F.A.Z.-Interview

Ebay-Chefin Meg Whitman: „1+1+1 ist mindestens 4“

Ebay-Chefin Meg Whitman: “Nicht der Ansicht, zuviel zu zahlen“

Ebay-Chefin Meg Whitman: "Nicht der Ansicht, zuviel zu zahlen"

13. September 2005 Ebay kauft den Internet-Telekommunikationsdienst Skype für bis zu 4,1 Milliarden Dollar - und hat damit die Fachwelt überrascht. Denn bisher war Ebay ein Internet-Marktplatz mit angeschlossenem Finanzdienstleister PayPal, hatte mit Kommunikation aber wenig zu tun. Daher galt die Suchmaschine Google als großer Favorit auf eine Skype-Übernahme.

Die Ebay-Vorstandsvorsitzende Meg Whitman, die mächtigste Frau der Geschäftswelt, erklärt im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, warum die Übernahme für Ebay sinnvoll ist und wie es mit Skype weitergeht.

Ebay kauft Skype und steigt damit in ein völlig neues Geschäftsfeld ein. Wo liegt die Logik hinter dieser Verbindung?

Wir werden Skype in unseren Marktplatz integrieren. Die Kombination aus Ebay, PayPal und Skype wird unser traditionelles Geschäft beschleunigen. Denn Käufer und Verkäufer können künftig direkt am Telefon miteinander verhandeln, was vor allem bei komplexen Produkten wie Autos oder Industriegütern wichtig ist. Heute senden Käufer und Verkäufer jeden Tag noch fünf Millionen E-Mails hin und her. Das ist nicht besonders komfortabel. Für uns ist klar: 1+1+1 ist nicht 3, sondern mindestens 4.

Wäre es nicht billiger gewesen, einen eigenen Telefondienst zu entwickeln?

Möglicherweise billiger, aber nicht effektiver. Wir hätten mit einer Eigenentwicklung viel Zeit verloren, denn Skype hat heute schon 54 Millionen Nutzer in 225 Ländern und eine sehr bekannte Marke. Je mehr Nutzer einen Dienst schon anwenden, desto schneller setzt er sich im Internet durch. Außerdem wird uns Skype neue Geschäftsfelder eröffnen.

Welche Felder meinen Sie?

Bisher hat Ebay ausschließlich Transaktionsgebühren erhoben. Künftig werden auch „Pay per call“-Dienste möglich sein. Wenn wir den Kontakt zwischen Verkäufer und einem möglichen Käufer herstellen, können wir diese Leistung künftig mit Skype abrechnen. Diese Form der Abrechnung für ein „Lead“ ist bei Personaldienstleistungen, Neuwagen und Immobilien besonders wichtig. Auch unsere Shopping-Seiten Rent.com, Shopping.com, Marktplaats.nl in den Niederlanden und die Kleinanzeigenseite Kijiji werden von Skype profitieren. Zudem kann Skype Ebay in Japan oder Skandinavien helfen, wo Ebay bisher nur eine begrenzte Präsenz hat.

Was passiert mit Skype? Dem Unternehmen wird zugetraut, großen Telekommunikationsgesellschaften wie der Deutschen Telekom im Telefongeschäft ernsthafte Konkurrenz zu machen.

Skype wird ein unabhängiges Unternehmen bleiben und sein bisheriges Geschäftsmodell an den heutigen Standorten weiterentwickeln. Dazu gehört auch der Einstieg in neue Geschäftsfelder wie der Verkauf von Klingeltönen oder die Werbung. Ebay kann Skype bei seinem Wachstum helfen.

Wie?

Bisher mußten Skype-Nutzer, die zum Beispiel aus dem Internet in das Festnetz telefonieren wollten, ihre Rechnung vorab bezahlen, also ein Guthabenkonto aufbauen. Künftig können die Nutzer ihr PayPal-Konto einsetzen und damit bequem im Anschluß an eine Transaktion zahlen. Außerdem können wir Skype helfen, neue Kunden zu akquirieren.

Bleiben die Skype-Gründer Niklas Zennström und Janus Friis an Bord?

Ja. Beide haben Verträge mit hohen Anreizen, dabeizubleiben.

Nach der Ankündigung der Übernahme ist der Aktienkurs von Ebay gefallen. Sind die 4,1 Milliarden Dollar Kaufpreis nicht zuviel für ein Unternehmen, das in diesem Jahr 60 Millionen Dollar Umsatz macht?

Nein, wir sind nicht der Ansicht, zuviel zu zahlen. Skype weist eine grandiose Wachstumsdynamik auf. Kein anderes Kommunikationsunternehmen wächst so schnell.

An der Wachstumsdynamik hat es Ebay zuletzt gemangelt. Können Sie das Wachstum damit wieder antreiben?

Wir waren mit unseren Wachstumsraten im zweiten Quartal wieder sehr zufrieden. Die Zuwächse werden wir in den kommenden Quartalen fortsetzen. Die Skype-Übernahme ist eine Transaktion der Stärke.

Das Gespräch führte Holger Schmidt.



Text: F.A.Z., 13.09.2005, Nr. 213 / Seite 23
Bildmaterial: AP

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