12. September 2004 Die Zahl der Internet-Nutzer in Deutschland hat mit 35,7 Millionen in diesem Jahr ihren bisherigen Höchststand erreicht. Allerdings ist die Internet-Nutzerschaft nur noch um 1,3 Millionen gestiegen, haben die Fernsehsender ARD und ZDF in ihrer gemeinsamen Online-Studie herausgefunden. In den Jahren zuvor betrug die Zahl der Neueinsteiger zwischen 3,5 und 7,2 Millionen. Kräftige Zuwächse wurden 2004 nur in den neuen Bundesländern verzeichnet.
Die Sättigungstendenz geht mit einer gezielten Netznutzung einher. Die Zahl der Menschen, die im Netz auf der Suche nach interessanten Seiten umhersurfen, geht stetig zurück. Im Gegenzug konzentrieren sich immer mehr Nutzer auf wenige bekannte Angebote. Entsprechend ist die Zahl der besuchten Seiten je Online-Sitzung seit 2000 von 7,1 auf 5,5 gefallen. Das gezielte Ansteuern der gewünschten Seiten äußert sich auch in einer erstmals gesunkenen Internet-Zeit: Die durchschnittliche Verweildauer der Internet-Nutzer beträgt nur noch 129 Minuten am Tag, neun Minuten weniger als 2003.
"Ende der Kostenlos-Kultur"
Von dem gezielten Aufsuchen haben in den vergangenen Jahren vor allem die Händler, die Banken und der Marktplatz Ebay profitiert. Diese Anwendungen sind für den überraschend starken Zuwachs im vergangenen Jahr verantwortlich gewesen, als vor allem Menschen mittleren Alters zu den Neueinsteigern gehörten, die von vielen Presseberichten über Ebay und Co. neugierig gemacht wurden. Dagegen haben Anwendungen wie Newsgroups, Daten-Download oder Spiele in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren.
Die Zahlungsbereitschaft für Inhalte geht zurück, seitdem das "Ende der Kostenlos-Kultur" im Internet nicht mehr lautstark propagiert wird. Waren im Jahr 2001 noch 27 Prozent der Internet-Nutzer bereit, für Inhalte im Netz zu zahlen, ist dieser Anteil in diesem Jahr auf 18 Prozent gefallen.
Kelkoo Aufsteiger des Jahres
Die Konzentration auf ein eng begrenztes Koordinatensystem verschärft automatisch den Wettbewerb der Internet-Unternehmen. Die Zugangsdienste haben im vergangenen Jahr kaum noch neue Kunden gewinnen können. Die Herausforderung besteht für Anbieter wie T-Online, Freenet oder AOL vor allem darin, ihre bestehende Schmalkundschaft in höherwertige Breitband-Tarife zu migrieren.
Unter den Top ten im deutschen Internet haben im vergangenen Jahr nur noch Ebay und die Suchmaschine Google signifikante Reichweitenzuwächse verzeichnet. Zu den Aufsteigern des Jahres gehört der Preisvergleichsdienst Kelkoo, der inzwischen von Yahoo aufgekauft worden ist.
Internet-Nutzerschaft unterteilt in sechs Nutzertypen
In wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist die Schnäppchenjagd im Internet zum Volkssport geworden. In den Ebay-Auktionen werden nicht nur Neuprodukte, sondern zunehmend neuwertige Gebrauchtgüter gehandelt, hat die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) herausgefunden. Dieser private "Second-hand-Markt" entziehe dem stationären Handel zusätzliches Geschäft. Da sich die Verbraucher mit Einkäufen und Anschaffungen eher zurückhielten, gehe die intensive Internet-Nutzung zu Lasten des stationären Handels und des Versandhandels, schreiben die GfK-Forscher.
ARD und ZDF haben die Internet-Nutzerschaft in sechs Nutzertypen unterteilt: Mehr als die Hälfte der Nutzerschaft entfällt auf zurückhaltende Typen, die sich sehr dosiert in die Internet-Welt hineintasten. Diese Menschen haben zwar die für sie interessanten Anwendungen gefunden, zeigen aber wenig Neugier auf neue Anwendungen. Etwa 30 Prozent der Nutzerschaft entfällt auf die E-Consumer und routinierte Infonutzer, die besonderen Wert auf Einkaufsmöglichkeiten, Internet-Banking und die Nachrichtenangebote im Netz legen.
Kosten eines Computers und der Internet-Nutzung gewinnen an Bedeutung
In dieser Zielgruppe reicht die Nutzungsfrequenz des Internet inzwischen an die Tageszeitung heran. Insgesamt geben rund zwei Drittel aller Internet-Nutzer an, die anderen Medien Fernsehen, Radio und Printmedien genauso zu nutzen wie vorher. Lediglich in der Gruppe der "Jungen Hyperaktiven", die fast alle Anwendungsmöglichkeiten im Internet intensiv nutzen, geht die Surfzeit eindeutig zu Lasten anderer Medien, vor allem des Fernsehens.
Die Gründe der etwa 45 Prozent der Erwachsenenbevölkerung, die das Internet nicht nutzen, sind vor allem das ausreichende Angebot der anderen Medien und die fehlende Notwendigkeit. Im vergangenen Jahr hat die Bedeutung der zu hohen Kosten eines Computers und der Internet-Nutzung stark an Bedeutung gewonnen.
Text: ht. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.09.2004, Nr. 213 / Seite 19
Bildmaterial: F.A.Z.
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