02. November 2005 War es nur ein Zufall, daß die Deutsche Telekom ihre Stellenstreichungspläne just am Tag der Veröffentlichung der neuen Arbeitsmarktzahlen bekanntgab? Durch das zeitliche Zusammentreffen mit den Warnungen vor neuen beschäftigungspolitischen Horrorszenarien verstärkt der Konzern seinen Druck auf die Politik.
Sie soll die Regulierung lockern, um Arbeitsplätze zu retten. Allein 5000 Neueinstellungen stehen angeblich auf dem Spiel, wenn die Konkurrenten Zugang zum geplanten neuen Glasfasernetz bekämen. Beschäftigungssicherung statt Ordnungspolitik und Wettbewerb, lautet das zweifelhafte Angebot. Der designierte Wirtschaftsminister Michael Glos und die Bundesnetzagentur sind gut beraten, sich darauf nicht einzulassen. In Deutschland sind in den vergangenen Jahren Tausende neuer Arbeitsplätze in der Telekommunikationsbranche entstanden - nicht beim Marktführer, aber in Konkurrenzunternehmen.
Unterstützung hingegen verdient das von der Telekom geplante Frühpensionierungsprogramm für ihre Beamten. Die von der Bundespost übernommenen Staatsdiener sind eine politische Erblast der Vergangenheit. Deshalb darf die Politik dem Konzern nun keine Steine in den Weg legen. Voraussetzung ist, daß nicht der Bund, sondern die Telekom die Kosten für die Frühpensionäre trägt. Alles andere wäre - schon angesichts der öffentlichen Debatte über eine Anhebung des Renteneintrittsalters - nicht zu vermitteln.
Text: bü., F.A.Z.