29. September 2005 Obwohl die Deutsche Fußball Liga (DFL) noch dabei ist, ihre Pakete mit den Fernsehrechten für die Fußball-Bundesliga zu schnüren, beziehen die Fernsehsender schon jetzt Position, um für den anstehenden Verteilungskampf gewappnet zu sein. Die DFL plant eine Aufteilung der Rechte in neun Pakete, die Live-Übertragungen und Highlight-Berichterstattung der Ersten Bundesliga und der Zweiten Bundesliga in Fernsehen, Internet und Mobilfunk beinhalten. Bei den Sendern rechnet man schon jetzt mit einem spannenden Bieterwettbewerb.
In der Pole Position steht der Pay-TV-Sender Premiere, der sich bislang für 180 Millionen Euro die Rechte für die Live-Übertragung der Bundesligaspiele gesichert hat. Der Sender, der aufgrund seines Börsengangs im Frühjahr 2005 ziemlich liquide ist, wäre aber auch bereit, mehr zu bezahlen, wenn er dafür im Gegenzug mehr Exklusivität von der DFL erhielte. Mehr Exklusivität könnte zum Beispiel bedeuten, daß die Erstverwertung der sieben Samstagsspiele im Free-TV, die sich bislang die ARD für ihre Sendung "Sportschau" für 49 Millionen Euro gesichert hat, zu einem späteren Zeitpunkt stattfände. Die "Sportschau" ist mit ihrem Sendebeginn um 18.10 Uhr zeitlich sehr nah an der Live-Übertragung, was den Anreiz für den Fersehzuschauer auf Pay-TV umzusteigen, schmälert. In Branchenkreise heißt es, Premiere sei der Gewinn an Exklusivität - und die erhoffte Zunahme an Abonnenten - bis zu 250 Millionen Euro wert.
Premiere will jedoch seinen Marktanteil erhöhen
Mehr Fernsehrechte für Premiere würde wohl für viele Fernsehzuschauer bedeuten, daß sie die Samstagsspiele der Bundesliga in der kommenden Saison erst am späten Samstagabend oder erst am folgenden Sonntag im Free-TV sehen könnten. Was den meisten deutschen Fußballfans ein Graus ist, ist in vielen europäischen Ländern schon längst Realität. In England findet die Highlight-Berichterstattung im frei empfangbaren Fernsehen am Samstag und Sonntag erst um 22.30 Uhr statt, und in Frankreich sind die Zusammenfassungen der Spiele erst sonntags um 10.45 Uhr im Free-TV zu sehen. Daraus folgt, daß Pay-TV in den beiden Ländern einen weitaus höheren Stellenwert hat als in Deutschland. Die Bereitschaft der deutschen Fernsehzuschauer zum Abonnement-Fernsehen hat sich in den vergangenen Jahren eher schleppend entwickelt. Ende 2004 waren nur 8,94 Prozent der deutschen Haushalte Premiere-Abonnenten. Der Sender will jedoch unbedingt seinen Marktanteil erhöhen. Um das zu erreichen, spielt das "Premium-Produkt" Fußball-Bundesliga eine wichtige Rolle.
Die spätere Erstverwertung der Spiele für das frei empfangbare Fernsehen hat in England und Frankreich auch bewirkt, daß die Premier League und die Ligue 1 weitaus mehr Geld aus der Vermarktung ihrer Rechte ziehen als die Bundesliga. Während die Premier League etwa 710 Millionen Euro aus der Vermarktung der Fernsehrechte erhält und die Ligue 1 in dieser Saison etwa 550 Millionen mit den Fernsehrechten verdient, mußte sich die DFL mit etwa 295 Millionen Euro begnügen.
ARD rechnet mit höheren Kosten
Doch auch wenn es in Deutschland nach Ansicht eines Premiere-Sprechers "kein Grundrecht auf Live-Fußball im Free-TV gibt", ist der Zuschauer doch ein umfangreiches Angebot im frei empfangbaren Fernsehen gewöhnt. Fußball gilt den deutschen Fans als eine Art "öffentliches Gut", das frei zugänglich sein muß. Sogar die Politik mischt sich immer wieder medienwirksam in dieses Thema ein. Just in dieser Woche veröffentlichte die Medienkommission der SPD eine Erklärung des Kommissionsvorsitzenden Kurt Beck, der verlangte, die Fußball-Bundesliga müsse auch in Zukunft zeitnah zu den Spielen im Free-TV übertragen werden.
Diese Erklärung wird man bei der ARD mit Wohlwollen vernommen haben, denn der Sender möchte seine Position als Erstverwerter der Bundesligaspiele möglichst behalten. Die "Sportschau" hat eine glänzende Quote vorzuweisen. Außerdem konnte der Kaufpreis von etwa 65 Millionen Euro für die TV-Rechte nach Angaben des Senders bisher aus den Werbeeinnahmen refinanziert werden. Bei der ARD geht man jedoch davon aus, daß die Fernsehrechte diesmal nicht so "günstig" zu bekommen sind. "Wir sind uns des Wertes der Liga bewußt und rechnen damit, daß wir für ein Rechtepaket mit gleichem Umfang und Inhalt diesmal wohl auch Gebührengelder in die Hand nehmen müssen", heißt es bei der ARD.
Überraschende Unterstützung für das Free-TV
Doch mit einer signifikanten Steigerung der Gebote seitens der Free-TV-Sender kann wohl nicht gerechnet werden. Zu diesem Schluß kommt jedenfalls eine Studie der Beratungsfirma "Ernst & Young", die die finanzielle Situation des deutschen Profifußballs untersucht hat. Da die ARD den Kauf der Rechte vor allem durch Werbeeinnahmen refinanziert, der Werbemarkt sich in Deutschland nach seinem Einbruch jedoch noch nicht völlig erholt hat, wird die ARD nicht unendlich hoch pokern können. Die "Sportschau" kann zwar hohe Einschaltquoten vorweisen, woran wiederum die Werbeeinnahmen gekoppelt sind. Man muß jedoch davon ausgehen, daß es für die Quote kaum noch Steigerungspotential gibt - also bleiben der ARD als zusätzliche Finanzmittel nur die Gebührengelder, deren Verwendung jedoch relativ eng begrenzt ist.
Trotzdem gibt sich die ARD im Verteilungskampf um die Rechte selbstbewußt. Premiere könne zwar mehr Geld für die Rechte zahlen, aber der Pay-TV Sender erreiche lange nicht so viele Zuschauer wie die "Sportschau". Die hohe Einschaltquote ist wiederum für die Vereine interessant, die ihre Sponsoren vor allem mit dem Argument einer großen Reichweite gewinnen können. So ist es auch nicht verwunderlich, daß die Free-TV-Sender vor kurzem prominente Unterstützung bekamen. Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef von FC Bayern München, sagte, die gesamte Bundesliga sei daran interessiert, daß ihre Sponsorpartner weiter einem Millionenpublikum zugänglich gemacht werden sollten, denn das Sponsoring bringe den Vereinen viel mehr ein als die Fernsehrechte. Das bedeutet im Klartext: Es ist im Interesse der großen Vereine, daß die Highlight-Berichterstattung zeitnah zu den Spielen im frei empfangbaren Fernsehen ausgestrahlt wird.
Alle haben Interesse
Der ARD könnten allerdings auch die anderen Free-TV-Sender Konkurrenz machen. Angelockt von dem Erfolg der "Sportschau", liegt die Annahme nicht fern, daß sich auch andere Sender als Erstverwerter ins Spiel bringen könnten. Für das "Sportstudio" des ZDF, bisher Zweitverwerter der Bundesligaspiele, sind die Samstagsspiele das Kernstück der Sendung. Dieter Gruschwitz, Sportchef des ZDF, sagt, sein Sender wolle sich auch weiterhin um dieses Kernstück bemühen und sich dabei alle Optionen und Möglichkeiten offen halten. Auch das DSF, bisher Erstverwerter der Sonntagsspiele, will sich wieder um die Rechte bemühen, allerdings "nicht um jeden Preis". Und auch die Sender, die sich bei der vergangenen Ausschreibung noch zurückgehalten haben, bekunden nun ihr Interesse: "Die Fernsehrechte sind ein interessantes Thema für uns" heißt es bei RTL. Man wolle die Ausschreibung prüfen und halte es durchaus für eine Option, für die Fernsehrechte mitzubieten. Auch bei Sat1. denkt man schon über eine mögliche Reanimation der Fußballsendung "ran" nach: "Wir sind grundsätzlich an den Rechten interessiert", heißt es aus Berlin. Man wolle sich die Ausschreibung anschauen und gegebenenfalls Gebote abgeben.
Ungefähr einen Monat bevor die DFL ihre Ausschreibung beginnt, halten sich die Sender ihre Möglichkeiten offen. Nur eines ist sicher: Es wird wohl ein heißer Bietherbst.
Text: F.A.Z., 29.09.2005, Nr. 227 / Seite 40
Bildmaterial: dpa/dpaweb
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