16. August 2006 In spätestens vier Jahren ist jedes Mobiltelefon auch ein Navigationsgerät. Davon ist Hans-Hendrik Puvogel, der Geschäftsführer des Münchener Unternehmens Jentro, überzeugt. Jentro entwickelt und betreibt seit dem Jahr 2003 Lösungen für die Handynavigation.
Entsprechend finden sich auf Puvogels Visitenkarte neben den normalen Standardinformationen auch genaue Angaben über Längen- und Breitengrad des Jentro-Sitzes in München. Dort allerdings ist der Manager eher selten zu finden. Puvogel klappert die Branche ab und sucht die Kooperation mit den Netzbetreibern für die Handy-Navigation.
Nutzerzahlen verdoppeln sich ständig
Der Manager ist fest davon überzeugt, daß viele Nutzer gar keine bunte Routenpräsentation mit 3-D-Darstellung der Straßenführung oder ähnlichen Spielereien bei der Navigation brauchen, wie sie von den heutigen Komplett-Systemen geboten werden. Viele Leute wollen einfach nur wissen, wann sie in welche Richtung abbiegen sollen, glaubt Puvogel.
Die stark wachsende Nachfrage nach der Handy-Lösung gibt Puvogel offenbar recht. So nutzen bisher zwar nur rund eine Million Kunden in Europa das Handy als Navigationsgerät. Diese Zahl verdoppelt sich aber in immer kürzeren Abständen - immerhin gibt es rund 560 Millionen Mobilfunkkunden in Europa.
Rasantes Umsatzwachstum
Damit steigt auch der Umsatz der Branche. So hat zum Beispiel Jentro im Jahr 2005 einen Umsatz von 5 Millionen Euro erzielt. Im Jahr 2006 soll dieser auf 20 bis 25 Millionen Euro steigen. Das Geschäft wird in den kommenden Jahren auch weiter so schnell wachsen, erwartet Puvogel. Derzeit ist Jentro Marktführer in Europa und konzentriert sich als einziges Unternehmen auf die Handynavigation. Aber auch Route 66 oder Tom Tom haben inzwischen gute Marktanteile in diesem Marktsegment erobert.
Im Gegensatz zu den klassischen Navigationssystemen machen Jentro und seine Mitbewerber das Handy per Software-Einspielung zum Wegweiser für den Autofahrer - oder den Fußgänger. Die Jentro-Software funktioniert inzwischen mit mehr als 100 Handys, und bei den anderen Anbietern ist dies nicht viel anders. Die Software steuert dabei eigentlich nur die Dateneingabe am Handy. Die eigentliche Route holt sich das Gerät über das Mobilfunknetz von den Netzwerkrechner von Jentro. Dort sind die Karten hinterlegt, und dort wird die Route berechnet.
Wenig Speicherkapazität nötig
Daher braucht das Handy selber keine große Speicher- oder Rechenkapazität, um entsprechende Landkarten verfügbar zu halten oder die beste Streckenführung zu berechnen. Allerdings fehlt ihm meist noch das Signal der GPS-Satelliten, das zur Positionsbestimmung notwendig ist.
Daher bieten Jentro und die Konkurrenten hierfür kleine Zusatzgeräte, die kaum größter sind als eine Streichholzschachtel und irgendwo im Auto deponiert werden können. Sie kommunizieren mit dem Handy über den Funkstandard Bluetooth und liefern auf diesem Weg das Positionssignal an das Mobiltelefon, das diese Information über das Funknetz immer wieder an den Jentro-Rechner weiterleitet.
Staumeldungen und Wegweiser zur Notapotheke
Diese Methode hat nach Ansicht von Puvogel einige Vorteile: Zum einen können die Straßenkarten auf dem Netzwerkrechner immer auf dem neuesten Stand gehalten werden. Langfristige Baustellen können zum Beispiel in die Routenberechnung einbezogen werden.
Auch können sehr aktuellen Staumeldungen dazu genutzt werden, die Route automatisch neu zu berechnen und den Kunden an der Störung vorbeizuleiten. Puvogel sieht aber noch mehr Möglichkeiten. Durch die ständige Aktualisierung der Daten kennt das System zum Beispiel auch die Notdienst-Apotheke in der näheren Umgebung - und kann auch vor Radarfallen warnen.
Der Markt wächst sprunghaft
Doch nicht nur der Absatz von Software für die Handynavigation legt kräftig zu. Der gesamte Markt für mobile Navigationsgeräte ist in den vergangenen 24 Monaten sprunghaft gewachsen. Anbieter wie Tom Tom, Magellan oder Navigon bieten kleine Helfer an, die entweder als Komplettpaket daher kommen oder als Software auf einem Taschencomputer (PDA) mit GPS-Erweiterung installiert werden können.
