24. Oktober 2003 Das Gerücht gibt es schon länger, nun werden die Details konkreter: Der Suchmaschinen-Betreiber Google drängt im Frühjahr 2004 an die Börse. Aktien könnten in einer Online-Auktion vergeben werden. Anleger und Banken erwarten einen der spektakulärsten Börsengänge seit vielen Jahren.
Das Unternehmen habe kürzlich Kontakt mit 35 Banken gesucht, die den Aktienverkauf vorbereiten könnten, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Kreise. Welche Banken das sind, ist bisher nicht bekannt. Ein Dutzend von ihnen sei zu weiteren Gesprächen eingeladen worden. Der Börsengang (IPO) könne im ersten Halbjahr 2004 erfolgen. Als Wert peile die Firma 16 Milliarden Dollar an - etwas mehr als der schon gelistete Internethändler Amazon. Das hat es noch nie gegeben, zitiert die Financial Times aus London einen euphorischen Investmentbanker. Google-Sprecher David Krane nahm zu den Angaben nicht Stellung.
Vorsicht nach der Dotcom-Blase
Google plane seine Anteile in einer Online-Auktion zu verkaufen - ein ungewöhnliches Vorgehen, das darauf abziele, sich von Finanzskandalen zu distanzieren, wie sie nach dem Platzen der Dotcom-Blase ein ums andere Mal die Wall Street erschütterten, berichtet die Zeitung. Mit der Auktion könnte Google Gebühren sparen und würde die Macht der Konsortialbanken über das lukrative Emissionsgeschäft brechen.
Googles Absicht, an die Börse zu gehen, ist nie in Frage gestellt worden. Der Schritt würde eine große Menge Kapital mobilisieren und dazu die Mitarbeiter des Unternehmens anstacheln, denen man attraktive Aktien-Optionen anbieten könnte. Analysten hielten die Zeit für gekommen, ein High-Tech-Unternehmen an die Börse zu bringen, heißt es in der Online-Ausgabe der BBC News, weil Anleger sich dem lange gemiedenen Aktienmarkt wieder zuwendeten. Allerdings lasse allein die Größe des Börsengangs eine bankengeführte Aktion wahrscheinlicher erscheinen als eine Online-Auktion.
März 2004 angepeilt
Google-Manager, geführt von Finanzvorstand George Reyes, hätten führende Investmentbanker getroffen, um sie über eine mögliche Aktienausgabe auszuhorchen, so die Financial Times. Die Treffen seien als Beginn eines Prozesses zu werten, der sehr wahrscheinlich - im März 2004 - zum Börsengang des Suchmaschinen-Betreibers führen werde. In den ersten Gesprächen sei es nicht um den Wert des Unternehmens gegangen.
Vielmehr habe Google sich dafür interessiert, wie der Deal am besten gehandhabt werden solle. Eine Auktion würde es erlauben, die Anteile direkt zu verkaufen, ohne daß eine Konsortialbank Vorgaben über Emissionspreis und Verteilung der Aktien machen könnte. Eine ungenannte Quelle bei Google habe beklagt, daß die Praktiken an der Wall Street es den Banken erlaube, die Emissionspreise gezielt niedrig anzusetzen, um dann die Aktien nahestehenden Investoren weiterzureichen. Viele der Anteile würden gleich am ersten Handelstag wieder verkauft, wenn die Kurse gestiegen seien.
Banker warnen vor Tante Agatha
Auf der anderen Seite hätten Investmentbanker gewarnt, daß eine Online-Auktion die Gefahr berge, den Preis für Google-Aktien in unrealistische Höhen zu schrauben, weil das Angebot der massiven Nachfrage von Privatinvestoren nicht standhalten könnte, wenn wieder ein Dotcom-Goldrausch lockt.
Und noch eine Gefahr werde an die Wand gemalt: Am Ende einer Auktion könnten alle Anteile bei Tante Agatha in Des Moines und Onkel Milt in Pittsburgh landen - und es gäbe überhaupt keinen öffentlichen Markt.
Sagenhafter Ruf
Google hat einen sagenhaften Ruf aufgebaut. So wird angenommen, daß die Suchmaschine zu jeder noch so abwegigen Anfrage relevante Informationen liefern könne. Man sucht nicht mehr nach Infomationen, man googelt einfach. 75 Prozent aller Internetsuchen werden heute über Google abgewickelt, sei es über die Google-Seiten selbst oder über Seiten von Partnern des Unternehmens. Die Wettbewerb könnte sich für die Kalifornier mit Sitz in Mountain View verschärfen: Amazon, Yahoo, Microsoft - sie versuchen konkurrenzfähige Angebote zu entwickeln. Doch noch erscheint Google praktisch unangefochten.
Das Unternehmen veröffentlicht keine Finanzdaten, aber die jährlichen Einnahmen werden von einigen Experten auf eine Milliarde Dollar geschätzt. Über einen Börsengang der 1998 gegründeten Firma ist wiederholt spekuliert worden. Investmentbanken drängen sie seit Jahren zu diesem Schritt. Ihr Timing ist fantastisch", sagte ein Technologie-Analyst zu den Angaben. Internet-Suchen seien ein heißes Thema, Google habe ein starke Dynamik und der Markt für Börsengänge sei günstig.
Die Euphorie scheint kaum zu bremsen. Die New York Times urteilt: Googles IPO könnnte ein bahnbrechendes Ereignis sein, auf einer Ebene mit dem Börsengang von Netscape 1995.
Text: @tor
Bildmaterial: google.de
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Brüssel zweifelt am Rettungskonzept für West LB
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