Im Test: das iPhone

Die schwerste Kaufentscheidung des Jahres

05. November 2007 Von Freitag an gibt es das iPhone in Deutschland. Die große Frage: Hält Apples Kult-Handy, was es verspricht? Michael Spehr hat die Neuerscheinung unter die Lupe genommen.

Contra: Zu wenig Leistung für viel Geld: Wer genau hinschaut, entdeckt Dutzende von Schwächen.

Wir haben das iPhone viel herumgezeigt, und nach der ersten Begeisterung kommt sofort die Frage, was es kostet. Dass T-Mobile ohne jede Subvention 400 Euro verlangt, wird klaglos akzeptiert. Aber den meisten schmeckt das Vertragsmodell mit der hohen Grundgebühr nicht. Es gibt kein „freies“ iPhone für jedermann. Die Partnerschaft von Apple und T-Mobile ist auf Dauer angelegt, und von den „gehackten“ Geräten im Internet sollte man Abstand nehmen, weil Apple diese Apparate mit jedem Software-Update stilllegen kann. Also muss es T-Mobile sein. Für 50 Euro im Monat bekommt man anderswo eine echte Daten- und Gesprächsflatrate (Die andere Sichtweise: Pro iPhone: Sieht toll aus und ist innovativ).

Bei T-Mobile hingegen sind die 100 Freiminuten im kleinsten Paket schnell abtelefoniert, und dann spricht man für 39 Cent die Minute. Ohne Flatrate kosten solche Telefonate beim günstigsten Anbieter Debitel nur 5 Cent. „Diese Preise sind abstrus“, sagt uns ein Geschäftsmann mit hohem Gesprächsaufkommen. „Soll ich dann zum Telefonieren noch ein zweites Handy mitnehmen, oder was denkt sich T-Mobile dabei?“ Auch die Pseudo-Datenflatrate stößt auf Kritik. Nicht nur, dass Tempo bei intensiver Nutzung gedrosselt wird. Wer auf die pfiffige Idee kommt, die iPhone-Sim-Karte in einem Notebook mit UMTS-Karte einzusetzen, muss die so anfallenden Gebühren extra bezahlen. Das iPhone nutzt nämlich einen speziellen Zugangspunkt zum Netz.

Die Tücke liegt im Detail

Überhaupt ist unser Geschäftsmann mit seinen vielen klugen Fragen am Ende der Bahnfahrt enttäuscht: Das Gerät hat kein UMTS, klagt er, wenngleich Edge eine schöne Alternative ist. Es lässt sich auch nicht als Modem an das Notebook anschließen. Und dann die E-Mail, sein wichtigstes Arbeitsinstrument: Zwar lassen sich private Accounts, etwa von Yahoo oder AOL, schnell einrichten. Aber die Tücke liegt im Detail: Es gibt keine Option, die Abrufgröße zu beschränken, angehängte Fotos werden ohne Rückfrage komplett geladen. Da sitzt man dann und wartet endlos, weil wieder mal einer der Mitarbeiter 5 Megabyte mit Bildern angehängt hat.

Word- und Excel-Dateien in der E-Mail lassen sich betrachten, aber nicht bearbeiten, speichern oder gar via Bluetooth an ein anderes Gerät verschicken. Eine Blackberry-Software fehlt, ebenso ist auch die Synchronisation mit einem Exchange-Server nicht möglich. Auf diese beiden Push-Verfahren muss man verzichten. Es gibt aber einen Exchange-Imap-Kontotyp, dessen Bedeutung uns noch unklar ist. Wer ein komfortables und schnelles E-Mail-System für unterwegs braucht, wie es bei Windows-Mobile-Geräten, vielen Nokias und den Blackberrys selbstverständlich ist, ist mit dem iPhone schlecht beraten.

Einfachste Dinge funktionieren nicht

In den Details der Telefonabteilung hat das iPhone ebenfalls eklatante Schwächen: Für die Kontakte gibt es kein eigenes Symbol auf der hübschen Oberfläche. Man muss über das Telefonmenü gehen und findet dort seine privaten Daten. Man kann einzelnen Personen individuelle Klingeltöne zuweisen, aber nur Apple-Töne, eigene MP3-Dateien lassen sich nicht verwenden. Selbst einfachste Dinge funktionieren nicht: eine Adresse aus der E-Mail ausschneiden und ins Kontaktverzeichnis einfügen oder nach Teildaten suchen (die Immobilienmaklerin aus Offenbach). Der Empfang von Kontakt- oder Kalenderdaten via Bluetooth von einem anderen Gerät ist ebenfalls nicht möglich. Eine Sprachwahl gibt es so wenig wie Voice-over-IP-Telefonate oder verschiedene Profile für draußen mit lauten Klingeltönen und die Besprechung mit besonders leisen Hinweisen. Mit einem Schalter lässt sich allerdings flink ein Vibrationsalarm aktivieren.

Wer Apples Musikspieler kennt, ist auch mit ihren Nachteilen vertraut. Player und Software sind ein hermetisch geschlossenes System, es werden nur die von Apple zugelassenen Audio- und Videoformate unterstützt. Man kann zwar CDs in die iTunes-Software importieren, aber keine DVDs, obwohl das bei diesem tollen Abspieler die natürlichste Sache der Welt wäre. Warum sich auf Youtubes-Videoschnipsel beschränken, wenn die Hardware ganze Filme wiedergeben könnte? Gängige Internetformate wie Divx oder MPEG 1 und 2 lassen sich ebenfalls nicht abspielen, Flash, Realvideo und Windows-Media bleiben außen vor.

Wie sieht es aus mit GPS und Navigation?

Inhalte lassen sich weder mit Bluetooth noch mit einem USB-Kabel, sondern nur via iTunes auf das Gerät bringen. Die Aktualisierung von Podcasts oder im Internet angebotenen Fernsehsendungen via Wireless-Lan oder Mobilfunk ist nicht vorgesehen. Dass die vorhandenen 8 Gigabyte nicht mit Speicherkarten erweiterbar sind, kann man ebenso kritisieren wie den nicht wechselbaren Akku, der ungefähr anderthalb Tage hält.

Die virtuelle Tastatur, die sich automatisch in der unteren Bildschirmhälfte einblendet, hat keine Umlaute. Stattdessen zeigt ein längerer Tastendruck ein Umlautmenü, aus dem wiederum das gewünschte Zeichen mit einer Seitwärtsbewegung auszuwählen ist. Als Besonderheit ist ein selbstlernendes Lexikon mit Buchstabenergänzung eingebaut, das etwas ungewöhnlich funktioniert. Man gewöhnt sich daran und kann nach einigen Tagen recht flink schreiben. Aber nach unserem Eindruck nicht so schnell wie auf einem Blackberry. Google Maps auf dem iPhone begeistert jeden.

Die Landkarten und Satellitenbilder sind flink aufgebaut. Und dann kommt gleich die nächste Frage: Wie sieht es aus mit GPS und Navigation? Auch hier: Fehlanzeige. Alles weglassen, was nicht schick ist oder was kompliziert sein könnte: Das ist die Maxime des iPhone. Aber man muss dann eben auch auf viel verzichten, was bei anderen Geräten selbstverständlich ist (Siehe auch: Pro iPhone: Sieht toll aus und ist innovativ).



Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 04.11.2007, Nr. 44 / Seite V12
Bildmaterial: dpa, REUTERS

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Ergebnis
Kursabfrage 
NamePunkteProzent
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TecDax 584,64 +13,14
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STOXX 50 2.688,32 +11,00
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S&P 500 Zert. 9,30 +5,32
Euro/Dollar 1,35 -0,61
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