Der Absatz solcher Geräte hat sich nach Angaben des britischen Marktforschungsunternehmens Canalys binnen Jahresfrist verdoppelt. Allein im zweiten Quartal des Jahres sind in Europa fast 2,5 Millionen solcher Navigationshilfen verkauft worden.
GPS-Chips kosten 8 bis 10 Dollar
Marktführer ist derzeit Tom Tom aus den Niederlanden mit einem Anteil von rund 30 Prozent und fast 750.000 verkauften Geräten im zweiten Quartal. Auf dem zweiten Platz rangiert der bisher eher bei Wanderern oder Seefahrern bekannte Hersteller Garmin, der noch auf einen Anteil von fast 17 Prozent kommt und im vergangenen Quartal rund 408.000 Systeme verkauft hat - rund dreimal soviel wie im Vergleichsquartal des Vorjahres. Von der immensen Nachfrage nach Orientierung wird nach Ansicht von Puvogel auch der Markt für die Handy-Navigation profitieren.
Alle Anbieter warten jetzt darauf, daß mehr Mobiltelefone mit integriertem GPS-Empfänger auf den Markt kommen. Bisher gibt es nur eine Handvoll Geräte, die den entsprechenden Chip an Bord haben. Die GPS-Chips kosten derzeit noch 8 bis 10 Dollar, erklärt Puvogel. Er rechnet damit, daß sich der Preisverfall für diese Teile auch weiterhin fortsetzt. Damit würde es möglich, zumindest alle höherwertigen Handys mit dieser Funktion auszustatten, zumal sich auch die Netzbetreiber von Navigationsangeboten ein lukratives Zusatzgeschäft versprechen.
In Amerika bald Vorschrift
Unterstützt wird die massenhafte Integration von GPS-Chips in die Mobiltelefone auch von den Vereinigten Staaten. Dort wird nach der Verordnung E911 ein solcher GPS-Empfänger im Handy bald vorgeschrieben sein. Offizielle Begründung: Notrufe vom Handy müssen geographisch zu orten sein.
Vermutet wird aber, daß auch die amerikanischen Nachrichtendienste ein Interesse daran haben, daß nur noch Handys ausgeliefert werden, deren Position jederzeit und weltweit auf den Meter genau bestimmt werden kann.
Hohe Kosten im Ausland
Die Kosten der Navigation mit dem Handy sind nutzungsabhängig. So kostet die einfach Routenberechnung beim Anbieter Falk - der die Jentro-Lösung unter eigenem Namen vermarktet - 99 Cent. Auch ein Pauschaltarif von 4,95 Euro im Monat wird angeboten. Hinzu kommen allerdings noch die Anschaffungskosten für die Software, den GPS-Empfänger und die Preise für die Datenübertragung im Mobilfunknetz.
Hierbei empfiehlt es sich, die Kosten bei dem jeweiligen Mobilfunkanbieter genau zu prüfen und selbst bei kleinen Datenmengen, die aber regelmäßig anfallen, einen Datentarif zu wählen, der ein Übertragungsvolumen von einem bis fünf Megabyte im Monat für weniger Euro bietet. Vorsicht ist auch im Ausland geboten: Dort können die Kosten der Datenübertragung sehr viel höher ausfallen als in Deutschland. Manchmal kann es sich daher in diesen Situationen lohnen, es wie früher zu machen: einfach die Landkarte nutzen.
Text: F.A.Z., 16.08.2006, Nr. 189 / Seite 18
Bildmaterial: F.A.Z., picture-alliance / dpa
Wie wir reich wurden (9): Wohlstand allein macht nicht ![]()
Tausende Kreditkarten nach Nutzung in Spanien gesperrt
Euro Finance Week: Auf der Suche nach dem „Neuen Normal“
Ackermann warnt vor Überforderung der Banken durch neue Kapitalregeln
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.804,82 | +2,07% |
| TecDAX | 781,92 | +2,69% |
| MDAX | 7.439,81 | +1,76% |
| SDAX | 3.555,77 | +1,50% |
| REX | 374,56 | +0,17% |
| Eurostoxx 50 | 2.926,15 | +1,50% |
| Dow Jones | 10.407,00 | +1,33% |
| Nasdaq 100 | 1.807,56 | +1,06% |
| S&P500 | 1.109,30 | +1,45% |
| Nikkei225 | 9.746,83 | −0,45% |
| EUR/USD | 1,4953 | −0,09% |
| Rohöl Brent Crude | 78,38 $ | −0,47% |
| Gold | 1.130,00 $ | +2,03% |
| Bund Future | 122,06 € | +0,53% |