für den Monopolisten haben die Betrügereien nicht geschmälert. Unermüdlich kämpfen sie gegen Oddsets private Konkurrenz. Mal verbietet Sachsen-Anhalt seinen Bürgern die Nutzung der privaten Angebote. Mal fordert der Bremer Senat seine Amateurfußballvereine auf, sich von Betandwin keine Trikots schenken zu lassen, da das Unternehmen „illegale Sportwetten“ anbiete.

Grundsatzurteil zu Sportwetten im April erwartet

Kürzlich erst hat das Landgericht Köln Betandwin untersagt, auf der Website betandwin.com Sportwetten in Deutschland anzubieten. Geklagt hatte die Westdeutsche Lotteriegesellschaft. Die deutsche Internetplattform Betandwin.de ist von diesem Urteil ausdrücklich ausgenommen.

Derzeit aber haben die Urteile keine konkreten Folgen. Klarheit in die juristischen Fingerhakeleien soll das Bundesverfassungsgericht bringen. Für den April hat das Karlsruher Gericht ein Grundsatzurteil angekündigt, von dem eine teilweise Öffnung des Marktes erwartet wird.

Sollten die Richter zugunsten privater Anbieter entscheiden, wird das deren Geschäft beflügeln - und zugleich erschweren. Denn die angelsächsische Konkurrenz verfolgt die Entwicklung sehr genau. Wird der Markteintritt erleichtert, werden die Briten auch kommen. Am Geld wird deren Expansion nicht scheitern. Unternehmen wie William Hill setzen sieben Milliarden Pfund um und verdienen dabei 233 Millionen Pfund. Damit spielen sie eine Liga über Betandwin und Co. Kein Wunder, schließlich sind ihre Kunden das wettfreudigste Volk der Welt.

Wo gezockt wird

Wettkönige in Deutschland sind die Bundesländer. Als Tochter der landeseigenen Lottogesellschaften ist der gesetzlich legitimierte Monopolist Oddset die Nummer 1. In Lottoannahmestellen kann man auf sportliche Events aller Art setzen.

Beliebter sind private Internetanbieter. Die Quoten sind attraktiver, da sie nicht wie Oddset einen Teil des Gewinns abführen müssen. Platzhirsch unter der privaten - mit DDR-Lizenz ausgestatteten - Konkurrenz ist die Wiener Betandwin.

Bei 5.000 verschiedenen Wetten am Tag gibt es kaum ein drittklassiges Sportereignis in Europa, auf das man nicht setzen könnte. Sportwetten Gera, Interwetten und Digibet haben ein kleineres Angebot. Weitere Netzanbieter: Sportingbet und Eurotip. bwy.



Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 19.02.2006, Nr. 7 / Seite 49
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

 
Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 4.544,31 -7,01
TecDax 516,75 -4,81
DowJones 8.451,19 -1,49
Nasdaq 1.649,51 +0,27
STOXX 50 2.421,87 -7,86
Nikkei 225 8.276,43 -9,62
S&P 500 Zert. 8,83 -10,45
Euro/Dollar 1,36 -0,30
Bund Future 114,67 -1,44
Gold 855,07 +0,91
Öl 76,65 -7,49
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche