18. Juni 2005 Der größte deutsche Privatsender RTL und der norwegische Schibsted-Verlag prüfen nach Informationen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel, ob sie Gratiszeitungen in Deutschland etablieren können. Bei der Bertelsmann-Tochter könne man sich vorstellen, mit den Norwegern zu diesem Zweck ein Gemeinschaftsunternehmen zu gründen.
Wie der Spiegel aus Unternehmenskreisen erfahren haben will, werde auch ein möglicher Export eines solchen Modells in andere Märkte geprüft, in denen die RTL-Group aktiv ist. Eine ähnliche Kooperation existiert bereits auf dem französischen Markt, wo der größte Privatsender TF1 an den französischen Aktivitäten des schwedischen Schibsted-Konkurrenten Metro beteiligt ist.
20 Minuten-Versuch gescheitert
Schibsted hatte sich vor fünf Jahren bereits mit dem Gratisblatt 20 Minuten Köln in Deutschland versucht und die deutsche Verlagsbranche damit in Aufregung versetzt. Die Norweger waren nach 19 Monaten am vereinten Widerstand von DuMont Schauberg und Axel Springer gescheitert, die im Abwehrkampf beide eigene Gratisblätter auf den Markt warfen.
Bei seinem abermaligen Anlauf plant Schibstedt diverser Anfragen bei Druckereien, Verkehrsbetrieben und Dienstleistern zufolge Gratisblätter in Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Düsseldorf, Stuttgart sowie im Ruhrgebiet zu etablieren. Die Zeitungen sollen jeden Morgen von 6 Uhr bis 9.30 Uhr an Passanten verteilt werden. Später sind danach offenbar auch Ausgaben in Münster, Bremen, Hannover, Karlsruhe und Nürnberg geplant. Neben RTL haben die Norweger auch mit der Stuttgarter Holtzbrinck-Gruppe Gespräche aufgenommen, wo man Partner für die Expansion seines Frankfurter News-Projektes sucht, berichtet das Nachrichtenmagazin.
Deutsche Verlage sind präpariert
Gespräche sowohl mit Metro, wo man ebenfalls einen Start in Deutschland sondiert, als auch mit Schibsted bestätigte WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach. Wir wollen die Entwicklung aber weder anstoßen noch beschleunigen. Mit benachbarten Verlagen wie DuMont seien bereits Strategien durchgesprochen. Wir sind präpariert, sagt Hombach, und wir werden nicht zulassen, daß eine fremde Macht billig in unsere Märkte kommt. Auch Springer-Chef Mathias Döpfner bekräftigte in der vergangenen Woche vor Presse-Grossisten seine Haltung zum Thema: Entweder es gibt keine Gratiszeitung in Deutschland oder wir sind aktiv dabei.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: picture-alliance / dpa
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