24. September 2008 Das schafft sonst nur Steve Jobs. Dem charismatischen Apple-Gründer gelingt es immer wieder, dass neben seiner Fangemeinde auch der Rest der Welt an seinen Lippen hängt, wenn er neue Produkte vorstellt. Ob iPod oder iPhone - eine gesteigerte Aufmerksamkeit ist dem Computerguru jedes mal sicher. Ebenso wie der Neid der Wettbewerber.
Jetzt kommen Google und T-Mobile. Gemeinsam stellen sie mit dem ersten Google-Handy einen ähnlichen Publikumsmagneten vor, über den schon vor seinem Erscheinen mehr geschrieben wurde als über andere Produkte während ihres gesamten Lebenszyklus. In den einschlägigen Internetforen wird seit Monaten über das Aussehen und die Eigenschaften des Google-Handys spekuliert. Jetzt ist es da. In New York hat T-Mobile USA das Gerät am Dienstag vorgestellt, und im Oktober wird es in den amerikanischen T-Mobile-Läden stehen. Es soll rund 180 Dollar kosten, wenn der Kunde einen Laufzeitvertrag mit einem Datenkontingent dazukauft. Der Start auf dem deutschen Markt soll im ersten Quartal des nächsten Jahres erfolgen.
Die nächste große Werbewelle ist das mobile Internet
Die Aufmerksamkeit, die dem Google-Handy entgegengebracht wird, das vom Hersteller HTC in Taiwan gefertigt wird, hat Gründe, die über dieses erste Gerät weit hinausgehen. Die nächste große Werbewelle ist das mobile Internet, hat Google-Chef Eric Schmidt jüngst dieser Zeitung gesagt (siehe dazu auch: Eric Schmidt: Die nächste große Welle ist das mobile Internet) und keinen Zweifel daran gelassen, dass Google seine dominierende Position im Internet-Werbegeschäft auch in das mobile Internet hinüberretten will.
Dabei stand dem Unternehmen aber die Fragmentierung des Marktes für Handy-Betriebssysteme im Wege: Die hochgradige Fragmentierung auf der Seite der Betriebssysteme hat für Google dazu geführt, dass wir mehr Leute für das Testen der verschiedenen Internetanwendungen auf unterschiedlichen Geräten gebraucht haben als Programmierer für die Anwender selber. So beschrieb Rich Miner, der als Group Manager Mobile Plattforms für Google arbeitet, die Situation (siehe dazu auch: Google im Handformat). Deshalb entschied sich Google, das Heft selbst in die Hand zu nehmen, kaufte im Jahr 2005 das Unternehmen Android und baute dessen Software-Plattform schrittweise zum Handybetriebssystem gleichen Namens aus.
Drauf steht T-Mobile, drin ist Android
Auf dem G1 genannten Geräte steht daher zwar T-Mobile drauf, darin aber steckt das Android-System, das von einer von Google dominierten Allianz aus 33 Unternehmen entwickelt wird. Die Hardware-Ausstattung des G1 ähnelt der des iPhone von Apple: UMTS-Telefon, GPS-Empfänger zur Navigation und W-Lan-Schnittstelle zum schnellen Surfen in den lokalen Funknetzen. Google setzt - ebenso wie Apple in seinem AppStore für das iPhone - auf eine große Entwicklergemeinde, die ihre Programme in einem Android-Market genannten Softwarekaufhaus im Internet anbietet.
Google wäre aber nicht Google, wenn die Softwareausstattung nicht zu weiten Teilen auf den Betreiber der Suchmaschine zugeschnitten wäre. Suchmaschine: Google; E-Mail: gMail von Google; Navigation: Google-Maps. Alle Anwendungen sind auf dem Gerät mit einem Klick erreichbar. Zudem verlangt Google eine Registrierung der Nutzer beim E-Mail-Dienst gMail und eifert damit ebenfalls Apple und dem iPhone nach. Auch dort muss sich der Nutzer beim Internet-Musikladen iTunes-Store registrieren, um das Gerät überhaupt nutzen zu können. So stärken beide Anbieter von Anfang an den Kundenkontakt und öffnen - unabhängig vom Netzbetreiber - einen Kommunikationskanal direkt zum einzelnen Nutzer, was Voraussetzung für anschließende Geschäfte ist.
Zwei Fliegen mit einer Klappe
Mit dem Eintritt in den Mobilfunkmarkt schlägt Google zwei Fliegen mit einer Klappe. Auf der einen Seite erweitert das Unternehmen seine Präsenz auf das mobile Internet und kann - wenn das Projekt erfolgreich wird - auf der anderen Seite die Konkurrenten Microsoft und Nokia empfindlich treffen.
In dem hart umkämpften Markt für die internetfähigen Mobiltelefone mit Multimediafunktionen, die auch als Smartphones bezeichnet werden, dominiert bisher vor allem Nokia mit dem Betriebssystem Symbian das Geschäft. Mehr als die Hälfte aller Smartphones wurden im zweiten Quartal des Jahres mit dem Symbian-System ausgestattet - und binden den Kunden damit in eine von Nokia-Angeboten geprägte Welt ein. Microsoft kommt auf einen Marktanteil von 12 Prozent, der aber schnell wächst. Der Softwarekonzern hat Hunderte von Millionen Dollar in sein Programm Windows Mobile gesteckt, war angesichts der hohen Investitionen bisher aber nur mäßig erfolgreich.
Das Ziel der Unternehmen ist jeweils das gleiche: Alle wollen auf dem Handy die Schnittstelle zum Kunden kontrollieren, da hier künftig mit Werbung oder zusätzlichen Diensten das Geld im mobilen Internet verdient werden wird.
Analysten trauen dem Unternehmen einiges zu
Angesichts der Erfahrung, die Google bereits im Online-Werbegeschäft gesammelt hat, trauen Analysten dem Unternehmen durchaus Chancen zu, auch im Mobilfunk künftig eine entscheidende Stelle in der Wertschöpfungskette zu besetzen. Android hat das Potential bis zum Jahr 2011 in rund 10 Prozent der Smartphones als Betriebssystem zu stellen, erklärt Roberta Cozza, Analystin beim Marktbeobachter Gartner.
Ein Ziel hat Google schon jetzt erreicht: Nokia verdient mit dem Symbian Betriebssystem kein Geld mehr. Kurz nach der Ankündigung, dass Android kostenlos abgegeben wird, gab auch Nokia bekannt, dass die Handyhersteller künftig für das Symbian-System ebenfalls nichts mehr zahlen müssen. Jetzt berechnet nur noch Microsoft etwas für sein Windows Mobile. Es fragt sich: Wie lange noch?
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS, T-Mobile
Der Arcandor-Komplex in drei ![]()
Kommentar: Über die zweite Mauer
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