Nokia

Debatte um Jobs für Bochumer in Rumänien

25. Januar 2008 Ein Zeitungsbericht sorgt für Furore: Angeblich wolle Nokia den deutschen Beschäftigten aus Bochum einen Wechsel nach Rumänien anbieten - dorthin zieht das Unternehmen um, wie es vor einiger Zeit bekanntgegeben hatte. Nokia selbst hat den Bericht inzwischen zurückgewiesen.

Konzernsprecherin Arja Suominen sagte der Nachrichtenagentur AP am Freitag in Helsinki, Nokia habe zwar grundsätzlich die Politik, dass sich jeder Mitarbeiter für alle offenen Stellen weltweit bewerben könne. Doch der Konzern sei sich der Tatsache bewusst, dass die meisten Leute es vorzögen, in ihrer Heimat zu bleiben. In Unternehmenskreisen hieß es noch deutlicher: Nokia sei sich darüber im Klaren, dass eine Versetzung der Beschäftigten von Bochum nach Rumänien angesichts der erheblichen Unterschiede zwischen den Ländern keine durchführbare Option sei. In der kommenden Woche will die Nokia-Führungsspitze mit Verantwortlichen aus Gewerkschaft und Politik zusammenkommen, um einen möglichen Sozialplan auszuarbeiten.

„Wenn die Situation nicht so ernst wäre, würde ich sagen, das ist ein Witz“

Nach dem Zeitungsbericht hatte die Bochumer Nokia-Betriebsratschefin Gisela Achenbach in einer ersten Reaktion einen Umzug der Mitarbeiter aus dem Ruhrgebiet nach Rumänien als unvorstellbar bezeichnet. „Wenn die Situation nicht so ernst wäre, würde ich sagen, das ist ein Witz“, sagte Achenbach am Freitag im Fernsehsender N24. „Wie sollen unsere 2300 Leute nach Rumänien umsiedeln oder dort arbeiten?“, fragte Achenbach. „Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen.“

Die Betriebsratsvorsitzende fügte hinzu, vielleicht würden einige Forscher und Entwickler grundsätzlich über einen Wechsel nachdenken können, „aber doch nicht zu den Gehaltsbedingungen, die in Rumänien herrschen“. Achenbach betonte, sie kenne das angebliche Jobangebot nur aus den Medien. Von Nokia sei ein solcher Vorschlag bisher nicht an sie herangetragen worden. „Wenn das denn wirklich so wäre, dann resultiert das vielleicht aus dem Druck der vergangenen Tage, dass man sagt, wir geben ihnen jetzt Arbeitsplätze“, sagte Achenbach. Dies geschehe dann aber „in dem Wissen, dass keiner kommt oder nur sehr wenige kommen“.

Die Betriebsratsvorsitzende rief im „ZDF“ die Bundesregierung zum Eingreifen auf. Bei dem Versuch, die Entscheidung des finnischen Mobilfunkkonzerns rückgängig zu machen, setze man „ganz stark auf unsere Politiker, dass sie ihr Wort in Finnland einlegen“.

Westerwelle: „Eine Sauerei“

Torsten Gerpott, Telekommunikationsspezialist der Universität Duisburg-Essen sagte der „Rheinischen Post“, denkbar sei für ihn die Gründung einer Beschäftigungsgesellschaft. „Die Situation ist vergleichbar mit der Pleite des Handyherstellers BenQ Mobile. Nokia sollte für Qualifizierungsmaßnahmen wie PC-Wissen oder Fremdsprachen sorgen, damit die Beschäftigten leichter woanders unterkommen.“

FDP-Chef Guido Westerwelle sicherte Achenbach in der Fernsehsendung „Maybritt Illner“ derweil seine Unterstützung zu. Er hoffe, dass der Bochumer Betriebsrat Erfolg habe, sagte er. Jeder in Deutschland „mit einer gesunden Portion Patriotismus“ habe das Gefühl, dass der Umgang der Konzernspitze mit den Beschäftigten „eine Sauerei“ gewesen sei.

Die SPD-Spitze äußerte sich derweil verärgert darüber, dass Nokia trotz eines Rekordgewinns das Werk schließen will. SPD-Chef Kurt Beck betonte in einer Nachrichtensendung: „Ich bin wirklich empört darüber, denn das zeigt doch, das alles über diese Werksschließung völlige Rederei ist. Und das es nur darum geht, das man den Rachen nicht voll kriegt, dass man mit 15 Prozent Rendite immer noch nicht zufrieden ist. Und wenn man sieht, dass in Deutschland bei der Handyherstellung vier bis fünf Prozent maximal Lohnkosten sind, dann ist es geradezu eine Bösartigkeit zu behaupten, die Löhne seien an der Verlagerung Schuld.“



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa

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